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Weinbrunnen#

Der Habsburger Franz II. (I.) war 1792 der letzte der in Frankfurt (D) zum Römischen König gewählten und gekrönten deutschen Kaiser. Das Zeremoniell war seit dem 14. Jh. festgeschrieben und sah Großveranstaltungen vor, an denen zahlreiche Untertanen teilnahmen. Anlässlich der Kaiserkrönung wurden Brot und Medaillen ausgeworfen und ein hoher Haferhaufen nach den Fest dem Publikum "preisgegeben", weiters gab es eine Ochsenbratbude und Weinbrunnen. Solche waren auch in Wien bei besonderen Anlässen üblich. Johann Ev. Schlager hat aus den Wiener Stadtgemeinde-Rechnungen eine Liste der Weinbrunnen zusammengestellt: 1651 bei der n. ö. Erbhuldigung für Ferdinand IV. "Röhrbrunnen am Graben für weissen und rothen Wein, Braten und Brot wird ausgeworfen". 1682 gab es bei der Geburt eines kaiserlichen Prinzen, eine Weinspringquelle mit Braten- und Brot-Auswerfen. Der Wein rann aus eigens angefertigten Brunnen mit Löwenköpfen, die mit Tannenreisig verziert waren. Vor dem drei Tage mit brennenden Windlichtern geschmückten Rathaus war ein Ehrenportal aufgebaut. 1699 (Beim Einzug der Braut Kaiser Joseph I.) "aus einem Schaugerüste springt rother und weisser Wein." 1705 fand die Landesfürstliche Erbhuldigung statt, "wobey am Graben zum guldenen Hirschen drey Fontanen, am Abende roth und weissen Wein unter das Volks ausgelassen, gebrattenes, Brot und Krapfen ausgeworfen, facit… 400 fl."1745 gab es beim Einzug von Franz I. eine Triumphpforte mit Weinrinnen am Graben, Stadtillumination sowie des Rathauses mit 800 Lampen und 27 großen Pyramiden.


Quellen:
Feste feiern. 125 Jahre Jubiläumsausstellung Kunsthistorisches Museum Wien. 2016. S.259 f.
Johann Ev. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. 3 Bde. Wien 1836-1846, 1839/184,190, 196