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Notiz 006: Elektrokatze#

(Traditionen verschieben sich laufend)#

von Martin Krusche

Die Verzahnung von Industriegeschichte und Popkultur gehört zu jenen Phänomenen, die einen gut überschaubaren Vorlauf hatten, bis ich zur Welt kam. Das hat eine Reihe von Ereignislinien, welche innerhalb meiner Lebensspanne sehr typisch und neu sind.

Ein gewöhnungsbedürftiges Fahrzeug: der vollelektrische Jaguar. (Foto: Martin Krusche)
Ein gewöhnungsbedürftiges Fahrzeug: der vollelektrische Jaguar. (Foto: Martin Krusche)

Mythos Puch hat einen historischen Fokus. Das ist klar. Aber unsere Arbeit bezieht sich auf die gesamte Mobilitätsgeschichte. Dabei zeigen sich in der Steiermark immer wieder kuriose Schnittpunkte, an denen die Weltgeschichte unsere Regionalgeschichte berührt; oder uns wenigstens Geschehnisse von europäischer Dimension erreichen.

In der Industrie ist das alles übrigens schon lange nicht mehr national eingrenzbar. Also geht es darum, sehr konkrete Geschichten zu erzählen, die möglichst auch konkrete Orte haben.

In Europa wählt eine kontrastreiche Jury laufend das Auto des Jahres (Car of the Year); siehe: (Link) Für 2019 wurde das der Jaguar I-Pace, gefolgt vom Alpine A110. Beide konnte ich in Gleisdorf schon in freier Wildbahn erwischen, obwohl das sehr rare Beute ist. Der Jag setzte sich weiter gegen den Citroen C5 Aircross, Ford Focus, Kia Ceed, Mercedes-Benz A Klasse und Peugeot 508 durch.

Der F-Pace wurde zum ersten Jaguar-SUV. (Foto: Martin Krusche)
Der F-Pace wurde zum ersten Jaguar-SUV. (Foto: Martin Krusche)

Als Jaguar 2016 einen SUV rausschob, den Jaguar F-Pace, haben Puristen die Stirn in Falten gelegt. Dem folgte 2017 der etwas kompaktere E-Pace, den Magna Steyr in Graz baut. Da diese Hütte 2018 zur Basis eines Vollelektrikers (Jaguar I-Pace) wurde, haben viele darüber gemeckert, aber die Fahrberichte waren in der Mehrheit eher hymnisch.

Wer nun mault, was das Teil kostet, möge sich daran erinnern, daß die Volksmotorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa der Sonderfall des Automobilismus ist. Davor waren die Fahrzeuge im Privatbesitz nur für sehr wohlhabende Leuten erschwinglich und haltbar. Es geht wohl auch wieder stark in diese Richtung. (Das macht ja die Puch-Story so interessant.)

Ergo ist der I-Pace nicht für Leute in meinem Einkommensbereich gemacht, was ja auch ganz erheblich auf die neue G-Klasse zutrifft. Wer sich dennoch so ein Fahrzeug beschafft, ohne das budgetär halbwegs entspannt zu schaffen, verrenkt sich für ein soziales Statement oder ist ein Maniac. Beides bemerkenswerte soziokulturelle Positionen.

Klassisches Sportgerät: die Alpine A110 Berlinette. (Foto: Martin Krusche)
Klassisches Sportgerät: die Alpine A110 Berlinette. (Foto: Martin Krusche)
Komfortabel: die aktuelle Alpine A110. (Foto: Martin Krusche)
Komfortabel: die aktuelle Alpine A110. (Foto: Martin Krusche)

Der Renault Alpine wäre für die Maniac-Pose gut geeignet, denn das Neufahrzeug zitiert unverkennbar die Form der Alpine A110 Berlinette aus den 1960er Jahren, ein reines Sportgerät. Man sollte also Fan sein, womöglich wenigstens in meinem Alter sein, um diese Wurzeln zu kennen.

Bis zur Digitalen Revolution ist dieser Industriezweig, die Automobilbranche, prägend und dominant gewesen. Das Auto wurde über die Jahrzehnte zum Generalfetisch unserer Gesellschaft. Daran haben wir bis heute zu beißen. So viele Versprechungen und symbolischen Funktionen, die über den persönlichen Transport fundamental hinausgehen. Ein großes, vielfältig verzweigtes Thema…