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Die Gallerin baut die Riegersburg aus#

Katharina Elisabeth von Galler ist eine der bekanntesten und streitbarsten Frauen der steirischen Geschichte. Sie war drei Mal verheiratet, prozessiertem ein halbes Leben lang und baute auf eigene Kosten die Riegersburg aus.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Zeitgenössisches Portät der Gallerin
Zeitgenössisches Portät der Gallerin (KK)

Sie wurde in der Bevölkerung die „schlimme Liesl“ genannt - und das sicherlich nicht zu Unrecht. Ihren Untertanen war sie eine strenge Herrin, ihren Feinden eine zähe, ja rachsüchtige Gegnerin. Die Gallerin war eine ehrgeizige, energische und selbstbewusste Frau, die aber auch großzügig sein konnte und ein offenes Ohr für die Nöte ihrer Untertanen hatte. Jahrzehntelang führte sie Prozesse, um ihren Besitz zu erhalten und ihre Machtansprüche durchzusetzen. Dabei scheute sie auch den Kampf gegen die damals allmächtige Kirche und die eigene Familie nicht. Dazu war sie drei Mal verheiratet, ein Mal geschieden und nahm zwischendurch ihren Verwalter zum Geliebten.

Elisabeth Katharina entstammte der reichen Radkersburger Kaufmannsfamilie Wechsler, die im 16. Jahrhundert in den Adelsstand erhoben wurde, und kam wahrscheinlich um 1607 zur Welt. Da innerhalb kurzer Zeit alle männlichen Verwandten starben, erbte sie ein enormes Vermögen und trat als Ehefrau des Freiherrn Hans Wilhelm von Galler gemeinsam mit ihrem Onkel Sigmund das von ihrem Bruder hinterlassene Erbe der Herrschaft Riegersburg an. Durch den Tod ihres Onkels im Jahr 1648 wurde die inzwischen verwitwete Gallerin alleinige Herrin der Burg. Nach damaliger Rechtslage wäre sie als Frau nicht herrschaftsberechtigt gewesen und hätte über ihr Vermögen nicht verfügen können. Doch die Gallerin unterwarf sich diesen Gepflogenheiten nicht. Bereits in ihrem Ehevertrag hatte sie sich das Recht gesichert, selbst über ihren Besitz zu verfügen. Und das tat die energische Frau sehr zielstrebig. Als sie nämlich die Riegersburg (ursprünglich Routkersburg, also Burg des Rüdiger) übernahm, war diese in einem eher desolaten Zustand. In kurzer Zeit ließ die Gallerin die Burg aus eigener Initiative und auf eigene Kosten zu einer der größten Festungen des Landes ausbauen. Unter ihr entstanden die zahlreichen Bastionen, Tore und langen Mauern der Festung, die ihr Erscheinungsbild bis heute prägen. „Dies ist um so höher zu bewerten, als viele ihrer Standesgenossen es bei Feindesgefahr vorzogen, in die sicheren Städte zu flüchten, und ihre Untertanen im Stich ließen“, bemerkt Helfried Valentinitsch in seinem Porträt „Die Herrin auf der Riegersburg“. Viel Geld investierte die Gallerin in den Ausbau der Burg und war sich dessen auch bewusst, wie die Inschrift im Weißen Saal zeigt: „Bauen ist eine schöne Lust, was es mich kost, ist mir bewusst.“

Die Festung Riegersburg nach dem Ausbau durch die Gallerin. Stich von Georg M. Vischer, 1674
Die Festung Riegersburg nach dem Ausbau durch die Gallerin. Stich von Georg M. Vischer, 1674 (KK)

Als ihr Mann 1650 starb, führte sie jahrelang Prozesse gegen andere Erben, gegen die eigene Tochter Regine und den Schwiegersohn, vor allem aber gegen den Hauptpfarrer von Riegersburg Wolfgang Strobl, der sie wegen ihres angeblich skandalösen Lebenswandels bei der Regierung angezeigt hatte. Da die Gefahr groß war, dass man ihr die ohnehin umstrittene Befehlsgewalt über die Burg entziehen würde, heiratete sie 1660 kurzerhand Oberst Freiherr Detlef von Kapell. Damit aber machte sie sich ihren Geliebten Urban von Grattenau, der auch ihr Burgverwalter war, zum Feind. Dieser intrigierte bei ihrer Tochter Regine gegen die Gallerin und die Prozesse gingen weiter. 1664 fiel Detlef von Kapell in der Schlacht bei Mogersorf gegen die Türken und Katharina Elisabeth Freifrau von Galler stand wieder alleine da. Durch die vielen Enttäuschungen und Aufregungen verbittert, stürzte sich die nun 65-Jährige 1666 in ihre dritte Ehe. Bräutigam war der 25 Jahre alte Hans Rudolf von Stadl, Besitzer von Schloss Kornberg, sozusagen ein sehr junger und jähzorniger Nachbar, mit dem sie wenige schöne Wochen in ihrem Haus am Grazer Mehlplatz verbrachte. Dann war es aus mit lustig, die Ehe wurde für die Gallerin zur Katastrophe. Stadl misshandelte sie, Gesinde und Untertanen und widmete sich schnell anderen Frauen. Nach drei Jahren Ehe reichte die Gallerin die Scheidung ein, was damals ein sehr ungewöhnlicher Schritt war, und strich ihn aus ihrem Testament.

„Als zutiefst bekümmerte Greisin zog sich die einst so mutige Frau … nach Graz zurück, um in ihrem Haus am Mehlplatz hilflos dahinzusiechen“, berichtet Alfred Seebacher-Mesaritsch in der „Landeschronik Steiermark“.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele