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Vom schikanierten Rekruten zum Feldmarschall#

Erzherzog Johanns militärische Laufbahn erlebte viele Tiefen und nur wenige Höhen. Jetzt ist ein Buch zu seiner Kriegsfachbücher-Sammlung erschienen.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Der junge Erzherzog Johann
Der junge Erzherzog Johann wird Generaldirektor des Fortifikations- und Geniewesens, unter PD

Kaiser Franz II. war Erzherzog Johanns ältester Bruder und beobachtete ihn sehr kritisch. Denn Johann schien talentierter als seine Brüder und galt als unkonventionell, ja sogar „aufsässig“. Prompt wurde der Johann 1798 als gewöhnlicher Rekrut in die Breitenfelder Kaserne in Wien einberufen, wo er „von vier Uhr früh bis acht Uhr abends“ ausgebildet wurde, berichtet der Prinz später. „Es war darauf abgesehen, mich mürbe zu machen und alles, was in mir Selbständigkeit andeutete, niederzudrücken … Da lernte ich die Qual kennen, welche der arme, rohe Rekrut leiden muß ...“ Johann wurde geschliffen und gedemütigt, alle kritisierten und nörgelten an ihm herum, straften und schikanierten ihn, berichten Kurt Guglia in „Erzherzog Johanns militärisches Wirken“ und Hans Magenschab in „Erzherzog Johann. Der grüne Rebell“.

Am 23. September 1799 war endlich die Rekrutenzeit beendet. Inzwischen aber hatte der Zweite Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich einen ungünstigen Verlauf genommen. Die kaiserliche Armee in Süddeutschland war ohne Oberkommando - und da verfielen der Kaiser und seine Berater auf die unglückselige Idee, den 18-jährigen Johann im Herbst 1800 mit dieser Bürde zu belasten. Als Mitglied des Kaiserhauses sollte er durch seine Anwesenheit die Soldaten neu motivieren. Kaiser Franz selbst wollte das Himmelfahrtskommando nicht übernehmen, da die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Niederlage gegen Napoleons Truppen zu groß war. Also schob man den unerfahrenen Prinzen als Sündenbock vor. Johann wurde zum Feldzeugmeister und kommandierenden General der kaiserlichen Armee in Deutschland ernannt - aber nur scheinhalber. In Wirklichkeit hatte der grobe und unfähige General Franz Freiherr von Lauer das Kommando. So kam Erzherzog Johann als großer Verlierer der Schlacht bei Hohenlinden in die Geschichtsbücher, denn der österreichische Angriff war bei miserablem Wetter im unwegsamen Gelände stecken geblieben und die halbe Truppe geflohen. 14.000 Soldaten waren tot, desertiert oder gefangen und Johann in tiefer Depression.

Goldgeprägte Halblederbände aus der Bibliothek Erzherzog Johanns, Foto: Landesbibliothek Steiermark
Goldgeprägte Halblederbände aus der Bibliothek Erzherzog Johanns
Foto: Landesbibliothek Steiermark

Am 12. Februar 1801 versetzte der Kaiser Johann aus der militärischen Praxis in die theoretische Vorbereitung, er wurde mit 19 Jahren zum Generaldirektor des kaiserlichen Genie- und Fortifikationswesens und gleichzeitig zum Direktor der militärischen Ingenieur-Akademie in Wien bestellt. Dieser Wirkungsbereich entsprach den technischen und geographischen Neigungen des Prinzen. Und schnell begann er mit großem Eifer militärische Besichtigungsreisen durch die Monarchie, um sich über die Möglichkeiten einer Befestigung des österreichischen Alpenraums ein Bild zu machen. Tirol sollte dabei die strategische Schlüsselposition zwischen Bayern und Italien haben. Dann setzte er seine Studienreise in Böhmen und Mähren fort, fuhr durch Innerösterreich bis Venedig und Triest, wobei Johann im April 1804 erstmals Graz besuchte. Sein Aufgaben reichten vom Festungsbau bis zum Bau von schiffbaren Kanälen zu militärischen Zwecken. Als besonders prägend für den Erzherzog gilt sein militärisches Engagement im Tiroler Freiheitskampf gegen die Franzosen und sein Kontakt zu Andreas Hofer. Aber alle Bemühungen scheiterten und schließlich verbot ihm der Kaiser, das geliebte Land Tirol jemals wieder zu betreten, Tirol fiel an das mit Napoleon verbündete Bayern. Aber kein Nachteil ohne Vorteil - ab nun widmete sich der Prinz mit voller Kraft dem Aufbau der Steiermark.

Aus dieser Epoche stammt Erzherzog Johanns gewaltige Arbeitsunterlage - eine Sammlung von 574 kriegswissenschaftlichen Fachbüchern, die der Prinz 1826 der Steiermärkischen Landesbibliothek schenkte und die bis vor kurzem nur über einen alten Zettelkatalog mühsam auffindbar waren. Jetzt haben die Bibliothekare Markus Kostajnsek und Elmar Leopold ein reich illustriertes Verzeichnis der wertvollen Sammlung unter dem Titel „Bibliographie der militärwissenschaftlichen Werke der Sammlung Erzherzog Johann an der Steiermärkischen Landesbibliothek“ als Buch herausgegeben, das in der Landesbibliothek für Euro 25,- zu kaufen ist Als späte Genugtuung wurde der Erzherzog für seine Verdienste im Genie- und Fortifikationswesen 1836 vom Kaiser zum Feldmarschall ernannt.


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele