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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher176 ich wünsche, mit den Mailändern amalgamirt zu haben; und darauf würde ich mir etwas einbilden, weil es nicht so leicht ist und nur von sehr Wenigen erreicht wurde. [mailand] 9. mai spaur ist seit einigen tagen hier, ich machte ihm am tage nach seiner An- kunft meine visite, und heute waren wir, d.h. die delegation in corpore bey ihm; es hängt bisher der Himmel voller Geigen; neue Besen kehren gut; aber um hier zu réusiren, wird er noch manches abstreifen und manches Andere annehmen müssen, mehr diplomat und weniger Bureaucrat werden. seine familie kommt übermorgen, worauf ich mich freue. mit wahrem schmerz vermisse ich jetzt den unbeschränkten gebrauch der gouverneursloge in der scala, welche mir zur unentbehrlichen, und un- ersetzlichen Gewohnheit geworden war; überhaupt ist die Scala jetzt leer und langweilig zum erbarmen. die samoyloff geht morgen weg, nach ischia, von wo sie nach 2 monathen zurück kömmt und nach Como geht, wo es heuer sehr brillant zugehen wird; für jetzt aber ist nun auch ihr salon zu. mein leben vergeht hier unbegreiflich beschäftigt mit hunderttausend Dummheiten, die mir zu nichts Gescheidtem Zeit lassen; Theater, Visiten, corso, cova, und jetzt die sorge, wie für den sommer, faute de mieux, eine hübsche madamina oder so etwas beizuschaffen, nehmen einen großen theil des Tages in Anspruch; dazu mein langweiliges Bureau, welches mir täg- lich unleidlicher wird, weil es eine geist- und zwecklose Zeitversplitterung ist und mich blos mechanisch beschäftigt, nie aber geist und interesse in Anspruch nimmt; und so komme ich zu gar Nichts und muß noch froh seyn, wenn ich meine Zeitungen regelmäßig, und nebstbey hie und da ein vernünf- tiges Buch lesen kann; und doch läßt es sich nicht ändern; dieses dumme Bureauleben zersplittert meine kostbare Zeit ohne rettung. ich machte diese tage einen Ausflug nach como und Bellagio zu serbel- loni, der mir alle seine selbsterschaffenen herrlichkeiten jenes zauberhaften Aufenthalts producirte; leider war das Wetter nicht sehr günstig. Fremde gibt es noch sehr wenig. [mailand] 15. mai Ich werde nach und nach zu einer Art von maquignon; letzthin verkaufte ich meine Pferde und heute meine beyden Wägen, und kaufte dafür 2 große englische Füchse Courteous und einen éleganten offenen Wagen; nun bin ich noch wegen einer tilbury’s1 im handel, worein ich abwechselnd meine 1 leichter zweirädriger Wagen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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