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Wie der Steireranzug verboten wurde#

Der Steireranzug galt Kaiser Franz I. als Indiz für aufrüherische Gesinnung und als Zeichen eines unwürdigen Verbrüderns mit dem Bauern- und Bürgerstand. Also verbot er allen Beamten und Lehrern 1823 das Tragen dieses Anzugs.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Das Verbot des Steireranzugs war eine Spitze des Kaisers gegen seinen Bruder Erzherzog Johann
Das Verbot des Steireranzugs war eine Spitze des Kaisers gegen seinen Bruder Erzherzog Johann
Foto: UMJ/LACKNER
Leobner- (links) und Altsteirer-Anzug
Leobner- (links) und Altsteirer-Anzug
Bauern aus Schladming in winterlicher Tracht 1935
Bauern aus Schladming in winterlicher Tracht 1935

Unglaublich, welche radikalen Wandlungen der gute alte Steireranzug schon mitgemacht hat. Heute auch unter Jugendlichen hip und schick, nach dem 2. Weltkrieg lange Zeit ein Symbol für besonders konservativ und traditionell. Seit 1919 in fast allen Bundesländern verbreitet und im Ständestaat des Dollfuß-Regimes geradezu das Zeichen für Regimetreue.

Ursprünglich aber aus der Berufs- und Standeskleidung der Jäger im Salzkammergut und in der Eisenwurzen entwickelt, schlüpfte um 1820 Erzherzog Johann von Österreich in den grauen, grün besetzten Lodenrock, um so ein Beispiel der Einfachheit und Verbundenheit mit dem Volk zu geben. Dazu trug er die „Lederne“, eine enge wildlederne Kniebundhose mit grünen Stutzen. Damit machte der „steirische Prinz“ die Tracht auch in feinen Kreisen salonfähig und sich bei den Steirern beliebt. Denn erst durch Johanns Vorbild wurde der Steireranzug zur Landestracht. Aber dadurch kamen Eifersucht und Politik ins Spiel. Und das kam so: Schon ab 1798 schwärmte der junge Erzherzog Johann dank seinem Schweizer Erzieher Johannes von Müller für das Bauerntum und die hohen Berge der Schweiz. In den Napoleonischen Kriegen wurde Johann 1805 und 1809 in Tirol eingesetzt und war dort in die Alpenbundaffäre verwickelt, ja er regte sogar den Aufstand gegen Napoleon in Tirol an, wurde aber an Metternich verraten. Die Verschwörer wurden 1813 verhaftet, Johann von seinem kaiserlichen Bruder Franz I. des Landes Tirol verwiesen. Daraufhin wählte der Erzherzog die Steiermark zu seinem Lebensmittelpunkt und entfaltete hier als Privatmann sein folgenreiches Wirken. Hier lernte er auch 1819 die Bürgerliche Anna Plochl kennen, verlobte sich 1822 mit ihr und erhielt am 4. April 1823 die Erlaubnis des Kaisers zur Eheschließung. In dieser Zeit standen aber Johann und Anna samt deren Familie auf Anordnung Fürst Metternichs unter steter Beobachtung. Und als die Polizei im Juli 1823 ausführlich nach Wien meldete, dass der Erzherzog in Begletung des Kreishauptmannes von Graz „im strengsten Incognito“ in Gastein verweile und „stets in der Kleidung eines Steyrischen Landmanns“ erscheine - und der Kreishauptmann ebenso -, schlug das wahrscheinlich dem Fass den Boden aus. Genau in der Phase der Neustrukturierung des zentralistischen neuen Kaisertums Österreich (seit 1804), in der Franz I. klare hierarchische Strukturen im ganzen Land durchziehen wollte und neue Uniformen für alle Beamten (dunkelgrün mit kornblumenblauen Aufschlägen und Rangabzeichen in 12 Abstufungen) und Lehrer (mit karmelitbraunen Aufschlägen und silbernen Knöpfen und Schnallen) eingeführt hatte und das Recht zum Uniformtragen gnädigst auch pensionierten Beamten gewährt hatte. Alles war also bestens reglementiert - und da kommt dieser Erzherzog Johann daher, will nicht nur eine Bürgerliche heiraten, sondern pfuscht dem kaiserlichen Bruder mit dem dauernden Tragen seiner romantischen Bauerntracht drein und macht sich damit im Volk beliebt. Denn seit der Alpenbundaffäre galt der Steireranzug als Indiz für aufrührerische Gesinnung. Allerhöchste Eifersucht und Indignation waren angesagt. Die Genehmigung zur unstandesgemäßen Heirat des Erzherzogs wurde zurückgezogen, die Polizei verbot dem Maler Peter Krafft, den Erzherzog in steirischer Jägertracht zu malen und am 23. September 1823 wurde sogar eine Verordnung erlassen, die sich im Kärntner Landesarchiv erhalten hat, und das Verbot für alle Staatsbeamten und Lehrer aussprach, im Dienst und auch nicht auf der Jagd oder bei ländlichen Unterhaltungen die bäurische Landestracht zu tragen, fand 1981 Wilhelm Neumann in „Der verbotene Steireranzug“ heraus. Aber allmählich wuchs wieder Gras über den Streit der Brüder, 1829 durfte Johann seine Anna heiraten und der Steireranzug wurde allmählich salonfähig.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele