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Wenn die Götter zu Besuch kommen#

Das Gastmahl als gesellschaftspolitische Konstituente der frühen indogermanischen Gesellschaft#

Vortrag von Maga Margareta Divjak-Mirwald
9. Sept. 2018 im Rahmen von Kunst im Karner, Mödling

Die Referentin begann ihren Vortrag mit dem nebenstehenden Foto einer Ausgrabung im sogenannten Keltenland in Kärnten, in dem sich alle Elemente für ein Gastmahl des 7.Jh. vor Christus finden. Das Geschirr, der Sessel der/s Vorsitzenden, die Speisen in den Töpfen, der niedrige Tisch und die an der Wand lehnenden Räder eines Wagens sind das typische Inventar eines Grabes der Kurgan-Kultur,

Grabstätte von außen
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Grabstätte von außen 120; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0
Wagenräder als Grabbeigabe
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Wagenräder als Grabbeigabe 120; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0
Grabstätte
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Grabstätte 120; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0

wie sie in großen Teilen Eurasiens (Westeuropa bis zum Jenissej) im ersten vorchristlichen Jahrtausend verbreitet war. Im linken hinteren Teil der Kammer befinden sich zwei Schatullen (Holzkästchen), in denen die Knochen der Begrabenen (nach der Kremation) aufbewahrt wurden. Auch dieser Brauch war ‚weltweit‘ verbreitet und lässt vermuten, dass an ein Weiterleben nach dem irdischen Tod geglaubt wurde. Aufgrund der beträchtlichen Anzahl von Spinnwirteln in diesem Grab kann man annehmen, dass es sich um die Grabstätte einer sehr hoch gestellten weiblichen Persönlichkeit handelt.

Wagen
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Wagen; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0
Grabbeigaben
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Aschenurne der Verblichenen 120; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0
Grabstätte
Foto: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Grabbeigaben 120; 7. Jh. v. Chr., unter CC BY-SA 3.0

Inwiefern die Kultur der Indogermanen oder Indoeuropäer eine Fortsetzung der Andronovo Kultur bzw. der BMAC (Bactria–Margiana-Asia Complex) darstellt, lässt sich noch nicht genau eruieren. Über die Ursprünge dieser Kultur, ihrer ursprünglichen Heimat und damit ihres Lebensraumes wissen wir wenig, doch kann man aufgrund des Erbwortschatzes die gemeinsamen Lebensgrundlagen dieser indogermanischen Stämme mit einiger Treffsicherheit deutlich nachweisen. Als Beispiel dient der Begriff für Vieh, der in vielen indogermanischen Sprachen gleichzeitig auch für Vermögen steht.

Der Ursprung der Migrationsbewegung zwischen 4000 und 2000 v.Chr. wird zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer angenommen. Die Erfindung und systematische Verwendung des Rades und hier im Besonderen des Speichenrades (ab 2000 v. Chr. nachweisbar) war unabdingbar für die rasche Ausbreitung über den eurasischen Kontinent. Gemein ist dieser Kultur – insbesonders der indorianischen Stämme -, dass sakrale Texte (Gebete zu den Göttern, Mythologien, Erklärung der Kosmogonie etc.) über Jahrtausende ausschließlich mündlich weiter gegeben wurden. Denn nur durch die ausschließlich mündliche Weitergabe konnte – nach Auffassung der vedischen Arier - das göttliche Wissen nicht in falsche Hände gelangen, sodass uns heute noch ein fast direkter Zugang zu einer Stufe des gemeinsamen Indogermanischen (aus der späten Bronzezeit) zugänglich ist! Der Rigveda – das Wissen in Versen – gehört somit nach heutigem Wissensstand zu den ältesten Sprachdenkmälern der Welt.

Die Vedischen Stämme, die in das Industal in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend eingewandert waren, hatten das Opfermahl zu Ehren eines Gottes als zentrales Element ihres Glaubens. Dabei spielt der Soma, ein Rauschgetränk, eine wichtige Rolle für die Priester und Hausgemeinschaft. Nach der Textvorlage des Hymnus I 26 wurde das Opfer offenbar häufig für jemand anderen bzw. für die Gemeinschaft dargebracht. Der Bewacher des Gastrechts war neben den alten indoiranischen Göttern Varuṇa und Mitra auch Gott Aryaman, der auf die Einhaltung des Gastrechts den Fremden gegenüber – den Aris – achtet, diese beschützt und sich u.a. um die Einhaltung des Ehevertrages kümmert.

Bahnbrechend für die Forschungen zu dem Begriff Arier war die Publikation von Paul Thieme in seinem Werk Der Fremdling im Rigveda (in Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, Bd 23,2, Leipzig 1938). Die Schlüsse, die in Deutschland damals gezogen wurden, schienen jedoch nicht im Sinne des Autors gewesen zu sein, der, nachdem er aus dem Russland Feldzug heil zurückgekommen war, zuerst in Halle lehrte, später jedoch Ostdeutschland verließ und verschiedene Professuren (u.a. an der Yale University in USA sowie in Indien selbst!) angeboten bekam.

Ritschert von damals
Nach einem Foto von: M. Divjak-Mirwald, Frög in Kärnten, Keltenland, Ritschert von damals; 7. Jh. v. Chr.
Das Gastmahl in dieser Gesellschaft war eine gegenseitige Anerkennung zwischen Gott und Mensch und gleichzeitig zwischen den Mitmenschen.

Es war geprägt durch die Kommensalität – die Tischgemeinschaft. Es war ein Opfermahl, das aber nicht in oder vor einem Tempel stattfand, da die Viehzüchtergemeinschaft der frühen vedischen Gesellschaft einen solchen nicht kannte, sondern der gemeinsame Raum ihres Opfers war das seit Jahrhunderten unverfälschte Gebet und die Gemeinschaft um das Feuer – im verschiedener Hinsicht die Gemeinschaft um und durch Agni (vgl. lat. ignis – das Feuer). Ihr Tempel war die Sprache und der aufsteigende Rauch stellte die Verbindung zu den Göttern her.

Ähnliche Ansätze lassen sich auch bei den Griechen und Römern erkennen: Die Theoxenia bzw. das Lectisternium/Sellisternium lassen dieselben Wurzeln erkennen und waren elitäre Gast/Opfermähler. Das Gastrecht der indogermanischen Gesellschaft wird z.B. auch bei Cicero zitiert, und gilt als möglicher Begegnungsort mit der Gottheit. Zum Schluss entlässt Margareta Divjak-Mirwald die Zuhörer mit der bekannten Geschichte von Philemon und Baucis (Ovid, met. VIII, 599-709), die das vorbildlich ausgeübte Gastrecht unsterblich gemacht hat.

Überzeugend wurden die Zusammenhänge in sprachlicher und kultureller Beziehung zwischen den zeitlich und räumlich weit auseinanderliegenden Kulturen dargestellt und viele Querverbindungen aufgezeigt.

Die Parallelen zur christlichen Eucharistiefeier wurden zwar nicht ausgesprochen, liegen aber auf der Hand.