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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher200 aber auffiel, war der Haß und die Verachtung, womit sie von ihnen sprachen; hiernach scheint es nicht, als ob das gemeine volk wenigstens in italien den Instinkt der Freyheit hätte; der Instinkt von Ordnung und Ruhe scheint ih- nen näher zu seyn. varenna 19. september hier sitze ich in einem deliziosen kleinen Pavillon hart am see, dessen allei- niger Bewohner ich bin, in der herrlichsten lage von der Welt und glücklich wie ein König; wie lange das dauern wird, weiß ich nicht, besonders der com- pleten einsamkeit halber, aber für jetzt wenigstens befinde ich mich so wohl als ein fisch im Bache. heute früh 8 uhr verließ ich como mit dem herrlichsten Wetter von der Welt; das Dampfboot war sehr voll, jedoch wenig oder gar keine Fremden, sondern lauter mailänder oder leute aus der hiesigen gegend, darunter einige Bekannte von mir, u.a. gubernialrath Beccaria etc., dann eine sehr schöne und distinguirte junge frau mad. ulrich, trotz ihres plebejischen Nahmens eine Elegante von Mailand; dieser machte ich unterwegs zum theile die cour, sie wohnt alle tremmezzina, also habe ich in diesen tagen vielleicht gelegenheit diese cour fortzusetzen. Als ich nun gegen 11 uhr hier ankam, war die erste Person, die ich unter der thüre des gasthofes traf, zu meiner großen verwunderung und freude tiesenhausen, welcher von stuttgardt aus mit dem eilwagen einen Abste- cher nach como macht, um seine cousine samoyloff, si fabula vera est, noch ein mal zu sehen (übrigens erkläre ich mir die sache einfacher und wohl auch wahrscheinlicher durch die neuliche Ankunft Berchtolds in mailand). kurz dem sey wie man will, wir freuten uns Beyde über dieses unverhoffte Zusammentreffen, wir déjeunirten à la fourchette mit einem reisegefährten tiesenhausens, einem original von einem italiäner oder Piemontesen, schon ziemlich ältlich, jedoch sehr schnackisch, dessen nahmen wir nicht wußten, der aber ein ordensband hatte, jedoch dabey ziemlich viel von einem aven- turier hatte. sie wollten die villa sommariva sehen, und so fuhr ich denn mit trotz der entsetzlichen Hitze; wir sahen denn diese mir sehr langweilige villa mit ihren Bas-reliefs von thorwaldsen (der triumphzug Alexander’s), mit ihren 2 superben Werken canova’s, Amor und Psyche und Palamedes, und ihrer unzahl mittelmäßiger statuen und gemälden, warteten dann alle cadenabbia die Ankunft des dampfbootes ab, und als ich sie an Bord dessel- ben [gebracht hatte], wo ich auch meinen alten freund taube, tiesenhau- sens Bedienten, wiedersah, fuhr ich wieder hieher zurück, wo ich ankam, als es schon Abend war. ich ließ mir von tiesenhausen eine menge geschichten aus Wien, kissin- gen, ems, Baden Baden etc. erzählen, wo er diesen sommer über gewesen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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