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Habsburg im Kampf gegen die Grafen von Cilli#

Viel zu mächtig waren den Habsburgern die Grafen von Cilli geworden. Sie herrschten über den Süden Innerösterreichs und verwalteten Ober- und Niederösterreich sowie Ungarn. Das durfte nicht sein.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Burg Ober-Cilli um 1910 als Postkarte
Burg Ober-Cilli um 1910 als Postkarte, unter PD
Wappen der Grafen von Cilli und Sanneck
Wappen der Grafen von Cilli und Sanneck, unter PD

Auf ihrem Weg zu Macht und Kaiserkrone mussten die Habsburger beständig Kämpfe gegen Konkurrenten von innen und außen, aber auch in der eigenen Familie führen. Besonders arg ging es im 15. Jahrhundert in Innerösterreich zu, das ja von Graz aus regiert wurde. Damals kam es zu den Ungarneinfällen in die Steiermark, dann zur Baumkircherfehde und schließlich drangen immer wieder die Türken ins Land vor. 1479 besetzte Ungarns König Matthias Corvinus große Teile des Landes und 1480 fielen wieder die Türken mit 30.000 Mann in die Obersteiermark ein und zogen brandschatzend murabwärts.

Innenpolitisch erwuchs aber dem jungen steirischen Habsburgerherzog Friedrich V. , der als König und Kaiser später Friedrich III. genannt wurde, im Süden des eigenen Landes mit den Grafen von Cilli mächtige und gefährliche Konkurrenz. Diese Grafen waren die Nachkommen der Herren von Sonneck, einem niedrigen steirischen Adelsgeschlecht, das 1351 von Kaiser Ludwig dem Bayern mit der Grafschaft Cilli belehnt worden war. Ein kluger Schachzug gegen die aufstrebende Macht der Habsburger, die damals noch nicht reihenweise Könige oder Kaiser des Reiches stellten. Kaiser Sigismund aus dem Hause der Luxemburger setzte dann die Stärkung derer von Cilli fort und schenkte ihnen die ungarische Stadt Varasdin, was aber die ungarischen Barone verärgerte, die den Kaiser gefangen nahmen. Doch Hermann von Cilli konnte ihn befreien, Der dankbare Kaiser nützte nun die Abwesenheit des steirischen Herzogs Friedrich V. für seine Pläne. Als nämlich der 20-jährige Friedrich im August 1436 von Triest aus eine Pilgerfahrt ins Heilige Land antrat, wo er mit 50 Edelleuten zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde und ein Jahr unterwegs war, erhob Kaiser Sigismund die Grafen von Cilli in den Reichsfürstenstand. Damit unterstanden sie nicht mehr dem habsburgischen Landesherren, sondern nur noch dem Kaiser, sie waren also den Habsburgern ebenbürtig, wogegen diese vergeblich protestierten. Die Cillier wurden nun immer frecher, ihr Feldhauptmann Jan Wittowitz eroberte mehrere Festungen des steirischen Landesfürsten und es kam zum offenen Krieg. Dabei verbündeten sich die Cillier mit Herzog Friedrichs Bruder Albrecht, der sich nach den habsburgischen Erbteilungen benachteiligt fühlte. Mitten in diesem Regionalkrieg starb aber Kaiser Sigismund, dessen Schwiegersohn Albrecht (ein anderer Habsburger) neuer Deutscher König wurde, aber im selben Jahr auch noch starb.

Nun wurde der steirische Herzog Friedrich im Jahr 1440 zum Deutschen König Friedrich III. gewählt und hatte ganz andere Sorgen, also versöhnte er sich mit den Grafen von Cilli und erkannte ihre Reichsfürstenwürde an. Schlau, wie Friedrich war, schloss er aber gleich einen Erbvertrag mit dem jungen Grafen Ulrich von Cilli ab. Wenn dessen Familie im Mannesstamm aussterben sollte, würden alle Besitzungen an Habsburg fallen. Im Gegenzug würden die habsburgischen Gebiete in Krain und Istrien an die Cillier fallen. Aber auch Ulrich war findig und machte sich zum Vormund des minderjährigen Sohnes vom toten König Albrecht, der posthum geboren und deshalb Ladislaus Posthumus genannt wurde. Damit hatte Ulrich 1452 die praktische Macht über das Herzogtum Österreich ob und unter der Enns sowie das ungarische Königreich in seiner Hand. 1454 erbte Ulrich den Besitz seines Vaters und wurde einer der mächtigsten Fürsten im Südosten des Reiches. Da er über seine serbische Frau mit dem türkischen Sultan verschwägert war, blieben seine Besitzungen von den regelmäßig einfallenden Türken verschont. Als aber der junge König Ladislaus Ulrich 1456 zum Statthalter von Ungarn ernannte, wurde er den ungarischen Magnaten zu mächtig. Trotz Warnungen zog Ulrich mit seinem König nach Belgrad, wo er am 8. oder 9. November von Ladislaus Hunyadi im Zweikampf getötet wurde. Oder war es Mord, wie andere Quellen sagen? Da Ulrich ohne männlichen Erben starb, fielen seine Besitzungen laut Vertrag an die Habsburger.

Gefürsteter Graf Ulrich II. von Cilli (1406-1456)
Gefürsteter Graf Ulrich II. von Cilli (1406-1456), unter PD
Alte Ansicht der Burg Ober-Cilli von G. M. Vischer (1681)
Alte Ansicht der Burg Ober-Cilli von G. M. Vischer (1681), unter PD


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele

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