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Pille statt Spritze gegen Covid-19#

Weltweit arbeiten Forscher an der Entwicklung einer Schluckimpfung gegen das Coronavirus.#


Von der Wiener Zeitung (19. Mai 2021) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Alexandra Grass


In Form einer Tablette ergeben sich einige Vorteile.
In Form einer Tablette ergeben sich einige Vorteile.
Foto: https://pixabay.com

Geht es nach einigen Forschergruppen, könnte die Covid-19-Vakzine in Zukunft auch als Schluckimpfung verabreicht werden. Zuletzt hatte ein israelisches Pharmaunternehmen über seinen revolutionären Ansatz berichtet. Auch Wissenschafter der Universität Würzburg arbeiten an einer oralen Verabreichung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass ebenso der US-Pharmakonzern Pfizer die Tablettenform im Visier hat. Die Pille statt der Spritze scheint nicht mehr in allzu weiter Ferne zu sein. Der Schluckimpfstoff würde es ermöglichen, viel schneller und einfacher zu impfen. Die Immunisierung der Weltbevölkerung könnte damit deutlich beschleunigt werden.

Die israelische Pharmafirma Oramed war bisher für ihre Forschungen zu einer Insulinpille gegen Diabetes bekannt. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, dem Körper Stoffe oral zuzuführen, die sonst per Spritze verabreicht werden, berichtete zuletzt die "Jüdische Allgemeine". Das indische Unternehmen Premas Biotech liefert dazu die Vakzine, die schon in Kürze zugelassen werden soll. Dabei handelt es sich um einen Dreifach-Antigen-Impfstoff, der auch gegen neu auftretenden Coronavirus-Mutationen schützen soll. Dieser richtet sich gleich gegen drei Strukturproteine von Sars-CoV-2. Er greift nicht nur das Spikeprotein an, das wie eine Krone an der Oberfläche des Virus sitzt, und sei daher auch viel resistenter gegen Varianten, sagte Nadav Kidron, Geschäftsführer von Oramed, gegenüber der "Jerusalem Post".

Virus am Eindringen hindern#

Die wissenschaftliche Leiterin von Oramed, Miriam Kidron, hofft, noch im zweiten Quartal mit klinischen Studien starten zu können. Bisher wurde das Präparat an Schweinen getestet. Nach Verabreichung des Mittels hatten die Tiere die gewünschten Antikörper produziert, darunter die Immunglobuline G und A.

Auch in Würzburg wird auf Hochdruck geforscht. "Wir verwenden einen Ansatz, der schon seit vielen Jahren millionenfach als Schutz vor Typhus-Infektionen im Einsatz ist", erklärte der Mikrobiologe Thomas Rudel von der Julius-Maximilians-Universität in einer Aussendung. Der orale Typhus-Impfstoff basiert auf einem speziellen Bakterienstamm, Salmonella Typhi Ty21a.

Rudel und sein Team arbeiten für den Covid-19-Impfstoff mit dem gleichen Bakterienstamm, jedoch mit einer bedeutenden Veränderung: "Wir haben die Bakterien so programmiert, dass sie Sars-CoV-2-Antigene produzieren." In einer Kapsel, vor dem Angriff der Magensäure geschützt, sollen die Bakterien nach der Wanderung durch den Magen im Dünndarm des Menschen ihre Wirkung entfalten. Der wissenschaftliche Ansatz geht davon aus, dass dort die Bakterien die Antigene dem Immunsystem präsentieren können. "Spezielle Zellen in der Darmwand sollen dafür sorgen, dass Bakterien und die Antigene von Immunzellen aufgenommen und in lymphoides Gewebe weitertransportiert werden", erklärt Rudel. Dort könne sie andere Zellen des Immunsystems - die B- oder T-Zellen - aktivieren und eine Immunantwort in Gang setzen. Im Erfolgsfall soll diese Immunantwort so stark sein, dass alle Schleimhäute des Menschen in Alarmbereitschaft versetzt werden und in Folge Coronaviren schon vor Ort - nämlich direkt im Nasen-Rachen-Bereich - am Eindringen in den Körper gehindert werden.

Tablette bringt einige Vorteile#

Die Vakzine soll gleich zwei Antigene produzieren, um auch Mutationen abfangen zu können. Das zweite Antigen basiere auf einem Gen, von dem sich gezeigt hat, dass es nur selten mutiert und damit als Sicherheitsanker dient. Die präklinische Entwicklung des Wirkstoffes, die den Weg zu ersten klinischen Studien am Menschen ebnen soll, habe bereits begonnen, heißt es seitens der Universität Würzburg.

Am Wochenende hatte der US-Gesundheitsexperte und Präsidentenberater Anthony Fauci in einem Interview mit dem vom italienischen Fernsehsender RAI gesendeten Programm "Che tempo che fa" berichtet, dass das US-Pharmaunternehmen Pfizer an einer Corona-Vakzine in Form von Tabletten arbeitet. "Der Anti-Covid-Impfstoff in Tablettenform ist noch nicht Realität, wir arbeiten aber gemeinsam mit Pfizer daran", erklärte Fauci.

Die Impfung in Form einer Pille bringt einige Vorteile mit sich. So ist sie günstig herzustellen, einfach zu verabreichen und recht stabil auch bei Raumtemperaturen. Das bietet in weiterer Folge auch die Möglichkeit, ihn in Ländern einzusetzen, in denen es schwierig ist, eine Kühlkette mit Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius ohne Unterbrechung sicherzustellen, wie sie bei aktuell verabreichten Vakzinen der Fall ist. Eine Covid-19-Schluckimpfung könnte zudem "die Menschen dazu befähigen, sie bei sich zu Hause einzunehmen", betont Nadav Kidron.

Wiener Zeitung, 19. Mai 2021