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Akademie-Budget steigt, Verwertung von Forschung im Fokus#

Österreichische Akademie der Wissenschaften bekommt mehr Geld und will Forschung ins Zentrum des gesellschaftlichen Bewusstseins rücken.#


Mit freundlicher Genehmigung der Wiener Zeitung, Dienstag, 28. November 2017


ÖAW-Chef Zeilinger
Wissen, wie man mit Ideen umgeht: ÖAW-Chef Zeilinger.
Foto: © apa/Hochmuth

Wien. (est/apa) Wissenschaft soll ein für alle mal raus aus dem Elfenbeinturm und eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen: So stellt sich Anton Zeilinger, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften(ÖAW), die Zukunft der altehrwürdigen Institution vor. Rund um das Hauptgebäude und das alte Universitätsviertel in der Wiener Innenstadt soll unter dem Namen "Campus Akademie" ein Wissenschaftszentrum entstehen, das mit Vorträgen für alle, Experten wie Laien, attraktiv werden soll, erläuterte Zeilinger bei der Unterzeichnung der neuen Leistungsvereinbarung für die ÖAW mit dem Wissenschafsministerium am Dienstag in Wien.

Für die Periode von 2018 bis 2020 steigt das ÖAW-Budget um 30 Millionen Euro oder um plus acht Prozent auf 363 Millionen Euro. Wissenschaftsminister Harald Mahrer sprach vor Journalisten von einer "substanziellen Budgeterhöhung". Man habe sich "ganz im Sinne einer Stärkung des Grundlagenforschungs-Standorts Österreich" geeinigt. Zusätzlich zu dieser Anhebung erhält die ÖAW, wie bereits im September angekündigt worden war, weitere 30 Millionen Euro für die Sanierung ihres Hauptgebäudes und des alten Universitätsviertels.

Parallel zu laufenden Forschungsprojekten will die ÖAW sich darum bemühen, Innovationen anzustoßen. Zusammen mit der Johannes-Kepler-Universität Linz ist eine Kooperation zum Thema Künstliche Intelligenz geplant. Angesichts der Bedeutung dieses Themas in der Industrie sei es wichtig, Leute zu fördern und in der Wirtschaft zu haben, die wissen, wie man mit neuen Ideen umgeht, sagte Zeilinger.

Fortgesetzt werden soll ein 2015 geschaffener Innovationsfonds zur Förderung von außergewöhnlich ideenreichen Forschungsvorhaben. Wenn die neue Bundesregierung zustimmt, sollen weitere zehn Millionen Euro für "diesen hochkompetitiven Innovationstopf" zur Verfügung stehen, sagte Mahrer. "Wichtig ist die Tragfähigkeit und die Verwertung von wissenschaftlichen Ergebnissen. Das wird auch ein Thema bei den Leistungsvereinbarungen für die Universitäten Anfang 2018 sein und eines, das meinen Nachfolgern wichtig ist", stellte Mahrer in Aussicht.

Als Schwerpunkt der kommenden drei Jahre nannten Zeilinger und Mahrer zudem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. In Summe werden 24 Millionen Euro für Stipendien aufgewendet. Derzeit liege die Bewilligungsquote für die ÖAW-Stipendien bei 30 Prozent, was genau richtig sei, sagte Zeilinger. Durch das Globalbudget könne man aber bei genügend hervorragenden Anträgen flexibel sein.

Unter dem Schlagwort "Third Mission" will die Akademie gesellschaftlich relevante Aktivitäten verstärken. So soll langfristig ein "Wissenschaftskolleg" aufgebaut werden, das Topwissenschafter und die Gesellschaft zusammenbringt. Bei einem "Tag der jungen Forschung" will die ÖAW bei Oberstufenschülern die Faszination für Wissenschaft wecken. "Wir müssen die jungen Leute vor dem Zeitpunkt abholen, an dem Wissenschaft nicht mehr cool ist - also bevor sie Teenager sind", sagte Zeilinger.

Gab es vor einigen Jahren noch Überlegungen, die Struktur von Spitzenforschungseinrichtungen der ÖAW wie dem Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) oder dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) zu verändern, sieht Zeilinger nun "keine Notwendigkeit" dafür, weil es "gut funktioniert". Allerdings werde sehr wohl daran gearbeitet, administrative Prozesse künftig zu verbessern.

Wiener Zeitung, Dienstag, 28. November 2017