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Wie in der Kirche miteinander umgehen?#

Anmerkungen zu den Beiträgen in den Nummern 343 und 344 der Gedanken zu Glaube und Zeit#


Von

Heribert Franz Köck

Aus: Gedanken zu Glaube und Zeit Nr. 345/2020


In der Nr. 343 der <Gedanken> hat Alfred Gassner unter dem Titel „Himmel, Herrgott, Sakrament“ Kritik an der jüngsten Direktive der römischen Glaubenskongregation zur Gemeindereform in der kath. Kirche im speziellen und am dahinter stehenden Ungeist der Amtskirche im allgemeinen geübt, die – wie schon der Titel seines Beitrags vermuten lässt – ziemlich deftig ausgefallen ist.

In der Nr. 344 der <Gedanken> hat Ferdinand Steiner unter dem Titel „Konflikte in christlicher Haltung überwinden“ dazu eine Replik geschrieben, in der er eine neue Streitkultur in der Katholischen Kirche anmahnt. Damit erhebt sich die Frage, ob man beiden Beiträgen – jenem von Alfred Gassner und jenem von Ferdinand Steiner – gerecht werden kann.

Es ist ja davon auszugehen, dass beide Autoren um das Wohl der Kirche besorgt und bemüht sind. Ihre kurz- bzw. mittelfristige Prognose zur Reformfähigkeit der Katholischen Kirche scheint aber etwas unterschiedlich zu sein. Während es Gassner um ein möglichst baldiges Umdenken der Amtskirche geht, weil er dies als eine wichtige Voraussetzung für eine Kirchenreform ansieht und es daher immer wieder anmahnt und die Hoffnung auf eine baldige Kirchenreform also noch nicht aufgegeben hat, billigt Steiner derselben derzeit offenbar keinen Chance zu. Er begründet dies mit den Machtverhältnissen in der Kirche, wobei er offensichtlich meint, dass die Amtskirche am längeren Ast sitzt und daher die Oberhand behalten werde.

Damit bringt er nur das zum Ausdruck, was einmal ein österreichischer (Titular-) Erzbischof auf ein Anschreiben der Reformbewegung „Laieninitiative“ geantwortet hat. Die Kirche (d.h. aber: die Amtskirche) sei wie eine Betonwand; wenn die Kirchenreformer dagegen anrennten, könne man dies mit einem Auto vergleichen, das ungebremst gegen diese Wand fährt: Das Auto zerschellt, aber die Betonwand hat kaum einen Kratzer.

Noch deftiger hat es einmal ein konservativer Prälat in Rom ausgedrückt: Die Aktivitäten der Reformer in der Kirche hätten keinen größere Bedeutung, als ein Fliegenschiss auf einem Kirchenfenster. Steiner spricht sich daher dafür aus, das Freund-Feind-Denken in der Kirche aufzugeben, zumindest verbal abzurüsten und die jeweils andere Meinung zu tolerieren.

Das ist ein Vorschlag, der unsere volle Unterstützung verdient. Die Reformer sind – wenn es sich nicht um eine Gruppe von Fanatikern handelt – gerne bereit, den Traditionalisten alles zuzugestehen, was diese wollen, also z.B. zölibatär zu leben, die Messe auf Lateinisch und nach den Vorschriften des Tridentinums zu feiern, keine Frauen oder Mädchen an ihre Altäre zu lassen, Laien kein Mitgestaltungsrecht einzuräumen und ihnen das Predigen nicht zu gestatten, sowie ihre Kommunitäten und Gemeinden streng hierarchisch auszugestalten. Sie können täglich den Rosenkranz beten, ihr Fleisch nach den Regeln des spanische Priesters und Gründers des Opus Dei, Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, abtöten und „draußen in der Welt“ die traditionelle priesterlich Kleidung, Soutane genannt, tragen, ja überhaupt alles tun können, von dem sie meinen, dass es sie Gott näher bringt, bzw. lassen können, von dem sie meinen, dass es sie von ihm entfernt. Es gibt nichts, was ihnen die Reformer verwehren wollen.

Da aber zu einem respektvollen Gespräch immer (zumindest) zwei gehören, müssten auch die Traditionalisten in der Amtskirche abrüsten. Sie müssten daher ihrerseits bereit sein, den Reformern alles zuzugestehen, was diese wollen, also z.B. nicht zölibatär leben zu müssen, die Messe in der Landessprache und in einer Art und Weise zu feiern, die allen Beteiligten, ob Priestern, Diakonen und Laien, das aktive Mitfeiern gestattet, Frauen und Mädchen an ihre Altäre zu lassen, Laien ein Mitgestaltungsrecht einzuräumen und ihnen auch das Predigen zu gestatten, sowie ihre Kommunitäten und Gemeinde demokratisch auszugestalten. Auch sollen sie beten dürfen, was sie als den besten Zugang zu Gott halten, das Opus Dei nicht nachahmen müssen und in der Welt so herumlaufen dürfen, wie sie das für die Seelsorge am besten ansehen, ja überhaupt alles tun können, von dem sie meinen, dass es sie Gott näher bringt, bzw. lassen können, von dem sie meinen, dass es sie von ihm entfernt.

Leider ist bisher ein solcher modus vivendi zwischen den Traditionalisten und den Reformern noch nicht zustande gekommen. Wahrscheinlich müsste er von „oben“ dekretiert werden. Aber ich bin ganz sicher, dass Papst Franziskus ebenso wie jeder zukünftige Papst von den Traditionalisten als Zerstörer der Kirche bekämpft würde, der so etwas auch nur zuließe. Diese führen sich ja schon bei allen winzigen Reformschritte, die Franziskus nicht einmal selbst setzt, aber Andere andenken lässt, so auf, als sei er – Franziskus – der leibhaftige Gottseibeiuns.

Wir sollten uns gemeinsam mit Ferdinand Steiner daran machen, den von ihm zurecht geforderten Zustand liebevoller Koexistenz zwischen den Traditionalisten und der von ihnen beherrschten Amtskirche einerseits und den „kritischen Katholiken“ anderseits Realität werden zu lassen. Damit könnten wir die Türe zu einer brüderlichen Kirche aufstoßen.