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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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20123. September 1841 ist; von Fürstin Therese Esterhazy und ihrer Verzweiflung, als ihr Mann sie in kissingen überraschte, von louise Almásy und von gräfin lottum, wel- cher, wie er behauptet, Prinz friedrich von Würtemberg mit erfolg die cour machte; sollte sie nur mit mir sentiment gemacht und le parfeit amour filirt haben? da wäre ich denn ein sehr spaßhafter dupe gewesen. eine Quantität mailänder Bekannte traf ich in diesen tagen in como und hier überall; auch hier sind alle Wirthshäuser gesteckt voll; das finde ich mitunter recht angenehm, wenn man nur dem Lärm auskömmt; überhaupt gewinnt der comer see nun in meinen Augen, und ich kann an einen län- gern séjour daselbst als recht angenehm denken. [varenna] 23. september es sind nun 5 tage, daß ich in varenna sitze, und mit Ausnahme des ge- strigen tages waren sie alle sehr schön, so daß ich die magnifique lage und meinen köstlichen Pavillon ganz nach Herzenslust genießen konnte; ich war ganz selig, machte täglich Ausflüge zu Wasser nach Bellaggio, wo ich auch eben heute bis nach 11 uhr Abends bey serbelloni blieb und soupirte und dann beym schönsten mondschein nach hause fuhr, nach der cadenabbia, tremmezzina, etc., den gestrigen tag, da es regnete, widmete ich den ge- selligen freuden, d.h. ich speiste mit einem deutschen, in mailand établir- ten kaufmann, neuer mit nahmen, seiner frau, und einem wunderlichen engländer, mr. Barlow, und spielte nach tisch mit mad. neuer eine Parthie Schach; Heute Vormittags war ich in der Glasfabrick in Fiume latte, hier nebenbey, worin jedoch nur Fensterscheiben gemacht werden; da ich aber noch nie eine glas-fabrick gesehen hatte, interessirte mich diese sehr, die composition besteht aus der glaserde vermischt mit kalk- und marmor- staub; diese wird in glühenden irrdenen Gefäßen gekocht, und dann davon ein klumpen an ein eisernes Blasrohr festgemacht und zu cylindern gebla- sen; diese Cylinder dann mit einem glühenden Eisen durchschnitten und in einen etwas weniger heißen glühofen gelegt, wo sie sich wie ein Blatt Papier auseinander legen, worauf sie geglättet werden, und die fensterscheibe fer- tig ist. es sind ungefähr 100 Arbeiter, jedoch davon nur 8–10 glasbläser. ich habe diese tage sehr viel gearbeitet, besonders an den Abenden, und hoffe, binnen meines urlaubs fertig zu werden. morgen verlasse ich va- renna, ungern und doch wieder gerne, denn auch Abwechslung thut mir noth, und zudem ist eine so complete einsamkeit auch nicht auf die länge auszuhalten; wo ich hingehe, weiß ich selbst noch nicht recht, entweder über menaggio und Porlezza nach lugano und dann tags darauf nach como, oder geraden Weges dahin, von como gehe ich dann nach varese und von da an den lago maggiore, wo ich etliche tage bleiben will, und zwar in Arona. mittwoch oder donnerstag den 30. bin ich dann wieder in mailand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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