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Von Österreich an den Rand der Welt gedrückt#

Wenn "Australia" für "Austria" gehalten wird, gilt das in Down-Under als "Angelegenheit höchster Peinlichkeit".#


Von der Wiener Zeitung (Samstag, 17. Juni 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Thomas Pressberger


Landschaft in Österreich
Neben dem alpinen Land mit seiner großen Kultur und Vergangenheit fühlen sich Australier ganz klein.
Foto: © Fotolia/shaiith

Wien. Die Verwechslung von "Austria" und "Australia" kratzt nicht nur am Selbstbewusstsein der Österreicher, auch Australier leiden darunter. Sie fühlen sich trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht für voll genommen - und das, obwohl das Land 90 Mal so groß wie Österreich ist. Zu beeindruckend ist für viele "die große Kulturnation Österreich mit ihrer historischen Bedeutung", wie es zeitgenössische australische Kommentatoren formulieren.

"Die Verwechslung ist eine Angelegenheit von höchster Peinlichkeit für die meisten Australier", schreibt die australische Tageszeitung "The Advertiser". "Es ist wie ein Pfeil, der mitten durch das Herz unseres kulturellen Selbstverständnisses geht", so das Blatt aus Adelaide. Viele Australier würde es in ihrer Sicht bestärken, das Land liege am Rande der Welt oder sei zumindest wenig bemerkenswert. Wie der Kontinent, der von tropischem und subtropischen Klima geprägt ist, mit dem alpinen Ministaat ohne Meerzugang verwechselt werden kann, ist für viele ein Rätsel.

Das Leiden der Australier fand jüngst bei der Veröffentlichung der Airbus-Bilanz 2016 seine Fortsetzung. Die Behörden in Australien hätten in einer Anzeige Betrugs- und Bestechungsvorwürfe gegen den Konzern erhoben. In Wahrheit aber geht das Bestreben von der Republik Österreich aus, nach dem sich die Regierung beim Eurofighter-Kauf übervorteilt fühlte. In der Airbus-Bilanz steht tatsächlich "Australia" und nicht "Austria", laut Unternehmen handle sich um einen Tippfehler. Ob dieser korrigiert wird, blieb vorerst offen.

Viele Beispiele#

Beispiele von Verwechslungen gibt es laut "Advertiser" viele, meist gehen diese zuungunsten der Australier aus. Besonders schmerzlich war vergangenes Jahr ein Video mit Arnold Schwarzenegger, in dem er für eine australische Immobilien-Onlineplattform warb. Während er auf deren Homepage surft und ein neues Heim sucht, sagt er begeistert: "Es ist Zeit für mich, zurück nach Österreich zu gehen. Da gibt es so viele großartige Plätze." Als ihn im Spot sein Assistent darauf hinweist, dass es sich um Immobilien-Angebote in Australien handle, lacht Schwarzenegger und sagt: "Du hast so eine lustige Aussprache." Dass der Spot mit Volksmusik und Jodeln beginnt, trug ebenfalls nicht zur Belustigung der Australier bei.

Der "Advertiser" zählt weitere "blamable" Momente auf, in denen das "sonnenverbrannte Land mit der radikal kleineren Nation auf der anderen Seite des Globusses" verwechselt wird. Anlass für den Artikel war eine Meldung der Regierung des westafrikanischen Staates Burkina Faso, wonach ein österreichisches Paar von militanten Islamisten entführt worden sei - um sich wenige Stunden später zu korrigieren, dass es sich um Australier handelte.

Ein negativer Höhepunkt war der Vorfall beim G20-Gipfel in Seoul 2010, als südkoreanische Funktionäre eine Puppe, die die damalige australische Premierministerin Julia Gillard darstellte, in einem Dirndl-Kleid präsentierten. Und das, obwohl Österreich nicht einmal G20-Mitglied ist.

Auch Ex-US-Präsident George W. Bush eckte bei den Australiern an. Bei einem Geschäftsforum in Sydney 2007 dankte er dem damaligen australischen Premierminister John Howard, die österreichischen Truppen im Irak besucht zu haben. Bush befindet sich damit in guter Gesellschaft. Dem ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon passierte der Fauxpas anders herum, als er 2014 bei einer UNO-Konferenz in Wien der australischen Regierung für die Organisation der Veranstaltung dankte.

Die Verwechslung der beiden Länder reicht weit in die Geschichte zurück. Edwin Flack gilt als Australiens erster olympischer Medaillen-Gewinner. Der Mittelstreckenläufer gewann 1896 bei den Olympischen Spielen in Athen das 800- und 1500-Meter-Finale. Die Funktionäre hissten bei der Verleihung der Medaillen schon damals die österreichische Fahne. Derartige Unannehmlichkeiten waren für die Australier im Sport keine Seltenheit.

Als der australische Formel-1-Pilot Alan Jones seinen ersten Grand Prix 1977 ausgerechnet in Österreich gewann, brachte das die Organisatoren aus dem Konzept. "Sie haben es offensichtlich nicht erwartet, denn sie hatten keine australische Fahne" sagte Jones in einem Interview aus dieser Zeit. So habe ein Betrunkener "Happy Birthday" auf einer Trompete gespielt - von denen habe es in Österreich damals genug gegeben.

"God Save New Zealand"#

Noch bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften 1999 in Vail und Beaver Creek hatten die Organisatoren die australische Hymne nicht parat. Es gibt unterschiedliche Berichte, welche Hymne letztlich gespielt wurde. Manche Beobachter sagten, die österreichische, andere die amerikanische, manche sprachen sogar von der armenischen oder aserbaidschanischen. Nur eines ist sicher: Es war nicht die australische.

Dass den Australiern noch weniger als den Österreichern erspart bleibt, zeigte ein Eishockey-Match des australischen Nationalteams bei der Weltmeisterschaft 2013 in den Niederlanden gegen Belgien. Da wurde gleich "God Save New Zealand" gespielt.

Auch prominente Medien reihen sich in die Serie von Fettnäpfchen ein, wie CNN. Australien baue einen Zaun an der Grenze zu Slowenien, berichtete der 24-Stunden-Nachrichtenkanal vergangenes Jahr. Der Spott in Sozialen Medien ließ nicht lange auf sich warten. Der US-Journalist und Blogger Matthew Yglesias schrieb: "Das scheint etwas paranoid für einen tausende Meilen entfernten Inselstaat."

Auch andere Länder betroffen#

CNN passierten allerdings nicht nur beim Thema Österreich und Australien Fehler. Im Juni wurde bei der Berichterstattung auf einem Foto eine Dildo-Fahne mit einer IS-Fahne verwechselt, Umfragen zum schottischen Unabhängigkeitsreferendum sprachen von 52 Prozent Nein und 58 Prozent Ja - in Summe 110 Prozent - und letztlich wurde der IS-Terrorist Jihadi John identifiziert - im Foto war Wladimir Putin.

Nicht nur Österreich und Australien ereilt das Schicksal der ständigen Verwechslung durch andere. So kommt es in den USA immer wieder vor, dass Schweden mit der Schweiz verwechselt wird. Sie haben ähnliche Fahnen, wurden beide in den 90er Jahren unabhängig und beginnen mit den gleichen Buchstaben: die Slowakei und Slowenien. Staatsführer sowie Vertreter der Olympischen Spiele und der Vereinten Nationen verwechseln die beiden laufend. Nach dem Anschlag beim Boston-Marathon im April 2013 wurden in Sozialen Medien Stimmen laut, wonach ein tschechisches Brüderpaar die Attentäter waren. Der tschechische Botschafter sah sich zu einer Richtigstellung genötigt: Es handle sich um ein tschetschenisches Brüderpaar.

Wer in die US-Stadt Oakland im Bundesstaat Kalifornien reisen will, muss auf Flughäfen aufpassen. Sie wird gerne mit Auckland in Neuseeland verwechselt. Gleiches kann natürlich auch in die andere Richtung passieren. Der Flug zwischen den beiden Städten dauert fast 13 Stunden und kostet mehr als 1000 Euro.

Wiener Zeitung, Samstag, 17. Juni 2017