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Archäologie am Wiener Michaelerplatz#


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Hasso Hohmann (Juni 2019)


Meine Entwurfsskizze von 1990, die ich Helmut Zilk schickte. Das Bundesdenkmalamt befürwortete damals einen solchen Schutzbau. Er sah einen verglasten Flachzylinder mit einem aufgesetzten verglasten Flachkegel vor. Genau über dem damaligen Steg sollte diese Konstruktion vertikal aufgeschlitzt sein und einen seitlich beidseitig vertikal verglasten Durchgang erhalten. Um dieses Schutzbauwerk war ein rund um die runde Platzfläche führender Fußweg bzw. um die innere Verkehrsinsel vorgesehen. Im Innern des Schutzbauwerks sah der Plan eine geringfügige Beheizung im Winter und eine gute Be- und Entlüftung nach außen vor, damit keine Probleme durch Schwitzwasser oder Frost entstehen
Meine Entwurfsskizze von 1990, die ich Helmut Zilk schickte. Das Bundesdenkmalamt befürwortete damals einen solchen Schutzbau. Er sah einen verglasten Flachzylinder mit einem aufgesetzten verglasten Flachkegel vor. Genau über dem damaligen Steg sollte diese Konstruktion vertikal aufgeschlitzt sein und einen seitlich beidseitig vertikal verglasten Durchgang erhalten. Um dieses Schutzbauwerk war ein rund um die runde Platzfläche führender Fußweg bzw. um die innere Verkehrsinsel vorgesehen. Im Innern des Schutzbauwerks sah der Plan eine geringfügige Beheizung im Winter und eine gute Be- und Entlüftung nach außen vor, damit keine Probleme durch Schwitzwasser oder Frost entstehen.
Zeichnung: © Hasso Hohmann

Als 1990 am Michaelerplatz in Wien wieder einmal Grabungen durchgeführt werden mussten, wurden knapp unter dem Pflaster alte Keller und daneben die unterschiedlichsten Schichten der Stadtgeschichte bis in die Römerzeit freigelegt. Da dies viele Stadtbewohner wie auch Touristen interessierte, baute die Stadt einen Steg über einem Kanal, der quer über die kreisförmige Verkehrsinsel im Zentrum des Michaelerplatzes verlief. Täglich gab es ein dichtes Gedränge auf diesem Steg, obwohl hier kein Mensch gehen musste. Das Interesse war also wirklich vorhanden.

Da ich der Meinung war, dass man einem solch ausgeprägten geschichtliches Interesse auch von Seiten der Stadt Wien entgegenkommen und die inzwischen großflächig von Archäologen freigelegte und untersuchte Zone auf der Verkehrsinsel nicht wieder zuschütten sollte, schrieb ich dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk und schickte ihm auch gleich einen skizzierten Vorschlag zur Lösung der Aufgabe, die Zone hell und transparent gegen Witterung zu schützen. Die Skizze wurde auch im ISG-Magazin (1-2/1991) abgedruckt. Der Vorschlag sah eine Rundumverglasung in Form eines flachen Zylinders und eines flachgeböschten Kegels oberhalb mit einer möglichst schlanken Tragkonstruktion vor, bei der genau an der Stelle des damaligen Steges ein Schlitz durch die Konstruktion führen sollte. Ein ringförmiger Umgang um die eingehauste Fläche und der schlitzförmige Durchgang sollten den Betrachtern möglichst viele Durchblicke ermöglichen.

Einem der Denkmalpfleger im Bundesdenkmalamt gefiel meine Lösung offenbar sehr gut. Später war er ganz enttäuscht, dass eine völlig andere Lösung zur Umsetzung gekommen war, bei der die Planung einen mächtigen Rahmen um eine schlitzförmige archäologische Fläche freihielt. Manche Kritiker meinten damals, der Rahmen sei mächtiger als der Inhalt, als das, was der freigelassene Schlitz in der Platzfläche zeigte. Die Stadt Wien hatte einen geladenen Wettbewerb durchführen lassen und so kam es zu dieser Lösung.

Derzeit (2019) wird wieder überlegt, neuerlich eine Neugestaltung für den Michaelerplatz in Wien auszuschreiben. Man kann nur hoffen, dass das nicht zum Anlass genommen wird, nun endgültig auch den Schlitz mit den relativ wenigen noch sichtbaren archäologischen Ergebnisse aus der Grabung von 1990 auch noch zuzuschütten. Außerdem wäre jedenfalls eine Einhausung notwendig, bei der eine begleitende Dehydrierung und nächtliche Beleuchtung vorgenommen werden müsste.

Der Abschnitt der archäologisch untersuchten Fläche, in der man einen Teil einer römerzeitlichen Straße freilegte. Dahinter fand man ein römisches Haus, das zum Teil mit Fußbodenheizung ausgestattet war
Der Abschnitt der archäologisch untersuchten Fläche, in der man einen Teil einer römerzeitlichen Straße freilegte. Dahinter fand man ein römisches Haus, das zum Teil mit Fußbodenheizung ausgestattet war.
Foto: © Hasso Hohmann
Halbrundes Treppenhaus mit einem Brunnen im Treppenkern
Halbrundes Treppenhaus mit einem Brunnen im Treppenkern.
Foto: © Hasso Hohmann
Mittelalterliche und neuzeitliche Keller
Mittelalterliche und neuzeitliche Keller.
Foto: © Hasso Hohmann
Mehrgeschossige Wohnhauskeller
Mehrgeschossige Wohnhauskeller.
Foto: © Hasso Hohmann