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Der Mensch - doch nicht alleine?#

Astrobiologen schätzen, dass es in der Milchstraße 36 weitere intelligente Zivilisationen gibt.#


Von der Wiener Zeitung (15. Juni 2020) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Alexandra Grass


Galaxie
Galaxie
Foto: pixabay.com

Ob es irgendwo in den Weiten des Weltalls noch andere intelligente Lebensformen gibt, ist wohl eine der größten und am längsten bestehenden Fragen in der Geschichte menschlichen Denkens. Schon alleine die Idee, dass außerirdisches Leben existieren könnte, motiviert ganze Generationen an Forschern. Weltraumforscher rastern mit den technischen Möglichkeiten, wie wir sie heute kennen, regelrecht das Universum, um Hinweisen auf die Spur zu kommen. So wird nach Himmelskörpern Ausschau gehalten, die der Erde ähneln könnten. Rund 4000 Exoplaneten wurden bereits entdeckt - eine zweite Erde war bisher allerdings noch nicht dabei.

Ein britisches Forscherteam aus Astrobiologen zieht es erst gar nicht so weit. Schon alleine in unserer eigenen Galaxie - der Milchstraße - könnte es ihren Schätzungen zufolge 36 "aktive kommunizierende intelligente Zivilisationen" geben, berichten sie im "Astrophysical Journal".

Astrobiologen gehen von der Existenz außerirdischen Lebens aus. Wären wir die einzigen Lebensformen im Universum, würde das das Kopernikanische Weltbild massiv zum Wanken bringen. Denn das kopernikanische Prinzip setzt voraus, dass der Mensch nicht im Mittelpunkt der Welt steht. Seit der Renaissance ist dies eine grundlegend wichtige Regel in der Wissenschaft.

17.000 Lichtjahre entfernt#

"Wenn man davon ausgeht, dass es fünf Milliarden Jahre dauert, bis sich intelligentes Leben auf anderen Planeten bildet, sollte es in unserer Galaxis mindestens ein paar Dutzend aktive Zivilisationen geben", erklärt der Astrophysiker Christopher Conselice von der University of Nottingham im "Astrophysical Journal". Die Idee ist, die Evolution in kosmischem Maßstab zu betrachten. Grundlage für die Berechnung sind die beiden sogenannten astrobiologischen kopernikanischen Grenzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich intelligentes Leben entweder in weniger als fünf Milliarden Jahren oder erst nach dieser Zeit bildet. Ähnlich wie auf der Erde, wo nach rund 4,5 Milliarden Jahren eine kommunizierende Zivilisation entstanden ist.

Damit Leben überhaupt entstehen kann, sind vier Grundbedingungen unverzichtbar: Ein helles Zentralgestirn, schwere Elemente, aus denen sich ein Planet bilden kann, ein Alter des Systems von rund vier Milliarden Jahren sowie vor allem eine friedliche stellare Nachbarschaft ohne Supernovae. Denn deren Strahlung könnte alles Leben wieder zerstören.

Doch aktuell sprechen die Forscher nicht nur von Leben an sich, sondern gar von intelligentem Leben - jenem des Menschen vergleichbar. Die durchschnittliche Entfernung zu diesen Zivilisationen wäre allerdings rund 17.000 Lichtjahre. Mit unserer gegenwärtigen Technologie wäre weder eine Erkennung noch eine Kommunikation möglich, schreiben die Forscher.

Zukunft und Schicksal#

Ein Aufspüren einer solchen Existenz könnte auch Auskunft darüber geben, wie lange eine Zivilisation überhaupt Bestand haben kann, betont Conselice. "Stellen wir fest, dass intelligentes Leben üblich ist, würde uns das zeigen, dass unsere Zivilisation viel länger als ein paar hundert Jahre existieren könnte. Stellen wir hingegen fest, dass es in unserer Galaxie keine aktiven anderen Populationen gibt, ist dies ein schlechtes Zeichen für unsere eigene langfristige Existenz", betont der Forscher. "Wenn wir nichts finden, entdecken wir damit unsere eigene Zukunft und unser eigenes Schicksal". Die Suche nach Leben im All bleibt damit aus vielerlei Hinsicht ein spannendes Unterfangen. Schlagworte

Wiener Zeitung, 15. Juni 2020