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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 238 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher238 von meyendorf und saß zwischen ihr und clotilde, so waren wir seit gestern übereingekommen. das souper war sehr animirt und angenehm, frau von meyendorf amusanter als je, nach tische setzten sich abwechselnd mehrere herrn zum clavier, und da wurde dann alles mögliche tolle Zeug getrieben, zuerst ein Bischen gewalzt, dann ein contredanse mit den allerpossierlich- sten sprüngen, ich tanzte sie mit clotilde, die delicios war, voll lustigkeit und muthwillen, und wie toll herumfegte und hüpfte, immer gracieuse und distinguirt in allen ihren Bewegungen, auch ich überboth mich in sprüngen und muskelkraft und wurde wüthend applaudirt. dann wurde redowak, Altvater und eine menge solch dummes Zeug getanzt, und zuletzt sollte sich frau v. meyendorf gar mit einer cachucha produziren. kurz, wir waren sehr lustig, und es wurde 5 uhr ohne daß wir wußten wie, dann ging Alles, ich war noch eine halbe stunde lang bey clotilde, um sie nach herzenslust abzu- küssen, bis sie mich beynahe mit gewalt fortjagte, denn sie war sehr müde, und bedurfte der ruhe. heute regnet es wieder wie gestern, und somit ist der corso, welcher an- gesagt war, zu nichte geworden. [florenz] 31. Jänner ich ging gestern um 3 uhr zur gräfin Würtemberg und schwätzte da eine stunde mit ihr, sie erzählte mir nach ihrer gewohnheit eine menge can- cans, darunter auch einige sehr boshafte über die gräfin lottum, d.h. über ihr früheres leben, toujours de sa maniére doucereuse, et en protestent de ne pas y croire. nach 4 uhr ging ich zu clotilde, welche sehr angegriffen und leidend war, sie beklagt sich seit einigen tagen über Brustschmerzen, das tanzen und Wachen thut ihr nicht gut. Bald nach mir kam Putbus, und als er fortging, blieb ich noch bis 1/2 6 uhr bey ihr, ging dann zu mir hinüber toilette machen und dann zu Putbus hinab, wo wir wieder ein sehr amu- santes diner hatten. es waren da er und sie meyendorf, lapuchin, Allegri und Bonetta, mit Ausnahme Allegris lauter sehr gescheidte und interessante menschen, wiewohl Bonetta mir antipathisch ist. es wurde während des es- sens viel von Politik gesprochen, und meyendorf und Bonetta erzählten viel über Berager, thiers, mad. lafarge1 etc., nach tische hatte ich ein interes- santes gespräch mit lapuchin über die Administration und innere verfas- sung rußlands. Wir blieben bis gegen 9 uhr zusammen, dann ging ich auf ei- nen moment zur gräfin thurn mit einem Auftrage von clotilde wegen eines costumes, welches sie am 7. kommenden monats auf dem Balle bey lady 1 marie lafarge wurde 1840 in einem sensationsprozess des giftmordes mit Arsen an ihrem mann angeklagt und zu lebenslanger haft verurteilt. sie starb 1853 kurz nach ihrer Be- gnadigung durch louis napoléon.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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