unbekannter Gast

Grimming-Blick über den Tellerrand #

Früher auch Schusterwerkstätte, heute ein Ruhepol im Ennstal. Das Gasthaus Krenn in Pürgg hat neu aufgedeckt. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung (Freitag, 31. März 2017)

Von

Gerhard Pliem


Gasthaus Krenn
Gasthaus Krenn
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC

Dem berühmten Salettl des Gasthofes Krenn in Pürgg kann man einen hervorragenden Energieausweis ausstellen, nur mit anderen Parametern: Die Gemütlichkeit, das unvermittelt einsetzende Abfallen der Hektik, das Aufladen der Batterien findet man sonst nirgendwo in dieser Dichte.

Seit 100 Jahren klebt das Salettl am Traditionsgasthof, der vor 600 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, und bildet seinen verlängerten Arm nach Süden. Der „Vogelkäfig“, wie er von den Einheimischen genannt wird, bietet neben seiner Behaglichkeit eine unvergleichliche Aussicht auf das Ennstal und die benachbarten Täler. Als in den letzten Monaten mit der behutsamen Renovierung des Gasthofes begonnen wurde, war von Anfang an klar, dass der Charakter des Hauses bestehen bleiben müsse, erzählt Theresia Graf, die zusammen mit ihrer Schwester Valerie den Betrieb für Dietrich Mateschitz führt. „Man muss ein Gespür bekommen für das Haus, erst dann kann man die Sache angehen“, bestätigt Restaurantleiter Othmar Purkhard. Deswegen wurden im Salettl die Fenster nicht getauscht, ebenso wenig wurde in die fragile Holzkonstruktion, die auf Stützen hoch über dem Tal thront, eingegriffen. „Die Holzfenster mit ihrem dünnen, jahrzehntealten Glas machen mit die Atmosphäre aus. Ein Salettl war bei den Häusern der Region ja nie für die ganzjährige Nutzung gedacht. Unsere Gäste wissen das, viele reservieren trotzdem bewusst nur im Salettl, selbst wenn es dort im Winter trotz der neuen Heizkörper keine übertrieben warmen Temperaturen hat“, schmunzelt Valerie Graf. Die Gaststube im westlichen, zum Grimming ausgerichteten Teil des Gasthofes war ursprünglich eine Schusterwerkstätte. „Bei größeren Feierlichkeiten hat man die Werkstätte für die Gäste einfach ausgeräumt“, weiß Vorbesitzerin Barbara Krenn. Ein Porträt ihres Großvaters Leo Krenn und seine Schnittzeichnungen für Schuhe hat man auch nach dem Umbau in der Gaststube belassen. Die Urkunde, die das Gebäude als Zunfthaus der Schuhmacher auszeichnet, stammt aus der Zeit Karls VI., des Vaters von Maria Theresia. „Wir sind sehr glücklich, dass die Lamperie, die urige Vertäfelung, in den Achtzigerjahren nicht, wie sonst fast überall üblich, herausgerissen wurde. Das ist ein Schatz“, sagt Othmar Purkhard.

Behutsam haben die Handwerker renoviert und instand gesetzt, die alte Bestuhlung wurde bewusst nicht ausgewechselt. Theresia Graf hat typische alte Pendellampen ausgesucht: „Die passen am besten herein, es muss stimmig sein.“ Selbst das Leinen der bestickten weißen Tischdecken ist „mehrere Hundert Jahre alt“.


Das Salettl, von den Einheimischen liebevoll „Vogelkäfig“ genannt
Das Salettl, von den Einheimischen liebevoll „Vogelkäfig“ genannt
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
rustikale Einrichtung
Typische alte Pendellampen und rustikale Vorhänge fügen sich stimmig ins Bild
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
autentische Löffel
In diesem Haus zücken nicht nur die Osterhasen die Löffel
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
Idyllische Details
Mein rechter Platz ist frei ... Idyllisch bis ins kleinste Detail
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
Holzstube
Alle wollen einen Platz in der sonnigen Holzstube
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
Theresia und Valerie Graf
Theresia und Valerie Graf: „Ist wie heimkommen“
Foto: OLIVER WOLF, MANUEL PERIC
Kleine Zeitung, Freitag, 31. März 2017