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Am Grabe Anzengrubers#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung, 27. Oktober 2018

Von

Susanne Breuss


Grab von Ludwig Anzengruber
Grab von Ludwig Anzengruber, Schriftsteller 1839-1889, © Ewald Judt, unter CC BY 4.0

Dieses Foto zeigt das auf dem Wiener Zentralfriedhof befindliche Ehrengrab des Schriftstellers Ludwig Anzengruber (1839–1889). Mit erst 50 Jahren war der Dramatiker Ende 1889 an Milzbrand erkrankt und zwei Wochen später an einer Blutvergiftung gestorben.

Bestattet wurde er auf dem wohl bekanntesten und jedenfalls größten Wiener Friedhof, der im Lauf der Zeit zu „einem der größten Leichenfelder der Welt“ herangewachsen war, wie in einer Darstellung Wiens im frühen 20. Jahrhundert stolz angemerkt wurde. 1910 hatten dort bereits 800.000 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden.

Eröffnet wurde der Zentralfriedhof 1874. Der Gemeinderats- Beschluss zu seiner Gründung geht ins Jahr 1863 zurück. Konzipiert war er als interkonfessioneller Friedhof – das war mit ein Grund, wieso er zunächst unter anderem von der katholischen Kirche stark kritisiert wurde und in der Bevölkerung nicht besonders beliebt war. Neben dem nichtkonfessionellen Teil der Anlage wurden dann allerdings auch verschiedene konfessionelle Abteilungen eingerichtet. Zudem erfuhr sie zahlreiche Erweiterungen. Notwendig geworden waren sie wegen der um 1900 rasant wachsenden Wiener Bevölkerung.

Gräbermangel hatte in Wien allerdings schon vor der Errichtung des Zentralfriedhofs gedroht. Die vorhandenen Friedhöfe waren Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur zu klein geworden, sie wurden auch zunehmend von den menschlichen Siedlungen erreicht und teilweise schon von diesen umgeben. Die Errichtung einer von der Kapazität her adäquaten Friedhofsanlage war daher notwendig geworden. Die Wahl für den neu zu errichtenden Zentralfriedhof fiel auf ein am südöstlichen Stadtrand liegendes Areal in Simmering, das damals noch nicht zum Stadtgebiet zählte, mit der Eingemeindung 1892 aber Teil des XI. Gemeindebezirks wurde.

Heute zählt der Zentralfriedhof zu Wiens bekanntesten Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten. Letzteres unter anderem wegen der zahlreichen Ehrengräber bekannter Persönlichkeiten, aber auch wegen der Jugendstilarchitektur.

Susanne Breuss, geboren 1963, ist Kulturwissenschafterin und Kuratorin im Wien.

Wiener Zeitung, 27. Oktober 2018