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„Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“#

Das Rasenkreuz vom Eisenberg im Burgenland entsteht und vergeht#


Von

Günther Jontes

Die Aufnahmen wurden vom Autor in den Jahren 1984, 1994 und 2001 gemacht. Sie sind Teil des Archives „Bilderflut Jontes“


Die römisch-katholische Kirche erlaubt ihren Gläubigen zur Mehrung des Heilsschatzes Pilgerfahrten zu Stätten in aller Welt, wo es ihrer Meinung nach zu Berührung des Irdischen mit dem Überirdischen gekommen ist und sich dabei Dinge ereignet haben, die mit menschlicher Vernunft und den Naturgesetzen nicht zu erklären sind. Diese nennt man Wunder und deren Bezeugung ist schon in der Bibel manifest. Solche Ereignisse geschehen für Katholiken oft an Orten, die mit der Erscheinung von Heiligen, in Sonderheit mit solchen der Gottesmutter Maria zusammenhängen.

Diese bilden den Großteil solcher Wunder und mehrere haben in Europa im Laufe der letzten Jahrhunderte eine übergroße Bedeutung gewonnen. Aus der Gegenwart der letzten Jahrhunderte sind Lourdes in Frankreich, Fatima in Portugal entstanden, Mariazell in Österreich, Altötting in Bayern schon im Mittelalter. Selbst im fernen Mexiko soll sich die Jungfrau Maria im Orte Guadalupe bei Mexiko D.F. manifestiert habe und zwar zum ersten Mal einem Eingeborenen der der Neuen Welt.

Die Kirche ist mit der Anerkennung solcher Erscheinungsorte oder Stätten, wo wundertätige Bilder verehrt werden, ebenso von dort geschehenen Wundern sehr skrupulös. Man denke an Medjugorje, wo seit Jahrzehnten Millionen hinpilgern und die Kirche eine offizielle Bezeichnung als Gnadenort noch immer verweigert. Bei der Anerkennung von Pilgerstätten, wo sich die Jungfrau Maria gezeigt haben soll, spielen Wunder und zwar als Wunderheilungen eine große Rolle. Ärztekommissionen untersuchen jeweils, wenn sich ein Heilungswunder ereignet haben soll, sehr genau und selbst im bedeutendsten Wallfahrtsort überhaupt, in Lourdes wurden bis dato nur 69 solcher Spontanheilungen anerkannt und dürfen als Wunder bezeichnet werden. Diese Geschehen erstrecken sich noch dazu über den enormen Zeitraum von 1858 bis 2013.

Hier in Lourdes erschien insgesamt achtzehn Mal einem einfachen Mädchen eine weißgekleidete Frau, offenbarte sich als Jungfrau Maria und erbat sich die Erbauung einer Kirche sowie Wallfahrten dorthin. Parallel dazu sollte man auch die angeblichen Erscheinungen der hl. Maria sehen, die nach Angaben einer Bauersfrau in Eisenberg im südlichen Burgenland dieser offenbart haben soll. Dieses Dorf und damit auch der Lex-Hof liegen in der Gemeinde St. Martin an der Raab im Bezirk Jennersdorf in der Nähe des Dreiländerecks Österreich – Ungarn – Slowenien.

Gemeinde St. Martin
Gemeinde St. Martin
Wegweiser schon in beträchtlicher Entfernung führen zur Pseudognadenstätte.

Wegweiser

Eine schon an Hysterie grenzende Hochblüte erlebte dieser Bauernhof in den siebziger Jahren und ermöglichten es der Familie Lex, ihr Gehöft entsprechend auszuschmücken.

Bauernhof der Familie Lex
Familie der Lex

Die Bäuerin Aloisia Lex (1907-1984) habe am 8.Oktober 1954 eine Marienerscheinung gehabt. Dies habe sich am 13. Oktober 1955 wiederholt. Am 6. September 1956 sei ihr dann ein Engel erschienen und auf einer Wiese nahe dem Bauernhof sah man daraufhin in den Rasen eingeprägt ein Kreuz, dessen Entstehung man sich auf natürlichem Wege nicht erklären konnte.

Wegweiser

Man versuchte auch, durch entsprechende plakative Hinweise eine Art heiligen Bezirk um das Kreuz zu schaffen und durch Gebote und Verbote entsprechend nachdrücklich einzumahnen. Manche der Tafeln sind wegen des großen Zustroms von „Pilgern“ von dort auch auf Niederländisch verfasst.

plakative Hinweise
plakative Hinweise
plakative Hinweise
plakative Hinweise

Von den Frauen wird sogar gebieterisch „marianische“ Kleidung verlangt, denn Hosen sind Christus nach Meinung der Aloisia Lex ein Gräuel

Auffällig ist, dass von einer solchen Prägung auch aus Meggen bei Ravensburg in Deutschland berichtet wird. Dort entstand 1972 eine ebensolche Auffälligkeit, die von einem Pfarrer 1968 vorausgesagt worden sei. Dieses Kreuz wurde wissenschaftlich untersucht und als Fälschung entlarvt. An der Stelle, wo das Kreuz im Rasen sichtbar geworden war, konnte eine bewusste Überdüngung festgestellt werden, die weiteren Pflanzenwuchs verhinderte. Da das Eisenberger Kreuz wiederholt auch von Wallfahrern aus Deutschland aufgesucht wurde, liegt es nahe, dass es als Vorbild für den Schwindel in Meggen gewesen sein könnte.

Rasenkreuz

Als „unser“ Rasenkreuz 1956 erschien, machte sich der Gendarmerie-Inspektor Willibald Neuherz des Postens St. Martin a. d. Raab dienstlich darüber kundig, was da eigentlich geschehen sei. In seinen Worten liest sich dies so: „Es war im Jahre1956 am 6. September, als man hörte, in Eisenberg im Garten der Familie Lex sei im Gras ein Kreuz entstanden. Ich wurde damit beauftragt, die Sache zu untersuchen, will unter Umständen Manipulation nicht auszuschließen sei. Damals war ich Gendarmerie-Postenkommandant dieses Gebietes. Zunächst habe ich mir das Kreuz im Garten angesehen. Im grünen Rasen hob sich eine große lateinische Kreuzform ab, sie zeigte klare und scharfe Konturen. Das Gras in der Kreuzform war mit dem Boden fest verhaftet bzw. verwachsen. Ich habe versucht, es mit den Händen auszureißen. Dies wäre nur mit Kraftanwendung und natürlicher Beschädigung wie anderswo möglich gewesen. Der Boden war nicht feucht und ich konnte feststellen, dass unten nichts abgeschnitten war. Beschädigungen oder Grasabstutzungen gab es nicht. Durch helle Färbung zeichnete sich die Kreuzform rasiermesserscharf vom satten Grün des Gartenrasens ab. In der Folgezeit wurde das Kreuz von mir und meinen Beamten sowohl am Tag als auch nachts beobachtet. Über das Ergebnis wurde auch laufend der zuständigen Bezirkshauptmannschaft berichtet….Ich war damals der Meinung man könnte das Rasenkreuz chemisch gemacht haben.“ (Zitat nach „M. Jäger [Hrsg.], Eisenberg 1956-1983, Eisenberg 1983, S. 26f.)

Diese Mitteilungen machte der Gendarmeriebeamte bereits im Rahmen eines Vortrages, den er anfangs der siebziger Jahre vor einer Gruppe von Pilgern aus der Schweiz hielt. Zu dieser Zeit sprach sich dort, aber auch in den Niederlanden das Phänomen des wundertätigen Kreuzes herum und die Familie Lex verbreitete auch, dass sich Heilungswunder ereignet hätten. Dazu dienten bereits auch kleinere Druckschriften, die an Ort und Stelle in großer Menge verkauft wurden.

Hinweistafel

In der Folge wurde das Rasenkreuz vor allzu direkten Blicken abgeschirmt und das ganze Wiesenstück mit einem Maschendrahtgitter umgeben, das später durch solidere Schmiedeeisenarbeit ersetzt wurde. Eine Konsole und Bänke sollten dazu auffordern, dass die Besucher ihre Gebete kniend verrichten. Dazu kam dann noch eine weitere rechteckige Umfriedung aus Maschendraht, die die Pilger noch weiter vom Kreuz abdrängten. Wahrscheinlich wollte man kritische Menschen an einer zu intensiven Betrachtung hindern und gleichzeitig das „Phänomen“ mit einer mystischen Aura des Erahnens umgeben.

plakative Hinweise
plakative Hinweise
plakative Hinweise

Man gewinnt überhaupt den Eindruck, dass die gesamte Familie ein Netzwerk aufbaute, das zur Vermarktung des Rasenkreuzes dienen sollte. Als erste der Heilungen erzählte man, dass „Mutter Lex“ todkrank gewesen sei, jedoch auf wundersame Weise wieder gesundete. Sie habe außerdem seit 1956 des Öfteren Botschaften vom Heiland und Maria erhalten, die sie an die Öffentlichkeit weitergeben sollte.

Diese waren wunderlich bis skurril. So sei ihr der russische Staatspräsident Podgorny nach seinem Tod beim Rasenkreuz erschienen, da sie auch für diesen Sünder bei Gott um Vergebung seiner Untaten gebetet habe. Er sagte ihr: „Ich musste das Kreuz da unter am Boden anschauen. Dieses Kreuz macht uns in Russland viele Schwierigkeiten. Das ist stärker als viele Divisionen…Ich muss mich überhaupt sehr wundern. Wir haben geglaubt und haben es immer behauptet, nach dem Tod ist alles aus. Das ist aber gar nicht wahr“. Hier hatten sich anscheinend in dem schlichten Gemüt der nun bereits als „Seherin“ bezeichneten Aloisia Lex Erinnerungsreste vermischt, die von Stalins Ausspruch „Wie viele Divisionen hat der Papst“ bis zu Jenseitsvorstellungen des Ablasshandels anno dazumal reichen. In der Traumdeutung nennt man solche Erinnerungen Tagreste, die sich aus realem Erleben bis zu Gelesenem ergeben können.

Eine solche Naivität wird aber überboten durch den absoluten Willen, aus einem vorgetäuschten Wunder möglichst viel finanziellen Gewinn herauszuschlagen. Dazu wurde dann in Eisenberg das ganz Areal um das Haus zu einer pseudosakralen Landschaft umgestaltet, in welchem auf relativ geringer Fläche alles Platz haben musste, was emotional zum „Wunder“ passte.

Auch mit der Furcht vor einem allgemeinen Atomkrieg wurde gespielt. So habe sich nach Warnungen der hl. Maria in einer der zahlreich Visionen der Aloisia Lex ein Baum zu einer Gestalt gewandelt, der einem Atompilz ähnlich sieht.

Atompilz-Baum

1956 erfolgte auch eine Untersuchung durch die Diözese Eisenstadt der Amtskirche, die aber nicht zu einer Anerkennung als wunderbare übernatürliche Erscheinung führte, da sich der zuständige Ortspfarrer angeblich heftig dagegen gewehrt habe.

Der Spruch des Bischöflichen Ordinariats in Eisenstadt war eindeutig: „Nichts berechtigt dazu, diese natürlich erklärbaren Erscheinungen als übernatürliches Eingreifen Gottes anzusehen“. In mitgelieferten Fachgutachten wurden die Erscheinungen und Botschaften von Aloisia Lex auf psychopathologische Zustände zurückgeführt. Das Rasenkreuz sei künstlich durch Menschenhand hergestellt worden und auch das sogenannte Sonnenwunder sei durchaus durch bestimmte atmosphärische Erscheinungen erklärbar.

Prompt kam es wieder zu einer Erscheinung, diesmal von Christus persönlich, der sich gegen das kirchliche Urteil wendete, indem er verkündete: „Die Priester und Bischöfe haben kein Recht, das himmlische Zeichen des heiligen Kreuzes zu verurteilen. Da verurteilen sie sich selber und sprechen selbst ihr eigenes Gericht. Denn das letzte Wort werde ich, Christus, über diese Sache sprechen.“

Trotz des klärenden Urteils der kirchlichen Autorität begannen aber immer mehr Menschen das Rasenkreuz aufzusuchen. Teilweise waren es natürlich Neugierige und Spötter, aber eine größere Zahl dürfte sich dieser Stätte mit echten religiösen Gefühlen und Anliegen genähert haben. Es ereigneten sich aber auch zwei Attentate auf das Kreuz

Man hat nun das Gefühl, dass der ganze Bauernhof und sein Umfeld bewusst zu einem Wallfahrtsort umgebaut werden sollten. So musste natürlich auch ein wundertätiges Wasser gefunden werden, das heilsam sei. Und tatsächlich: 1968 erschien Maria und versprach eine Heilquelle.

In dem Wunderbericht liest sich dies so: „Im Frühjahr 1968 wurde Mutter Lex durch eine Botschaft der Gottesmutter mitgeteilt, dass bald eine Quelle entspringen werde, wenn am Rasenkreuz viel gebetet wird. Es war ein sehr trockenes Frühjahr und trotzdem zeigte sich am Abhang zwischen Stall und Kreuzkrone eines Tages ein feuchter Fleck. Vater Lex grub dort die Erde etwas auf und tatsächlich sickerte immer wieder Wasser zusammen. Es kamen dann immer mehr Pilger, aber auch Neugierige und Spötter. Einige Männer beredeten Herrn Lex sie tiefer graben zu lassen, damit mehr Wasser käme – da blieb das Wasser ganz aus – und die Gottesmutter ließ die Seherin wissen, sie habe die Quelle versiegen lassen, denn sie hätten etwas Schlimmes damit vor“.

Sofort reagierte Aloisia Lex und schwindelte eine weitere Botschaft vor und raffinierter Weise begann das Ganze jetzt auf eine andere Weise zu wirken. Es geschah das Folgende:

„Am Maria Himmelfahrtstag nahm eine Kranke Wasser vom Küchenbrunnen der Mutter Lex mit nach Hause und trank dieses Wasser im Vertrauen auf die Hilfe unserer lieben Frau bei ihren chronischen Hustenanfällen schwitzend hinein bei der Heuernte auf dem Feld, und ihr Husten verschwand und kam nicht mehr. Voll Dankbarkeit kam die Geheilteam 8. September 1968, dem Feste Mariä Geburt, wieder und schrieb ihr Erlebnis mit dem Wasser vom Küchenbrunnen in das Pilgerbuch ein.“

Lex ergriff sofort die Gelegenheit und sah hier eine weitere fruchtbare Möglichkeit der Ausweitung der finanziellen Basis der „Firma Rasenkreuz“. Wie ging sie hier vor ?

„Daraufhin ermuntere Mutter Lex auch andere Kranke die Heilkräfte dieses Wassers auszuprobieren. Von diesem Tag an wurde vielerorts die Heilkraft des Eisenbergwassers mit Erfolg erprobt“. (Zitate nach M. Jäger, Eisenberg 1956-1983“, S. 168f.)

Der Schwindel wurde offenbar, als man feststellte, dass zu diesem Zwecke die Ortswasserleitung von Eisenberg abgezapft worden war.. Trotzdem füllten viele Pilger dieses Wasser an innerhalb und außerhalb des Hauses gelegenen Entnahmestellen in Flaschen und Kanister und nahmen es mit nach Hause. Selbst Wassertanks fanden von hier aus den Weg bis in die Schweiz und nach Holland.

Wasserleitung
Wasserleitung
Hinweisschild
Hinweisschild

Auch mit diesem Wasser ereigneten sich für Wunder gehaltene Naturerscheinungen bzw. deren Interpretation. So berichteten verschiedene Personen, dass sich in dem Wasser, wenn es im Winter gefror, Eisfiguren in Gestalt von Kreuzen, Monstranzen, Kelchen, Madonnen, Engel usw. gebildet hätten. Selbst ein Atompilz sei dabei erschienen.

1968 wird sogar ein Heilungswunder an einem Schwerkranken berichtet, bei welchem selbst Wasser aus Lourdes keinen Erfolg gezeitigt hatte. Und dann häuften sich diese angeblichen göttlichen Zeichen. „Es verging keine Woche, ohne dass drei bis vier Heilungen, Berichte von Wasserzeichen, Veränderungen an den Statuen, Sonnenphänomene und Zeichen am Himmel in das Pilgerbuch eingetragen wurden“, heißt es in einem der Kleinschriften.

Gefährlich allerdings wurde es, als 1968 ein Pfarrer aus Rankweil in Vorarlberg mit einer Familie und deren Tochter auftauchte, die als von Dämonen besessen geglaubt wurde. Der Geistliche vollführte nun in Eisenberg einen Exorzismus, eine Teufelsaustreibung, die in dem Pamphlet „Eisenberg 1956-1983“ fast protokollarisch beschrieben wird, angeblich mit Erfolg.

Raffiniert war auch der Versuch, eine Infrastruktur zur Betreuung von Pilgergruppen aufzubauen. 1969 bat Lex nach einer Botschaft, die sie angeblich von Maria erhalten hatte, eine Schweizergruppe, die immer häufiger nach Eisenberg gekommen war, ein „Pilgerhaus“ zu bauen. Dazu wurde hierauf der „Rasenkreuzpilgerverein“ gegründet, der sofort mit dem Spendensammeln begann. Das Geld kam zusammen und 1973 wurde das Haus fertig gebaut und „eingeweiht“. Es sollte Platz für 80 Pilger bieten.

Und wieder holte man sich einen Heiligen, diesmal einen, der als Schutzpatron der Schweiz große Verehrung findet, den hl. Nikolaus von der Flüe (1417-1487), den das Volk Bruder Klaus nennt. Ihm wurde hier eine Kapelle gebaut und eingerichtet.

Martinhof
Martinhof
Hinweisschild
Kapelle

An der Ausgestaltung zu einem Wallfahrtszentrum wurde 1972 und 1973 weitergearbeitet und der Kuhstall des Lexhofes zu einer Hauskapelle ausgebaut, um Sühnenächte abhalten zu können.

Heiligenfiguren
Heiligenfiguren

Hier wurde auch eine Fatima-Statue aufgestellt, weil die Gottesmutter der Aloisia Lex angeblich im Gewande dieses portugiesischen Gnadenbildes erschienen war. Ebenso wurde ein Christus-Figur platziert, an der man ebenfalls seltsame Leuchtwunder beobachtet haben wollte.

Heiligenfiguren
Heiligenfiguren
Heiligenfiguren
Heiligenfiguren

Bald wurde dieser Raum aber zu klein und man baute eine größere Kapelle, in welcher eine Statue des später heiliggesprochenen Padre Pio aufgestellt wurde. Man versuchte damit, eine weitere Wunderbasis zu schaffen. Padre Pio war lange umstritten und sein Heiligsprechungsprozess zog sich sehr lange hin. Obwohl noch nicht kanonisiert, erfasste seine Verehrung immer größere Personenkreise in aller Welt. Man schloss sich hier also geschickt einem Trend an, von dem man sich weitere Anziehungskraft versprach. Dieser Kapuzinermönch aus Pietrelcina (1887-1968) war ein stigmatisierter Mystiker, den schon zu seinen Lebzeiten eine Aura des Wundersamen umgab. An seinen Handflächen erschienen an Freitagen die blutenden Wunden Christi am Kreuz. Er wurde 1999 selig und 2002 von der katholischen Kirche heilig gesprochen und zur Ehre der Altäre erhoben. Als ikonographische Merkwürdigkeit trägt er auf Statuen Halbhandschuhe, die seine Stigmata verdecken sollen.

Auch die Pilger hinterlassen ihre dauernden Spuren. Man kann sie als Zeichen echter, wenngleich irregeleiteter Frömmigkeit ansehen. Sie sind jedenfalls da wie diese Bänder in den Nationalfarben der Ungarn, die als Wallfahrer hierher gekommen waren.

Und auch einfache nur schriftlich abgefasste Votivtafeln sind wandfest hinterlassen worden.

Eine einzige Votivtafel ist im „klassischen“ Stil gemalt und zeigt Maria in einer Gloriole über dem Rasenkreuz schwebend, um auch das angebliche Sonnenwunder mit einzubeziehen.

Votiv
Votivtafel
Votivtafel
Votivtafel

Das leicht geneigte Gelände um den Bauernhof wurde außerdem sukzessive in eine Art gedrängte Sakrallandschaft verwandelt. So entstand ein Kreuzweg mit den üblichen vierzehn Stationen. Seine Qualität ist derart erbärmlich, dass man sich nicht vorstellen kann, dass selbst einfache von Frömmigkeit erfüllte Gemüter hier über die Leiden Christi nachdenken und beten könnten. Üblicher Weise werden Kreuzwege nur von der Kirche errichtet.

Sakrallandschaft

Kreuzwegstation
Kreuzwegstation
Kreuzwegstation

Außerdem wurden Memoriale an denjenigen Stellen angebracht, wo die Gottesmutter und Christua angeblich erschienen waren. Das konnte an bestimmten Stellen wie Bäumen sein, es wurden aber auch Kruzifixe errichtet und ständig geschmückt.

Sakrallandschaft
Kreuzwegstation
Kreuzwegstation
Kreuzwegstation
Kreuzwegstation

Der volksfromme Lichtkult brachte über den Kerzenverkauf eine weitere gute Einnahmequelle für das wirtschaftlich „Unternehmen Rasenkreuz“ und deshalb wurden im Gelände auch wetterfeste Kerzenkabinen aufgestellt.

Kerzenkabinen

In der Folge wurde eine weitere Kapelle eingerichtet, die aber mehr wie ein Abstellraum für die von den Pilgern herbeigebrachten frommen Artikeln wie Bilder, Wandteppiche und Kreuze diente. Die Imagerie ist dem entsprechend bunt.

Kapelle
Kapelle
Kapelle
Kapelle
Kapelle
Kapelle

Es wird berichtet, die als Seherin bezeichnete Aloisia Lex habe vorhergesagt, dass das Phänomen des Rasenkreuzes nach ihrem Tode verschwinden werde. Was dann auch dann tatsächlich geschah. Sie starb am 28. Dezember 1984 und angeblich habe sich bei ihrem Begräbnis am 31. Dezember wieder ein Sonnenwunder ereignet. Diese „Prophetie“ ist ein weiterer Hinweis auf diesen Schwindel im Familienverband. Wahrscheinlich traute sie ihrer nachkommenden Verwandtschaft nicht mehr zu, das Unternehmen weiterzuführen, da sich alle angeblichen Botschaften aus dem Jenseits – es sollen nach eigenen Angaben über eintausend gewesen sein! - ja nur an sie gerichtet hatten.

Das Rasenkreuz ist als kulturell-religiöses Phänomen ein Beweis für die Sehnsucht der Menschen nach Transzendenz, weil die Realität der zeitlichen und räumlichen Gegenwart für den Einzelnen oft nicht mehr zu bewältigen ist. Diesen spirituell Hilfe Suchenden darf kein Vorwurf gemacht werden. Sie waren ja auch einem Massendrang anheimgefallen. Verwerflich allerdings ist es, wenn Menschen daraus unter Vorspiegelung von Visionen und aus der Natur nur scheinbar nicht erklärbaren Vorgängen Kapital schlagen und viele damit in die Irre führen. Die katholische Kirche reagiert sehr weise, indem sie solchen Erscheinungen keine Bühne gibt, um Glauben und Frömmigkeit nicht auf fragwürdige Weise verzerren zu lassen.

Was von den „Visionen“ zu halten sei, wird aus einer solchen, die Aloisia Lex am 22. Dezember 1982 erfand, deutlich. Maria habe verkündet: „Die Welt steht vor der Katastrophe! Die Mächte rüsten wie noch nie! Die große Übermacht des Weltkommunismus wird unerwartet über die noch freien Länder hereinbrechen, denn er kennt keine Grenzen. Das wird die große Weltkatastrophe auslösen!“ Sieben Jahre später begann der Sowjetkommunismus zusammenzubrechen. Die Prophezeiung war gar keine gewesen.

Generationen kommen und gehen und jeder neu angekommenen können solche Gedanken wieder eingepflanzt werden. Beim Rasenkreuz ist es nicht anders. 2004, also 20 Jahre nach dem Tode der Aloisia Lex, erschien Nr. 1 einer Zeitschrift mit dem Titel „Eisenberg-Bote. Zeitschrift für die Förderung und Verehrung des Rasenkreuzes“. Sie nennt sich Pilgerzeitschrift und in dieser ersten Ausgabe wird massiv um Spenden gebeten. Im Impressum steht als Herausgeber ein „Förderverein für die Verehrung des Rasenkreuzes in Eisenberg“.

Quellen#

  • Karl Baumgartlinger [Hrsg.], Das geheimnisvolle Kreuz von Eisenberg (Österreich). Ried i.I. o.J.: Selbstverlag des Verfassers
  • Viktoria Bernard, Die Botschaft von Eisenberg. Wien 1969: Selbstverlag der Verfasserin
  • M. Jäger, Eisenberg 1956-1983. Widmung zur Verherrlichung der heiligsten Herzen Jesu und Mariä. Pfingsten im Jahr der Erlösung 1983. München 1983: Haupt Christi-Verlag
  • Alexander Machac, Bericht über das geheimnisvolle Kreuz von Eisenberg/Raab (Österreich). Wien 1972, 7.Aufl.: Selbstverlag des Verfassers
  • Josef Maller, Wunder um Eisenberg. Authentische Pilgerberichte. Wien 1971: Selbstverlag des Verfassers
  • Pfarrer Hermann Wagner, Mystische Erlebnisse. Licht über Eisenberg. St.Andrä-Wördern 1986: Mediatrix-Verlag