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Helga Maria Wolf

An Gottes Segen ist alles gelegen#

Segnung des Johannesweis, Wien-Sievering 2019

Ein nostalgisches Stickbild bringt es auf den Punkt: "An Gottes Segen ist alles gelegen". Auch als Hausinschrift, auf Porzellantellern oder dekorativen Holzreliefs findet sich der Spruch, der auf ein Wallfahrtslied Salomos (Psalm 127) zurückgeht. Dort heißt es "über die Mühe des Menschen und den Segen Gottes": "Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut." Es hat also seine Logik, wenn man den Text als eingängigen Reim unter den Giebel malt oder als Haussegen in die Stube hängt.

Gestickte oder gemalte Haussegen sind ebenso aus den Wohnungen verschwunden, wie Weihbrunnkessel. Bis vor nicht allzu langer Zeit war es üblich, sich daheim mit Weihwasser zu besprengen oder Kindern vor dem Schlafengehen damit ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. Nur beim Betreten der Kirche bekreuzigt man sich noch mit dem geweihten Wasser. Das Weihwasser trägt seinen Namen zu Recht, es wird vom Priester für den kirchlichen Gebrauch geweiht.

Früher, mehr als heute, ließen die Gläubigen Rosenkränze und andere Devotionalien von einem Geistlichen segnen, was sie aber "weihen" nannten. Solche Sakramentalien spielten im Alltag eine Rolle als Schutz- und Segensmittel. Nicht nur hier waren die Grenzen zwischen Glauben und so genanntem Aberglauben fließend. So genannt deshalb, weil es immer davon abhängt, aus welcher Zeit und von wem die Unterscheidung stammt. Besonders wichtig war den Leuten die apotropäische - Unheil abwehrende - Wirkung solcher Objekte. Man mag heute manche Handlungen als "abergläubische Zusatzversicherung" belächeln oder als magisch kritisieren. Ein wesentliches Motiv für den so genannten Aberglauben ist immer die Angst. Dagegen half das Vertrauen auf das Prinzip "An Gottes Segen ist alles gelegen". In Zeiten ohne Blitzableiter war es existenzbedrohend, wenn ein Haus einen Einschlag erlitt und abbrannte. Der Witterung ausgeliefert und vor dem Gebrauch von Kunstdünger war die Ernte stets gefährdet. Mangels medizinischer Versorgung oder der Möglichkeit, den Arzt zu bezahlen, suchte man in Krankheitsfällen Hilfe bei Laienheiler, die so genannten Wender. Sie wendeten (bei Menschen und Tieren) Rituale an, bei denen sich kirchliche (Kreuzzeichen) und magische Gesten vermischten.

Sakramentalien als "abergläubische Zusatzversicherung"

Bekannte Beispiele für Sakramentalien, bei denen populäre Vorstellungen ihre Eigendynamik entwickelten, sind Palmbuschen, Osterspeisen, Flurumgänge oder die Kräuter zu Maria Himmelfahrt, die in der Kirche ihren Segen erhalten.

Der Palmbuschen diente in der vorindustriellen Lebenswelt vielerlei Zwecken. Er wurde aus Pflanzen gebunden, denen man Symbolkraft zusprach. Während Weidenzweige die biblischen Palmzweige ersetzen, sollte Buchs (Buxus sempervivens), ein immergrüner, giftiger Strauch mit kleinen, ovalen Blättern, im populären Glauben den Teufel vertreiben, vor Blitz schützen und Glück bringen. Der Buschen diente als Segenszeichen in der Stube und wurde als Schutzmittel in die Felder gesteckt. Manche sollen Weidenkätzchen gegen Halsschmerzen geschluckt haben, und - wie Kritiker bemerkten - daran erstickt sein.

In vielen Kirchen findet zu Ostern eine Speisensegnung ("Eierweihe") statt. Die Benedictio ovorum reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Man lässt Eier, Brot, Schinken und Salz, Kren, ein Lamm aus Butter, mancherorts auch Kuchen, segnen. Daran knüpft sich der Glaube, dass diese, gemeinsam verzehrt, die Familie zusammen halten. Eine weitere Vorstellung war, dass derjenige, der als erster von der Kirche heimkehrte, die beste Ernte haben werde. Die Jesuiten propagierten die Speisensegnung, während sie die Reformatoren ablehnten. Evangelische Pfarrer verboten den Kindern, sich von ihren Paten Ostereier zu holen, was wiederum die katholischen Geistlichen forderten.

Im Frühsommer, an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt oder zu Fronleichnam, sind Flurumgänge Brauch. Prozessionen über die Felder haben antike Vorgänger. Die Römer hielten am 25. April Bittprozessionen (Ambarvale - um die Fluren herum) zu Ehren des Gottes Robigus und zum Schutz des Getreides. Der Brauch wurde im 4. Jahrhundert von der älteren christlichen Bittprozession (Litania maior) abgelöst. Fronleichnams-Prozessionen mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, die der Priester unter dem alten Machtzeichen des Baldachins ("Himmel") trägt, sind 1273 in der deutschen Abtei Benediktbeuern überliefert. Der Prozessionsweg ist üblicherweise mit Birkenzweigen geschmückt, die am Ende von den Leuten mitgenommen werden, weil sie sich davon (wie vom Palmbuschen) Heil erhoffen. Dem "Umgang" liegt die Tradition der Flurumgänge und Reliquienprozessionen zu Grunde. Verschiedene Gruppen begleiteten das Allerheiligste mit Fahnen, Bildern, Kerzen und szenischen Darstellungen. Dabei traten seit dem 16. Jahrhundert besonders Bruderschaften in Erscheinung. Seit dem 15. Jahrhundert ist es üblich, an vier Stellen Halt zu machen und nach den Himmelsrichtungen die Evangelienanfänge als Segen zu singen. Unabhängig von diesem Termin wurde der Johannesprolog, die ersten Worte des letzten Evangeliums - "Im Anfang war das Wort …" - als Segensformel und Amulett verwendet. Schon Augustinus (354-430) war bekannt, dass man sich Abschriften gegen Fieber auf den Kopf legte. 1023 verbot die Synode von Seligenstadt den magischen Gebrauch, der jedoch weiter gepflegt wurde.

Der deutsche Theologe und Psychotherapeut Hans Gerhard Behringer, der von der "Heilkraft der Feste" überzeugt ist und Segnen für den modernen Alltag empfiehlt, schreibt: "Hinauszugehen in die Natur, ist schon ein wesentlicher Impuls. Es zusammen mit anderen zu tun, im Miteinander, gemeinsam zu singen und zu beten …, ist ein weiterer. Welch eine Tradition, welch ein Brauch! In die Natur gehen und Gutes sagen. Zu den Pflanzen, den Tieren, dem Wind und dem Wetter, zur Sonne und dem Regen… uns Menschen." Behringer erzählt die Geschichte des „Engels von Zürich“, einer Frau im Rollstuhl, die auf dem Hauptbahnhof die Passanten innerlich segnet. Als der Theologe mit ihr sprechen wollte, erhielt er zur Antwort "Ich habe jetzt keine Zeit. Da kommen gerade so viele Leute an, und ich bin doch zum Segnen da!“ Anfangs war er enttäuscht, doch das Lebensmotto - "Ich bin doch zum Segnen da" - hat ihm noch lange zu denken gegeben.

Benediktionen im Lauf des Kirchenjahres

Mit dem Dreikönigstag (6. Jänner) enden die zwölf Rau(ch)nächte nach Weihnachten. Sie sind wohl nach dem Ausräuchern benannt, das Unheil von Haus und Hof abwehren sollte. Diese Segnung wurde traditionell von Laien durchgeführt. Auf eine Schaufel oder in eine Pfanne gab man Glut und dazu Weihrauch, geweihte Kräuter oder Teile des Palmbuschens. Betend und segnend ging der Hausvater, begleitet von Familie und Gesinde, damit durch den ganzen Bauernhof, oft wurde Weihwasser ausgesprengt. Ein Salzburger Spruch dazu lautet: "Glück herein, Unglück hinaus". Am Epiphaniefest segnet der Priester die Sternsinger vor ihrer Aussendung, ebenso Kreide, die sie mit Weihrauch und Weihwasser zur privaten Haussegnung verwenden. Dabei schreiben sie "C+M+B" mit der Jahreszahl über die Haustür. Die Buchstaben werden als Christus mansionem benedicat (Christus, segne dieses Haus) oder die Glück bringenden Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar gelesen. Den gleichen Zweck sollten amulettartige Dreikönigszettel erfüllen, in denen die heiligen Drei mit Jesus, Maria und Josef oder mit der Dreifaltigkeit auf eine Stufe gestellt wurden.

Seit dem 16. Jahrhundert besteht der liturgische Brauch des Blasiussegens. Der Priester spendet ihn am 3. Februar den einzelnen Gläubigen unter Vorhaltung von zwei geweihten, gekreuzten Kerzen. Die Benediktion lautet: „Auf die Fürsprache des hl. Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen.“ In der Wiener Michaelerkirche wird der Segen nicht mit Kerzen, sondern durch Anhalten der Reliquie (durch Laien) erteilt. In Kleinwien (Niederösterreich) segnen und verteilen die Priester in der Filialkirche St. Blasien seit mindestens 300 Jahren Blasiusbrot. Ein Mirakelbuch aus dem 18. Jahrhundert berichtet über Genesungen von Menschen und Tieren nach seinem Genuss. In Völs (Tirol) lassen die Gottesdienstbesucher mitgebrachte Blasiusbrezen segnen.
Die Kräutersegnung zu Maria Himmelfahrt ist wohl ein getaufter Brauch, der um die Jahrtausendwende in Deutschland entstand - in Abgrenzung zur kosmisch-magischen Frömmigkeit der Herbarii, die Pflanzen unter Beschwörungsformeln ausgruben und damit zu heilen und zu zaubern versuchten. Man stellt - nach dem Vorkommen in Zahl und Art unterschiedliche - Kräuterbuschen (“Würzwisch”) zusammen. Zu den bekanntesten zählen: Heckenrose (Rosa canica), Johanniskraut (Hypericum perforatum), Kamille (Matricaria chamomilla), Wilde Möhre (Daucus carota), Pfefferminze (Mentha piperita), Rainfarn (Chrysanthemum vulgare), Schafgarbe (Achillea millefolium). Ähren stellen eine weitere Beziehung zu Maria dar. Die Verwendung des Kräuterbuschens als Sakramentale entspricht dem Palmbuschen.

Scheinbar verschwundene Bräuche erleben in den letzten Jahren und Jahrzehnten neuen Aufschwung. Bei der Kräutersegnung sind pflegerische Vereine, wie die Goldhaubenfrauen im Mostviertel aktiv, die am 15. August ihre Wallfahrt in Tracht veranstalten. Andererseits zeigen sich esoterische Kreise naturverbunden. In Wien erfreut sich die Tiersegnung am 4. Oktober wieder großer Popularität. Nach einer Segnungszeremonie geht der Dompfarrer zu den einzelnen Teilnehmern, um deren Haustiere zu segnen. Diese brauchen aber nicht anwesend sein, es genügt auch ein Foto oder ein Abbild auf dem Smartphone. Schließlich erhalten die Pferde am Fiakerstandplatz ein Stück geweihtes Brot.

Sichtbares Zeichen des Erntedankfestes ist eine große Bügelkrone mit vier oder sechs Bögen, die auf einem Reifen sitzen und in einem Kreuz münden. Das meterhohe Metallgestell ist mit Getreide verschiedener Arten umwunden, das Kreuz an der Spitze aus vergoldeten Nüssen, Mohnkapseln oder etwas ähnlichem gefertigt. Aus einem schlichten Zeichen, dem Kranz der Gutshof- und Saisonarbeiter, die damit die Fertigstellung der Arbeit und ihrer Forderung nach dem entsprechenden Fest Ausdruck verliehen, wurde ein katholisches Standessymbol der Bauern. Innovatoren waren geistliche Volksbildner wie Josef Weigert (1883-1966) in Deutschland oder Leopold Teufelsbauer (1886-1946) in Österreich. Teufelsbauer widmete 1933 dem Erntedankfest eine Kleinschrift des von Pius Parsch (1884-1954) geleiteten Volksliturgischen Apostolats in Klosterneuburg. Er schlug vor, das neue Fest am Quatembersonntag Mitte September, in Weinbaugemeinden an einem Sonntag im Oktober, zu begehen. Das Heft gibt ein Modell bis ins Detail, von der Einladung über Lieder und Texte, Herstellung der Erntekrone und Anregungen für das anschließende Dorffest. Üblicherweise orientiert sich das Programm der Erntedankfeste nach wie vor am Teufelsbauer-Modell: Festgottesdienst, Segnung der Erntegaben, Frühschoppen, Agape, Umzug mit der Erntekrone und rustikal geschmückten Wagen, Tanz und Unterhaltung.

Die Segnung des Johannisweines ist der letzte Rest einer Reihe der Weinsegnungen an den Festen verschiedener Heiliger. Das Minnetrinken war ein alter und weit verbreiteter Brauch. Man erhoffte sich von dem Getränk Hilfe in schwierigen Lebenssituationen und für einen guten Tod. Die Minne sollte vor Zauberei, Vergiftung, Ertrinken und Blitzschlag schützen, Männer stark und Frauen schön machen. Sie war Medizin, Abschiedstrunk, Brautsegen, Schutzmittel für den Wein und die Landwirtschaft. Als Minneheilige galten vor allem der Erzmärtyrer Stephan und der Evangelist Johannes sowie Gertrud, Martin, Michael, Sebastian, Ulrich und Urban. Im Hochmittelalter zählten sie zu den beliebtesten Namenspatronen. Die Stephansminne ist seit karolingischer Zeit (8.-11. Jahrhundert) belegt, die Johannesminne seit dem 10. Jahrhundert. Sie galt Sterbenden als Wegzehrung, das ist u. a. von der Mutter Albrecht Dürers (1471-1528) bekannt. Nach der Segnung des Johannesweins am 27. Dezember reichte der Priester bei der Agape den Wein mit den Worten "Trinket die Liebe des heiligen Johannes". Aktuell findet die Johannesweinsegnung z.B. in der Pfarre Sievering, Wien 19, statt. Gertrudenminne trank man zum Abschied und zur Versöhnung. Eine Ballade aus dem 14. Jahrhundert erzählt, St. Gertrud habe einen Ritter, der seine Seele dem Teufel verschrieben hatte, gerettet, indem sie ihm Johannesminne zu trinken gab.

Zur Gräbersegnung zu Allerheiligen bzw. Allerseelen kommen auch heute noch Gläubige. Allerdings geht der individuelle Besuch und Schmuck der Grabstätten zurück. Das deckt sich mit Aussagen der "Friedhöfe Wien", die feststellen, dass Gräber an Bedeutung verlieren. Von den 550.000 Gräbern werden immer mehr aufgelassen. Jährlich nur noch 7.000 Wiener wollen ein Erdgrab. Ein Drittel aller Österreicher wünscht sich eine Kremation (die wesentlich günstiger ist). Dazu kommen neue Formen wie die Beisetzung der Urne in einem Waldfriedhof, das Verstreuen der Asche oder - seit 2012 - die Diamantbestattung, bei der in einem mehrmonatigen Verfahren ein Teil der Asche in einen Rohdiamanten transformiert wird.

Zwischen Segen und Magie

Das 1987 erschienene "Werkbuch" mit dem Titel "Heute segnen" verweist auf das römische Benediktionale, das angibt, wer die einzelnen Segnungen durchführt. Dort sind es 20, die auch Laien vollziehen dürfen. Das deutsche Benediktionale mit seinen 99 Formularen enthält diesen Hinweis nicht. Die Werkbuch-Autoren schreiben: "Vor allem das heutige Brauchtum ermöglicht zusätzliche Segnungen" und nennt eine Reihe von Beispielen. Schließlich heißt es: "Wenn Christen einander segnen, ist dies eine bedeutende Ausdrucksform religiösen Lebens, die dazu beiträgt, dass die Volksfrömmigkeit mehr und mehr für die vielen im Volk zu einer echten Begegnung mit Gott in Jesus Christus' wird."

Als Ethnologin habe ich Schwierigkeiten mit Begriffen wie "Brauchtum", "Volksfrömmigkeit" oder "Aberglauben". Auf die fließenden Grenzen verweist auch das Stichwort "Segen" im Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Das zehnbändige Standardwerk ist zwischen 1927 und 1942 erschienen, 1987 als Reprint aufgelegt und danach auch digitalisiert worden. Zum Stichwort "Segen" verweist es auch auf die Einträge unter Beschwörung, Besprechen und Zauberspruch. Im Aberglauben bedeute Segen "nämlich auch einen fest formulierten Spruch oder Text (gesprochen oder geschrieben), dem eine übernatürliche Kraft beigelegt wird." Der Unterschied zwischen christlichem Segen und Zauberspruch liege in der (angenommenen) zwangsmäßigen Art ihres Wirkens. Sogar Unglück bezweckende Sprüche, wie Diebssegen würden als Segen bezeichnet und als gottgefällig angesehen. Oft enthalten sie Fluchpsalmen oder schließen im Namen der Dreifaltigkeit. Segen und Beschwörung (Anrede an ein dämonisches Wesen) gehen oft ineinander über. Beiden ist eine gewisse Formelhaftigkeit zu Eigen. So beginnt ein - wohl um die erste Jahrtausendwende entstandener -Text: "Unser Herr Jesus Christus schlug mit einer Rute in den Jordan und hieß das Wasser stille stahn. Also tue ich diesem Blute auch." Bei solchen "Segen" mischen sich biblische, kirchliche, legendenhafte und antike Elemente. "Man bedenke weiter, dass die Grenze zwischen Verbotenem und Zulässigem nicht immer scharf und klar war", wird betont. Verfasser waren gelehrte Geistliche und Mönche, die lange Zeit als einzige des Lateinischen und des Schreibens kundig waren. Später finden sich ähnliche Texte in Hexenprozessen. Vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert bekämpften staatliche und kirchliche Behörden das "Segensprechen" (wie das Wahrsagen) durch Laien als verbotene Handlung.

Andererseits gab es im liturgischen Gebrauch "Segen", die eher an Beschwörungen erinnern, wie der "Wolfssegen". Ein Priester in Pluviale und Stola sang ihn am frühen Morgen nach der Christmette unter dem großen Glockengeläute vom Heiltumsstuhl aus. Dieses Gebäude befand sich bis 1699 neben dem Stephansdom und enthielt den Domschatz. In den 1480er Jahren errichtet, bestand es aus einem Bogen und einem loggienartigen Obergeschoß, von wo aus den Gläubigen zu bestimmten Festen die Reliquien gezeigt wurden. Der Text des "Segens" war das erste Kapitel des Matthäusevangeliums, "der Stammbaum Jesu". Man hoffte, dadurch die Wölfe von der Stadt fernzuhalten. Dass es sie im späten Mittelalter in den Donauauen um Wien gab, zeigen Bezeichnungen wie Wolfsau, Wolfsschütt oder Wolfsbrücke (Taborbrücke). Ein Chronist berichtet vom "absonderlichen Ton" des Gesanges, der "vor einigen hundert Jahren" geholfen hätte. Nach der Beschwörung soll mit Gewehren in die Luft geschossen worden sein, was die Stadtverwaltung aber bald untersagte.

Der Benediktuspfennig, eine ovale Medaille, trägt auf der einen Seite das Bild des Ordensgründers Benedikt von Nursia, auf der anderen ein Kreuz und zahlreiche Buchstaben (als Abkürzung von Segensformeln). Der älteste Beleg ist ein Kupferstich von 1664 aus dem Tiroler Benediktinerstift St. Georgenberg. Er verweist auf die Verwendung als Apotropäum "gegen Hexerei und Zauberei". Wer glaubte, dass sein Vieh oder der Rahm verhext worden sei, sollte den Pfennig in das Butterfass legen. Man tauchte die Medaille in das Trinkwasser der Tiere oder trug sie selbst als Amulett um den Hals. Wunderberichte nennen Krankenheilungen, Vertreibung von Dämonen und das Ende einer unheimlichen Brandserie. Noch im 19. Jahrhundert betrieben die Benediktiner die Verbreitung der Medaille. Dabei betonten sie (im Unterschied zur Barockzeit), dass die Wirkungen von Gebet und Gottvertrauen abhingen und nicht von der Medaille.

Heiligenwasser galt als "sacrum", geistliches Heilmittel. Es sollte im Namen bestimmter Heiliger wirken, deren Reliquien, Medaillen oder Bilder eingetaucht worden waren. Die Jesuiten verwendeten bei ihren Missionen im 17. und 18. Jahrhundert Ignatius- und Xaveriuswasser. Mit dem gegenreformatorischen Wirken der Gesellschaft Jesu erfuhren diese besondere Kultpropaganda und hohe Wertschätzung der Gläubigen. Dies war in Krems ebenso der Fall wie in Wien, wo die Patres in Inzersdorf auch "Juliuswasser" und "Juliuspulver" ausgaben. Für das Ignatiuswasser, dessen Gebrauch mit der Heiligsprechung (1622) aufkam, gab es ein eigenes Weihegebet (formula benedicendi aquam sancti Ignatii confessoris) und spezielle Medaillen. Es wurde getrunken, Speisen beigemischt, fand Verwendung bei Cholera, Fieber und anderen Krankheiten, psychischen Problemen, moralischen Anfechtungen und Viehseuchen. Dem für und gegen alles gebrauchten Xaveriuswasser kam besondere Bedeutung bei Viehseuchen und gegen Gartenschädlinge zu.

Nicht approbierte Segens- und Beschwörungsformeln, wie das "Romanusbüchlein" oder "Coronagebete", die beim Schatzsuchen helfen sollten, konnte man bei Devotionalienständen in Wallfahrtsorten kaufen. Das 1788 erschienene Romanusbüchlein enthielt eine Reihe unterschiedlicher und zu verschiedenen Zeiten entstandener Bannsegen, Beschwörungs-, Segens- und Bittformeln. Manche richteten sich an Heilige, die vor bösen Mächten schützen sollten, andere riefen Geister und den Teufel an.

Den Wunsch nach Glück und Segen hat es immer gegeben und es wird ihn immer geben. Egal, ob man ihn als populären Spruch "An Gottes Segen ist alles gelegen" formuliert oder mit den Worten aus Schillers "Glocke": "… doch der Segen kommt von oben. "

Quellen: Benediktionale. Studienausgabe für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes. Freiburg, Basel, Wien 1989
Heute segnen. Werkbuch zum Benediktionale. Hg. Andreas Heinz und Heinrich Rennings. Freiburg, Basel, Wien 1987
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA), Hg. Hanns Bächtold-Stäubli und Eduard Hoffmann-Krayer. Berlin, New York 1942/1986
Hans-Gerhard Behringer: Wie das Leben weise macht. Eine Spiritualität des Älterwerdens. München 2018
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser (Ausstellungskatalog) St. Pölten 2009

Vortrag bei der Tagung der Österreichischen Liturgischen Kommission, Salzburg, 9. Oktober 2018