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Vexillologie: Flaggen- und Fahnenkunde#

Die Flaggen- und Fahnenkunde ist eine mit der Heraldik verwandte Wissenschaft. Sie befasst sich mit der Geschichte, Symbolkraft, Verwendung und Produktion von Flaggen und Fahnen. Aufgrund ihres speziellen Wesens ist die Vexillologie darüber hinaus eine Hilfswissenschaft der Soziologie, Massenkommunikation, Werbung, Politologie und anderen Wissenschaften, deren Kern das Thema Kommunikation darstellt. „Vexillologie“ ist ein Kunstwort, das aus den lateinischen Wörtern „vexillum“ (Tuch, Fahne) und „logie“ (Wissenschaft | „logo“ steht für Wort oder Lehre) zusammengesetzt ist. Der Begriff existiert seit 1959. Als Quellen nutzt der Fahnenkundler (Vexillologe) insbesondere Fahnenbücher sowie See- und Landkarten. Wichtiger Bestandteil der Vexillologie ist eine emotionenübetragende, sprachübergreifende und daher im Idealfall international verständliche Symbolik. Das dargestellte Zeichen auf einer Flagge oder Fahne soll über Länder und Kontinente hinweg dieselbe Botschaft vermitteln.

Dr. Whitney Smith#

Für Textildruck
Die Farben Österreichs
Erfinder des Kunstwortes und damit Begründer der Vexillologie ist Dr. Whitney Smith (*1940; † 2016). Schon mit 6 Jahren war der spätere Harvard-Absolvent in Politikwissenschaften fasziniert von der Symbolkraft von Fahnen. Eine kleine 48 Sterne umfassende US-Flagge war die erste die er besaß, ein Geschenk seines Vaters. Seit dieser Zeit versuchte der Junge, das Wesen und die Geschichte der Fahnen zu ergründen. Mit 17 Jahren etablierte er den Begriff „Vexillologie“ und gründete vier Jahre später die Zeitschrift Flag Bulletin Bereits mit 20 hatte sich der Vexillologe einen Namen gemacht.

Nationalflaggen#

Nationalflaggen haben ihren Ursprung in der Seefahrt und in der Kriegsführung. Gruppen, Organisationen, Dynastien trugen zur Kennzeichnung und zur Abgrenzung eigene Symbole, die sie auf Textilien aufbringen ließen. Diese Fahnen wurden schon im Mittelalter auf langen Stangen aufgesetzt, um eine größere Sichtbarkeit weit über Land und See zu erreichen. Waren Fahnen anfangs eher in der Seefahrt üblich, wurden sie mit dem Erstarken des Nationalismus in der Napoleonischen Ära auch an Land wichtiger. Die einstigen Handelsfahnen an den Schiffsmasten, welche die Heimat des Handelsschiffes und seiner Besatzung mitteilen sollten, wurde im 19. Jahrhundert ebenso das Symbol für die jeweilige Nation. Die Nationalflagge ist bestückt mit Symbolen, welche das Land repräsentieren sollen. Signalflaggen im Sport und in der Seefahrt Neben Abgrenzung und Gruppenzugehörigkeit werden Fahnen ebenso zur reinen Kommunikation verwendet. Bei Manövern auf See waren sie überlebenswichtig. Mit einzelnen Signalflaggen wurde so übermittelt, ob Gefahr drohte oder wie weit der Gegner noch entfernt ist. Anfangs waren sie eher als Geheimsprache zu sehen, später dann entwickelte sich eine Systematik. Jeder Buchstabe im Alphabet bekam seine eigene Flagge, und ebenso wurden besondere Ausdrücke und Zahlen als Flaggen dargestellt. Seit 1901 ist das Flaggenalphabet in dem „Internationalen Signalbuch“ festgehalten. In diesem befinden sich sämtliche Signalflaggen für Sicherheits- und Navigationszwecke. In der Neuzeit sind Fahnen allgegenwärtig. Berufsbezeichnung „Vexillologe“ Ein Fahnenkundler studiert Vexillologie und beschäftigt sich mit Fahnen, Flaggen, Fähnchen, Bannern und Wimpeln. Geschützt ist der Begriff jedoch nicht.

Der Unterschied zwischen Fahne und Flagge#

Fahne
korrektes Fahnenpaar
...
Flaggen am Nationalfeiertag
In der heutigen Umgangssprache (und auch in der Gesetzessprache) verschwimmen die beiden Begriffe Fahne und Flagge. Je offizieller die Verwendung eines Stoffstücks ist und je näher man dem Meer ist, desto eher wird der Begriff Flagge verwendet; je privater das Stoffstück ist und je weiter man ins Binnenland kommt, desto eher wird man den Begriff Fahne antreffen. In der Schweiz schließlich wird nur das Wort Fahne verwendet.
In Österreich ist die Situation noch etwas komplexer, die hier neben der sogenannten "Hissflagge" - also der an einem Mast aufgezogenen Flagge - die rot-weiß-roten Farben traditionell auch als lange "Hausfahnen" ("Bannerfahnen", "Knatterfahnen") gezeigt werden.

--> Zur korrekten Verwendung von Fahne und Flagge siehe die "Österreichische Fahnen- und Flaggenordnung"



Eine Fahne ist#

  • ein – gelegentlich reich verziertes – Einzelstück
  • das an einem Stock zum Tragen oder an einem Ständer zum Aufstellen fixiert wird
  • und auf Dauer angeschafft wird
Als Fahnen (germ. „fano“: Tuch, Fahne) verwendete Symbole auf Stangen (Vexilloide) gab es schon bei den alten Hochkulturen, gut bekannt ist das römische Fahnenwesen. Die Heere des Mittelalters und der Neuzeit verwendeten Fahnen als Unterscheidungszeichen von Einheiten im Kampf, bis moderne Kampftechniken im 1. Weltkrieg die Verwendung von Fahnen unsinnig machte. Heute werden (Truppen-)Fahnen nur noch für zeremonielle Zwecke eingesetzt.

Eine Flagge hingegen gilt als solche, wenn sie #

  • Ein Massenprodukt ist
  • an einem Flaggenmast gehisst wird
  • bei Verschleiß entsorgt wird

Flaggen (altnordisch „flagro“: wehen, flattern) im engeren Sinne kommen erst im Hochmittelalter als Unterscheidungszeichen von Kriegs- und Handelsschiffen auf. Bis heute sind sie vor allem mit der Schifffahrt verbunden. Erst durch die französische Revolution und den aufkommenden Nationalismus erhielten die Schiffsflaggen eine weitergehende Bedeutung als Nationalflaggen: Die heute in vielen Ländern (in manchen mehr, in manchen weniger) gepflogene Praxis, seine Nationalität und seinen Patriotismus durch Zeigen der Nationalflagge zu demonstrieren, ist eine verhältnismäßig neue Entwicklung.

Gruppen und Vereine#

FIAV
Flagge der FIAV
Die erste bedeutende Organisation für Vexillologie war das Flag Research Center, gegründet von Whitney Smith 1962.

1967 etablierte sich die inzwischen weltweit 55 Verbände umfassende Internationale Föderation Vexillologischer Gesellschaften (FIAV), der sich 1969 auch das Flag Research Center anschloss. Die offiziellen Sprachen der Organisation sind neben Deutsch und Englisch auch Französisch und Spanisch.

Ein bedeutendes Mitglied aus Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Flaggenkunde (DGF). Sie wurde 1995 gegründet, hat ca. 90 Mitglieder und sitzt in Berlin. Ihre Beschäftigungsfelder reichen von der Erforschung, Förderung und Pflege der Flaggen- und Fahnenkunde bis hin zu der Dokumentation historischer und gegenwärtiger Nationalflaggen.

--> Für Österreich, das nur die heraldische Gesellschaft Adler, aber keine vexillologische Gesellschaft hat, ist die Expertise des Präsidenten der FIAV und der Kroatischen Vexillologischen Gesellschaft (HGZD) dr. sc. Željko Heimer von großer Bedeutung (Lebenslauf Dr. Heimer).
--> The Flags and Arms of the Modern Era
Pazinska 50 HR-10110 Zagreb Croatia
E-Mail: zheimer@gmail.com

Weiterführendes#

Ausgewählte Literatur zu Vexillologie und Heraldik#

  • Baumgartner, Lothar: Die Entwicklung der österreichischen Marineflagge, Militaria Austriaca, Gesellschaft für Österreichische Heereskunde, Wien, 1977
  • Baumgartner, Lothar: “Zur Problematik der ungarischen Nationalflagge nach dem Ausgleich (1867-1915)”, Militaria Austriaca, VIII. Internationaler Kongress für Vexillologie Sonderdruck, Gesellschaft für Österreichische Heereskunde, Wien, 1979, pp. 5-12.
  • Biewer,Ludwig / Henning, Eckart : Handbuch der Heraldik (Köln 2017)
  • Diem, Peter: Die Symbole Österreichs, Wien, 1995
  • Diem, Peter: Probleme um das österreichische Bundeswappen, in: Mikoletzky, Festschrift für Michael Göbl, Wien 2019, pp.27-48
  • Gall, Franz: Österreichische Wappenkunde, Wien 1977
  • Galliker, Joseph Melchior: Schweizer Wappen und Fahnen, Zug 1987
  • Galbreath D. L. und Jéquier Léon: Handbuch der Heraldik (Augsburg 1990)
  • Göbl, Michael: Wappen-Lexikon der habsburgischen Länder, Schleinbach 2013
  • Hesmer, Karl-Heinz: Flaggen und Wappen der Welt. Geschichte und Symbolik der Flaggen und Wappen aller Staaten. (Gütersloh 1992)
  • Heyer von Rosenfeld, Friedrich: "Die See-Flaggen, National und Provincial-Fahnen sowie Cocarden aller Laender", Verlag der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei, Wien, 1883 pl. 1
  • Hye, Franz-Heinz: Das österreichische Staatswappen und seine Geschichte, Innsbruck-Wien 1995
  • Khuepach, Arthur von: "Interessantes aus der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine", Marine-Rundschau, nr. 46, Mönch, Bonn, 1941. p. 301
  • Krahl, Ernst: Die Wappen der Republik Österreich und ihrer Bundesländer (Original des Bundeswappens in Schwarz-Weiß)
  • Lechner, Karl: Wappen und Farben des Gaues Niederdonau in ihrer historischen Entwicklung, St.Pölten 1942
  • Lehnert, Josef von: "Beiträge zur Geschichte der k. k. Flagge. Vortrag, gehalten im militär-wissenschaftlichen Verein zu Wien am 13. März 1885", Organ der militär-wissenschaftlichen Vereine, nr. 31, Mayer, Wien 1886 pp. 3-4
  • Leonhard, Walter: Das Große Buch der Wappenkunst (München 1978)
  • Leser, Norbert/Wagner, Manfred: Österreichs politische Symbole, Wien 1994
  • Mell, Alfred: Die Fahnen der österreichischen Soldaten im Wandel der Zeiten, Wien 1961
  • Mikoletzky, Lorenz:(Hg.) Zwischen Archiv und Heraldik- Festschrift für Michael Göbl, Wien 2019
  • Neubecker, Ottfried: Heraldik – Wappen – Ihr Ursprung, Sinn und Wert. (Frankfurt 1977)
  • Neubecker, Ottfried: Wappenkunde, München, 2002
  • Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik (Leipzig 1985)
  • Pastoureau, Michel: Traité d’Héraldique (Paris 1997)
  • Scheibelreiter, Georg: Wappen im Mittelalter (Darmstadt 2014)
  • Scheibelreiter, Georg: Heraldik. (Wien-Oldenburg 2006)
  • Schmitz, Veronika:"Mit unsern Fahnen ist die Zeit" - Dissertation an der Universität Wien, Dezember 1999, 350 Seiten
  • Seyler, Gustav A.: Geschichte der Heraldik (Neustadt an der Aisch 1970 Nachdruck)
  • Sierksma,Kl.: Vlagprotocol -Traditionele gebruiken en voorschriften, Bussum, 1981
  • Spann, Gustav: Zur Geschichte von Flagge und Wappen der Republik Österreich, Schriftenreihe des Ludwig-Boltzmann-Instituts für neuere österreichische Geistgeschichte, 1994
  • Ströhl, H.G. Heraldischer Atlas, Stuttgart, 1849
  • Visser, Derkwillem: Flaggen, Wappen, Hymnen, Augsburg 1994