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Wachsfiguren#

Bild 'AF Wachs'
Madame Tussauds Wien

Im 1783-1785 errichteten Josephinum (Wien 9, Währinger Straße 25) befindet sich eine weltberühmte Sammlung anatomischer und geburtshilflicher Wachspräparate. Einst Lehrmittel für die dort auszubildenden Militärärzte, sind sie großteils erhalten und können als Teil der Sammlungen der Medizinischen Universität Wien besichtigt werden. Kaiser Joseph II. ließ 1784 bis 1788 in Florenz 1.192 Modelle anfertigen und in Vitrinen aus Rosenholz und venezianischem Glas ausstellen.

Zu seiner Zeit bestanden in Wien mehrere Wachsfigurenkabinette: 1787 bei Joseph Sanguinetto auf dem Kohlmarkt, 1788 die Müller'sche Kunstgalerie am Stock-im-Eisen-Platz, die mehrfach übersiedelte. In den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts wird die Wachs- und Gipsfigurensammlung des Parisers Lebourgue in der Spiegelgasse erwähnt, 1791 ein Wachsfigurenkabinett des Ehepaars Bellini am Graben, außerdem eines im Hagenmüllerschen Haus (Kohlmarkt) und 1813 jenes von Graf Dubsky auf der Freyung, wo er rund 100 Figuren, u. a. von Haydn, Kant und prominenten Burgschauspielern, präsentierte.

In Paris hatte 1778 die damals 17-jährige Marie Grosholtz (1761-1850) ihre erste lebensgroße Wachsfigur - des Philosophen Voltaire - geschaffen. Sie wurde Kunstlehrerin am Hof Ludwig XVI. in Versailles und musste die Französische Revolution miterleben. Danach übersiedelte sie nach Großbritannien und eröffnete 1835 in London ihr "Museum". Inzwischen gibt es weltweit mehr als ein Dutzend Madame Tussauds Wachsfigurenkabinette. Die Wiener Niederlassung, seit 2011 im Prater, ist eine der jüngsten. Sie enthält Abbilder von Persönlichkeiten aus Musik, Film, Politik und Sport. Der Fußballstar David Alaba ist seit Dezember 2014 zu sehen.

1886 eröffnete Louis Veltée (1829 - 1897) in Wien 1, Kohlmarkt 10, "Veltées Stadt-Panopticum", das 1905 in größere Lokalitäten am Kohlmarkt 5 übersiedelte. Die Wienbibliothek bewahrt einen Katalog von 1893 und Programme von 1895 und 1896. Der Katalog verzeichnet 267 Nummern an Attraktionen, darunter Wachsfiguren berühmter Persönlichkeiten, Zoologisch-plastische Gruppe, Kaiser-Galerie, Folterwerkzeuge und andere schaurige Szenen. Der Eintritt kostete 5 kr. Die Programme verhießen den Schaulustigen u. a. eine "Verbrecher-Galerie der Neuzeit" und Figuren der "Menschen-Racen der Erde". Schon 1880 präsentierte Veltee in Salzburg das "rühmlichst bekannte Wiener Panoptikum" mit 100 lebensgroßen Wachsfiguren. Aus dem Stadtpanoptikum wurde das erste Wiener Kino, das regelmäßig spielte. Aus der Familie Advinent- Veltee stammte die erste Filmregisseurin Louise Kolm (1873-1950).


Quellen:
Historisches Lexikon Wien. Wien 1997. Band 5, S. 565
Presseinformationen Madame Tussauds Wien, 2014
Josephinum
Madame Tussauds
Helga Maria Wolf: Familien Advinent und Velteé - Vom Affentheater zur Kinofilmproduktion. In: Jahrbuch der Österreichischen Gesellschaft für Familien undd regionalgeschichtliche Forschung

Bilder:
Wachsfiguren bei Madame Tussauds Wien, 2014. Fotos: Wolf


Siehe auch: