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Als sich Mr. Smith verliebte #

Wie ein britischer Offizier 1945 in der Oststeiermark die Liebe seines Lebens fand #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Kleinen Zeitung

Von

Robert Preis


Winter 1944: Bald kommt der Krieg nach Birkfeld. Er endet im Frühling 1945
Winter 1944: Bald kommt der Krieg nach Birkfeld. Er endet im Frühling 1945 (KK)
Die beiden Aufnahmen zeigen Birkfeld im Jahr 1938
Die beiden Aufnahmen zeigen Birkfeld im Jahr 1938 (KK)

Sein Auftrag war pikant und führte ihn durch ein vom Krieg traumatisiertes und verheertes Land. Harold Smith, Captain des 58. Anti-Tank-Regiments der 46. Britischen Infanterie-Division, sollte im Juli 1945 „in einer kleinen Marktgemeinde namens Birkfeld“ die verbliebenen Russen in die russische Besatzungszone nach Niederösterreich schicken. Zu diesem Zweck wurde der britische Offizier von Friesach in Kärnten aus losgeschickt. Er fuhr über Judenburg, Leoben, Bruck/Mur und Graz in die Oststeiermark.

„Ich kann mich gut erinnern, was für eine wunderschöne Landschaft zu sehen war, mit netten kleinen Dörfern, aber leider noch immer keiner Menschenseele auf der Straße.“

Er war am 23. Juli unterwegs nach Birkfeld, hatte sich zuvor schon in Graz gewundert über die leeren Straßen. Auch Weiz fand er nahezu verlassen vor. Seine Reise war beschwerlich, da Brücken gesprengt worden waren, ausgebrannte Lastwagen und Panzer den Weg versperrten. „Überall waren die Spuren des Krieges zu sehen.“ Als Smith die Kirche von Birkfeld bemerkte, „war es ein herrlicher Anblick, und zwar so sehr, dass ich dem Fahrer befahl, anzuhalten, während ich die Gelegenheit wahrnahm, die schöne Szene zu überdenken“.

Birkfelder Feuerwehrdamen während des Krieges
Birkfelder Feuerwehrdamen während des Krieges (KK)

In Birkfeld waren die einzigen Menschen, die er vorfand, sechs „bis an die Zähne bewaffnete russische Soldaten“, die der Grund für seine Reise waren. Sie verhandelten zwei Tage, während derer Smith nicht nur um sein Leben bangte, sondern auch keinen einzigen Österreicher sah. Erst dann machten die Russen kehrt.

Erst Tage später tauchte jemand auf und gab sich als Bürgermeister zu erkennen. „Er wusste auch, wo sich die Birkfelder vor den Russen versteckt hatten. Es war ein fürchterliches Durcheinander.“ Smith blieb bis August in Birkfeld und wurde einen Tag nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima nach Weiz abkommandiert, wo es Smiths Aufgabe war, die Beziehungen zur Bevölkerung zu verbessern. So veranstaltete er ein Volksfest in einer großen Sporthalle kurz vor Weihnachten. Da aber kaum jemand Englisch konnte, bat Harold Smith jemanden aus dem Publikum, zu übersetzen. „Da stand ein blondes Mädchen auf und kam zögernd zur Bühne. Nachdem ich sie gefragt hatte, ob sie Englisch spreche, antwortete sie: ,If you speak slowly, I shall understand.‘“ Der Abend wurde ein großer Erfolg.

Nach Weihnachten wurden britische Truppenteile aus Anger, Passail, Birkfeld und Weiz abgezogen, Smith selbst als Stabsoffizier nach Graz beordert. Von Februar bis November 1946 arbeitete er vom Hallerschloss aus für die Brigadegeneräle Finlayson und Usher. Er verbrachte viel Zeit im Parkhotel, das von Offizieren frequentiert wurde. Sein „kleines Sonderkommando“, wie er es bezeichnete, blieb als 10-Mann- Einheit in Weiz. Er kehrte 1947 nach England zurück.

Doch seine Verbindung zu Österreich blieb sein ganzes Leben lang bestehen, und jedes Jahr um den 8. Oktober flog er nach Österreich, um ein paar Tage in Weiz zu verbringen. „Denn dort habe ich etwas Wichtiges zu tun, nämlich unser Familiengrab zu pflegen. Ich habe es früher nämlich nicht erwähnt, aber dieses Mädchen, das uns 1946 in der Sporthalle mit ihrem Sprachtalent so freimütig geholfen hat, habe ich 1949 geheiratet.“

Die Ehe sei wunderbar gewesen und seine Frau habe nicht nur ihm, sondern auch seiner ganzen Familie „und tatsächlich jeder Person, die mit ihr in Kontakt kam“, nur Freude gebracht. 1971 starb sie jedoch bei einem Verkehrsunfall. „Über diese Tragödie habe ich nie hinwegkommen können. Am 8. Oktober ist ihr Geburtstag.“

Dass von dieser Geschichte noch jemand weiß, ist dem Birkfelder Historiker Wolfgang Struschka zu verdanken, der die Erinnerungen von Harold Smith gesammelt hat. Mittlerweile verlor sich dessen Spur, auch die Friedhofsverwaltung in Weiz weiß nichts mehr von dem Grab. Was bleibt, ist aber eine Liebesgeschichte aus einer verwirrenden Zeit.


© "Damals in Graz", Robert Preis