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Enträtseln der inneren Uhr brachte Nobelpreis #

Drei US-Chronobiologen klärten Vorgänge, die Organismen helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus vorherzusagen und sich anzupassen. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Dienstag, 3. Oktober 2017)


Hall, Rosbash und Young
Hall, Rosbash und Young auf einem gemeinsamen, 2013
Foto: AFP

Der diesjährige Medizin- Nobelpreis geht an Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Die drei US-Forscher klärten die Mechanismen der biologischen Uhr von Lebewesen. Die Preisträger wurden gestern vom Karolinska-Institut in Stockholm bekannt gegeben, die Auszeichnung ist heuer mit neun Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet 940.000 Euro) dotiert.

„Das Leben auf der Erde ist an die Rotation unseres Planeten adaptiert. Viele Jahre lang haben wir gewusst, dass lebende Organismen, auch der Mensch, eine interne biologische Uhr besitzen, die ihnen hilft, den Tag-Nacht-Rhythmus vorherzusehen und sich daran anzupassen. Jeffrey C. Hall (72), Michael Rosbash (73) und Michael W. Young (68) konnten in diese biologische Uhr hineinschauen und ihr inneres Funktionieren auf klären“, erläuterte das Nobelpreiskomitee ihre Verdienste.

Die Chronobiologen – Hall arbeitet an der Universität von Maine, Rosbash an der Brandeis- Uni in Waltham (Massachusetts), Young forscht an der Rockefeller-Uni in New York – benutzten für ihre Arbeit die Drosophila-Fliegen. Sie isolierten zunächst ein Gen, das deren zirkadianen Rhythmus kontrolliert. Es handelt sich dabei um das „Period“-Gen, das für das Protein PER kodiert. In der Nacht sammelt sich das PER-Eiweiß in Zellen an, am Tag wird es abgebaut. „In der Folge identifizierten sie zusätzliche Proteine als Bestandteile dieser Maschinerie und klärten damit die Mechanismen auf, die das sich selbst erhaltende Uhrwerk in Zellen bestimmen“, hieß es in der Begründung für den Preis.

Zirkadiane Rhythmen dominieren viele Funktionen der Physiologie von Organismen: Verhalten, Hormonproduktion, Schlaf, Körpertemperatur und Stoffwechsel. Das reicht von der Verdauung über Aufmerksamkeit bis hin zum klassischen Jetlag, bei dem sich die innere Uhr des Menschen nicht schnell genug an andere Zeitzonen anpassen kann.

Zwei der drei Preisträger konnten vom Nobelpreiskomitee gleich erreicht werden: Hall und Rosbash. Rosbashwar total überrascht. Seine erste Reaktion: „Sie nehmen mich auf den Arm. Ich war atemlos!“

Kleine Zeitung, Dienstag, 3. Oktober 2017