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Mehr Meteoriteneinschläge#

Seit 290 Millionen Jahren schlagen mehr Meteoriten und Asteroiden ein als davor.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung, 18. Jänner 2019


Barringer Meteoriten-Krater in Arizona
Nicht immer sind Meteoritenkrater auf der Erde so gut erkennbar wie dieser im US-Staat Arizona..
Foto: Daniel Schwen. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 4.0

Wien. (est/apa) Sie sind draußen im All. Und sie könnten der Erde gefährlich werden. Entdeckt wurden bisher etwa eine halbe Million Asteroiden - viele klein, manche aber mit einem Durchmesser von einigen tausend Kilometern. Schlügen sie in der Erde ein, wäre das zerstörerisch. US-Wissenschafter berichten nun, dass Asteroiden- und Meteoriteneinschläge weitaus öfter vorkommen als angenommen, und zwar seit 290 Millionen Jahren. In dieser Zeit hat sich die Häufigkeit solcher Einschläge gegenüber der Zeit davor fast verdreifacht. Das zeigen Analysen von Einschlagskratern auf dem Mond, über die das Forschungsteam im Fachjournal "Science" berichtet.

Erde und Mond werden gleich häufig von kosmischen Brocken getroffen. Auf der Erde weiß man allerdings selten, wo man nach ihren Einschlagskratern suchen soll. Erosion trägt sie ab, Sedimente decken sie zu, Plattentektonik verschiebt sie oder lässt sie verschwinden. Auf dem Mond sind die Krater leichter nachzuweisen, da seine Oberfläche sich kaum verändert. Der Mond ist daher von Einschlagskratern übersät. Hunderttausende von ihnen zernarben seine Oberfläche.

Auf der Erde wurden bisher nur 190 Einschlagskrater nachgewiesen, die mit einer einzigen Ausnahme alle jünger als zwei Milliarden Jahre sind. Nur der Vredefort-Krater in Südafrika ist 2,02 Milliarden Jahre alt, schreibt der Impakt-Forscher an der Universität Wien und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, Christian Köberl, in einem "Science"-Kommentar zu der Arbeit.

Vergleich mit dem Mond#

Hinzu kommt die Tatsache, dass Krater auf unserem Planeten auch andere Ursachen haben. "Auch tektonische Verschiebungen, die Bildung von Salzstrukturen, Vulkanausbrüche oder die Aktivität im glühenden Erdinneren können Strukturen verursachen, die so aussehen wie Meteoritenkrater", erläutert Köberl. Nur der Nachweis der Auswirkung von stoßwellenbedingter Verformung während Aufprallereignissen sei ein Beweis. "Wenn ein Schockmetamorphismus erwiesen ist oder Meteoriten gefunden werden, gilt der Einschlag eines kosmischen Brockens als sicher", schreibt Köberl.

Die Mond-Oberfläche ist seit rund drei Milliarden Jahren geologisch kaum aktiv. "Das macht den Mond zu einer idealen Leinwand für Asteroiden, die ihre Spuren hinterlassen", erläutert der Meteoritenexperte. Mangels direkter Hinweise hat das Team um Sara Mazrouei von der Universität Toronto in Kanada den Mond als Spiegel für die Häufigkeit von Einschlägen genommen. Es nutzte Infrarot-Aufnahmen der Nasa-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" von seiner Oberfläche, um das Alter von 111 Mondkratern mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern abzuschätzen.

Die Auswertungen zeigten, dass sich auf dem Mond und damit auch auf der Erde seit rund 290 Millionen Jahren deutlich mehr Meteoriteneinschläge ereignen als davor. Die vergleichsweise geringe Anzahl an Kratern aus dem Zeitraum vor 650 bis 300 Millionen Jahren ist somit nicht auf irdische Geo-Aktivität zurückzuführen, sondern tatsächlich auf eine geringere Einschlagsdichte in dieser Zeit. "Die Einschlagsdichte war einfach niedriger", betont Ko-Autor William Bottke, Asteroidenexperte am Southwest Research Institute in Boulder, Colorado. Über die Gründe rätseln die Forscher. Sie vermuten, dass eine riesige Kollision vor 300 Millionen Jahren im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter zahlreiche Trümmer ins Sonnensystem schleuderte.

Gleichzeitig dürften jedoch die Spuren noch älterer Meteoriteneinschläge auf der Erde von den Gletschern ausgelöscht worden sein, die während mehrerer Phasen der globalen Vereisung - vor 2,3 Milliarden Jahren, 720 Millionen Jahren und 650 Millionen Jahren - die Erde bedeckten. "Gemeinsam mit der geringeren Einschlagsrate erklärt das, dass man nur ganz wenige Krater kennt, die älter als 600 Millionen Jahre sind und keinen, der älter als zwei Milliarden Jahre ist", erklärt Köberl.

Die Erkenntnisse könnten für die Geschichte des Lebens auf der Erde, das von Massensterben und der Evolution neuer Arten begleitet ist, von Bedeutung sein.

Wiener Zeitung, 18. Jänner 2019