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Kaiser Franz wandert auf den Plabutsch#

Wie der „Fürstenstand“ am Plabutsch zu seinem Namen kam: 1830 ging Kaiser Franz I. mit seiner Familie auf den Berg und schaute ins Land. Ihm zu Ehren wurde dort eine Aussichtswarte gebaut#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Kaiser Franz I. mit seiner vierten Gattin Karoline um 1830, Gemälde von Johann B. Clarot KK
Kaiser Franz I. mit seiner vierten Gattin Karoline um 1830, Gemälde von Johann B. Clarot (KK)
Fürstenstand am Plabutsch in 763 Meter Seehöhe ENGELE (2)
Fürstenstand am Plabutsch in 763 Meter Seehöhe
Foto: ENGELE
Gedenktafel am Aufgang zum Fürstenstand
Gedenktafel am Aufgang zum Fürstenstand
Foto: ENGELE

Es war im Frühsommer des Jahres 1830, als Kaiser Franz I. - wegen seiner Leutseligkeit gerne als „unser guter Kaiser Franz“ bezeichnet - mit seiner Familie samt Gefolge auf seiner Reise von Laibach über Cilli, Marburg, Leibnitz und Wildon in Graz eintraf. Die lokale Presse überschlug sich mit devoten Huldigungsgedichten und sein jüngerer Bruder Erzherzog Johann stellte ein Besichtigungsprogramm für den kaiserlichen Herrn zusammen, der erst ein Jahr zuvor nach langem Zögern in Johanns Hochzeit mit der bürgerlichen Anna Plochl eingewilligt hatte. Am Programm stand die Besichtigung der Andritzer Ursprung-Quelle und am Nachmittag des 30. Juni eine Wanderung auf den Plabutsch mit seinen 763 Metern Seehöhe. Von hier aus sollte der Kaiser das gesamte Murbecken bei Graz überblicken können. Mit der Besteigung des Plabutsch statt auf den viel näheren Schloßberg zu gehen, vermied Johann geschickt, dass der Kaiser die in und nach den Franzosenkriegen arg zerstörte Festung auf dem Grazer Burgberg sehen musste.

Mit von der Bergpartie, die bestens in jede Seitenblicke-Sendung gepasst hätte, waren also Franz I., seit 1804 erster Kaiser von Österreich, der bis 1806 als Franz II. ja auch letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewesen war, und Karoline, seine vierte Ehefrau. Weiters seine Tochter Erzherzogin Maria Luise, die spätere Herzogin von Parma, die 1810 Kaiser Napoleon Bonaparte geheiratet hatte, aber ihrem Gemahl 1814 nicht ins Exil auf Elba gefolgt war, sondern lieber nach Wien zurückkehrte. Ihr zur Seite wanderte ihr 19-jähriger Sohn Napoleon II. Franz, König von Rom und Herzog von Reichstadt auf den Plabutsch. Samt Gefolge. Und alle wurden vom steirischen Prinzen Erzherzog Johann geleitet. Das muss ein unglaublicher Auflauf gewesen sein in dieser damals waldreichen und unbewohnten Berglandschaft ohne Gasthof, der die Kondition der vornehmen Herrschaften wohl arg strapaziert hat. Entsprechend diskret betonte der Diplomat und Reiseschriftsteller Anton Prokesch von Osten die Leistung des 62-jährigen Monarchen, indem er schrieb, dass „... die Höhe sonst nur von kühnen Jägern betreten werde“, berichtet Annemarie Reiter in ihrem Buch „Der Plabutsch“.

Zur Erinnerung an die kaiserliche Bergbesteigung wurde ein Gedenkstein errichtet mit der Inschrift „Hier weilten … im Anblicke der schönen Natur“. Und bald schon sammelte die „dankbare“ Eggenberger und Göstinger Bevölkerung freiwillig 400 Gulden für eine hölzerne Warte, die an das große Ereignis erinnern und dem gemeinen Volk einen ähnlichen Ausblick gewähren sollte. Aber schon 1852 errichtete man anstelle der Holzwarte eine Aussichtswarte aus Stein - in der seltenen Form einer Spirale. Und auch diesmal wurde die Bevölkerung um Spendengelder gebeten. Zur feierlichen Einweihung kamen an die 2000 Menschen mit Pferdeomnibussen und anderen Fahrzeugen, um das Fest am Plabutsch gebührend zu feiern. Doch die trocken zusammengefügten Steine des Baus verfielen im Laufe der Zeit, so dass der Steirische Gebirgsverein schon 1888 eine neue Warte aus Stein und Eisen baute. Die heutige Warte wurde 1936 vom Grazer Alpenverein auf dem alten Fundament aufgesetzt und 1937 eingeweiht. Neben diesem „Fürstenstand“ wurde ein einfacher Holzbau errichtet, der als Gaststätte für Wanderer und Besucher diente. Heute befindet sich an der selben Stelle ein Berg-Heuriger, der Montag und Dienstag Ruhetag hat. Mit Hilfe eines Maultiers mussten - wie einst auch am Schöckl - Lebensmittel und Trinkwasser durch den Einsiedelgraben hinauftransportiert werden. Im Zweiten Weltkrieg hieß die „Fürstenwarte“ dann „Adolf Hitler-Turm“ und diente ab 1943 sogar als Stellung für die Flugzeugabwehr. 1950/51 wurde dann die Plabutscher Höhenstraße gebaut, die Anfang der 1980er-Jahre asphaltiert wurde und auf der ein Linienbus vom Jakominiplatz auf den Plabutsch fuhr. 1954 wurde eine privat betriebene Einer-Sessellift-Anlage von Gösting auf den Plabutsch gebaut, die etwa 1,3 Millionen Gäste beförderte und 1970 wieder eingestellt wurde. Heute kann man auf einer schmalen Straße zur Fürstenwarte fahren oder auf Wanderwegen hinwandern. Und vielleicht kann man ab 2022 sogar mit einer neuen Gondelbahn hinaufschweben und gleich bis zum Thalersee weiterfahren.


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele