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Des Kaisers neue Straße über den Semmering#

In nur 48 Tagen ließ Kaiser Karl VI. im Jahr 1728 eine neue, nicht so steile Straße über den Semmering bauen, um Wien mit Triest besser zu verbinden.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Darstellung des Hospitals am Semmering
Romantisierende Darstellung des Hospitals am Semmering
Foto: ARCHIV PREITLER
Semmeringstraße mit Carolus-Denkmal 1825
Semmeringstraße mit Carolus-Denkmal 1825, Lithographie von J.F. Wachtl (KK)

Schon lange vor den Römern war der Semmering-Pass ein wichtiger Übergang über die Ostalpen. Durch den dichten und unheimlichen Zerwald führte einst ein holpriger Saumpfad, der nur unter großen Gefahren beschritten werden konnte, denn Bären und Wölfe hausten dort und Räuber und Wegelagerer lauerten auf die Reisenden. Deshalb transportierten viele Händler ihre Waren lieber über das Preiner Gscheid oder gar über den Wechsel. Die Verhältnisse besserten sich erst ab 1160, als der steirische Markgraf Ottokar III. den Saumpfad zu einem breiten Karrenweg ausbauen und auch ein Hospital für die Reisenden errichten ließ - das spätere Spital am Semmering. Als die Babenberger ausstarben, stritten sich König Ottokar von Böhmen und König Bela von Ungarn um ihre Erbe, 1254 einigten sie sich aber im Frieden von Ofen und Ottokar zog erstmals die steirische Landesgrenze über den Semmering, wobei die Grafschaft Pitten und der Traungau für die Steiermark verloren gingen und zusammen mit Österreich an Böhmen fielen, die Steiermark selbst kam zu Ungarn. Aber das ist eine andere Geschichte, wir bleiben beim Ausbau der Straße über den Semmering.

Porträt von Kaiser Karl VI.
Porträt von Kaiser Karl VI., Gemälde von Joh. Gottfried Auerbach (KK)
Die elfjährige Maria Theresia
Die elfjährige Maria Theresia (KK)

Da in Neunkirchen und Schottwien Mautstellen eingerichtet wurden, befahl der Habsburgerherzog Albrecht III. den Städten in Kärnten, Krain und in der Steiermark, alle Frachten aus Italien ausschließlich über den Semmering zu führen, wodurch dort das Transportwesen merkbar anstieg. Später wollte Kaiser Karl VI., der Vater Maria Theresias, den Handel mit dem Süden noch weiter ausbauen und ließ dafür neue Straßen anlegen. „Im Jahr 1726 kam eine Kommission auf den Semmering zur Begutachtung und Festlegung der neu auszubauenden Straße mit einer Milderung der Steigung“, berichtet Franz Preitler in seinem soeben erschienenen Buch „Was der Semmering erzählt, Sagen und Legenden zwischen Mürzzuschlag und Südbahnhof“ (Sutton-Geschichte, Euro).

„Vom Göstritzgraben bis zum Bärensattel sollte diese Straße führen und nach Überwindung des Myrtengrabens die Grenzsäule auf der Passhöhe erreichen. Ähnlich der Straße auf der steirischen Seite war der Weg von Taglöhnern auszufüllen und mit einer Schotterdecke zu überziehen und zum Schutze Wassergräben und Durchlässe für Bergflüsse, Regen- und Schmelzwässer anzulegen. Zur Finanzierung erließ man ein neues Wegpatent. Im Frühjahr 1728 begannen die Arbeiten in aller Eile, denn am 17. Juni 1728 nahm die glanzvolle Reise Karls VI. nach Triest und Fiume in Laxenburg ihren Anfang und am 21. Juni traf der prunkvolle Zug in Gloggnitz ein. Im Hofwagen fuhren Karl VI., seine Gemahlin Elisabeth Christine und ihre elfjährige Tochter Maria Theresia über die neue Kunststraße zum Semmering hinauf. Die Majestäten waren von der Fahrt auf der schönen Straße und der „Kayser-Pruckhn“ angenehm überrascht.“ Das war gleichsam die feierliche Eröffnung der Carolusstraße, die damals allgemein als „Wunderwerk“ galt. Heute noch erinnert das Carolus-Denkmal von 1728 am Parkplatz vor dem Hirschenkogel an diesen kaiserlichen Straßenbau und seine prächtige Eröffnungsfahrt.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele