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Wa?idmannssprache - Unterschiede im deutschen Sprachraum#


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Dr. Harald W. Vetter (Juni 2020)


Schon lange hatte ich einmal vorgehabt, die Frage der „korrekten“ Schreibweise gewisser jagdlicher Ausdrücke zu behandeln und ganz einfach darüber nachzudenken, so wie mir sozusagen eben der Schnabel gewachsen ist. Gegen die korrekte germanistische Herleitung und Schreibweise von „Weidmannsheil“, „Weidwerk“ und „Weidmann/frau“ beispielsweise ist im Grunde genommen natürlich gar nichts einzuwenden, es sei denn, wenn wir die Sache auch insbesondere historisch, lautmalerisch und vor allem ein wenig phänomenologisch betrachten wollten.

In vielen Jäger-Praktika und Fachzeitschriften aus der Neuzeit über Barock bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wird die Jagdausübung „Waidwerk“ genannt, auch der altehrwürdige Gruß wurde genauso geschrieben. In Kaiser Maximilians I. „Geheimen Jagdbuch“ wird stets von der „Waidmanschafft“ gesprochen, ja sogar Ferdinand von Raesfeld schrieb das Wort noch in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in seinen Romanen und Fachbüchern immer nur mit einem ai. Der bedeutende Jagdhistoriker Hans-Dieter Willkomm bemerkt schließlich dazu: „Die Schreibweise von Weid- schwankt über die Jahrhunderte: ey – ei und besonders im oberdeutschen Sprachraum ay –ai. Nach 1785 galt in der Schriftsprache hauptsächlich ei (der junge Schiller schrieb noch „waidet“), doch hat sich die oberdeutsche Sprachweise mit ai bis heute erhalten.“

Bemerkenswerterweise ist dies trotz mancherlei Sprachreformen seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart so geblieben. Der deutsche Poet und Orientalist Friedrich Rückert (1788 – 1866) schrieb ein Gedicht „Der fromme Waidmann“ und der Breslauer Jagdschriftsteller Oskar von Riesenthal ( 1830 – 1898), Verfasser des Standardwerks „Das Waidwerk“ schrieb ein unter Jägern recht beliebtes Gedicht „Waidmannsheil“: „Das ist des Jägers Ehrenschild,/ Daß er beschützt und hegt sein Wild,/ Waidmännisch jagd, wie sich’s gehört, /Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.“ (1. Strophe). Trotz aller etymologischen Überlegungen kommt mir jedenfalls bereits rein lautmalerisch das „Waidwerken“ besser in meinen Lauschern an. Auch erscheint das ai ursprünglich und geradezu phänomenologisch dem altehrwürdigen Ausdruck auswaiden angenähert zu sein. Das Beutemachen endet schlussendlich immer mit der roten Arbeit und unsere Altvorderen haben solches stets gleichsam auf den Punkt gebracht. Auch das heute oft gebräuchliche Wort von der „Fischwaid“ meint doch nicht, dass z. B. Karpfen auf der Weide anzutreffen wären.

Nun sei es wie immer, auch „Pirsch“ oder „Birsch“ scheinen hierzulande stets eine Art redaktionelle Herausforderung zu sein, obwohl letztere Schreibweise der Jagdart eher angemessen ist, behagt mir jedoch erstere phonetisch einfach besser. Und nur darum geht es. Der Autor spricht sehr richtig von einer „Ansichtssache“ unter Wahrung jagdlicher Tradition. Und gerade darum votiere ich eher gegen jegliche sprachliche Vereinheitlichung. Die Vielfalt waidmännischer Traditionen, von denen die Sprache eben ein ganz wesentliche ist, sollte nicht aussterben! Digitalisierung, Globalisierung und entsprechende Gleichmacherei stehen meiner Ansicht nach gerade uns nicht besonders gut an. Daher nur Mut zum Variantenreichtum, so wie es uns die Natur letztendlich auch immer vorzeigt! Bemühen wir uns daher weiterhin um unsere je eigene Ausdrucks- bzw. Schreibweisen. Jagdsprachliche Vielfalt ist, wie ich meine, durchaus kein Manko, sondern eher Stärke.