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Februar 1842
holland anziehen will, dann ging ich in die Pergola, robert le diable, einen
Augenblick zu orloff, dann zu reviczky, wo auch resi thurn war, und die
gräfin r. mich in eines ihrer gewöhnlichen gespräche über liebe, treue etc.
etc. verwickelte, dont je cherchais de ne tirer de mon mieux, dann machte ich
eine visite bey montfort, sprach da mit ihm, Prinz Wasa, gräfin Bertolini
und hélène Würtemberg, und ging endlich zu clotilde hinab, welche sich
gegen ihren Willen durch meyendorf hatte verleiten lassen, ins theater zu
gehen, ich mußte da frau von meyendorf zur orloff begleiten, um von ihr
Abschied zu nehmen, da sie morgen fortgeht, etc. Als die damen gingen,
ging ich auch, und nach hause. clotilde schickte mich Anfangs fort, da ihre
leute noch nicht zu hause wären, und als ich nach einer viertelstunde wie-
der kam, blieb ich dann bis gegen 2 uhr bey ihr, fand sie aber ganz traurig
und verstimmt, wiewohl nicht gegen mich, über die beständigen dummen
Witzeleyen und späße, welche sie meinetwegen von den lapuchins, meyen-
dorf etc. erdulden muß, und besonders über das dumme geschwätz Bonet-
tas, welcher ihr, ein altes Weib wie er ist, beynahe offene vorwürfe darüber
machte, das Alles ist ihr jetzt ganz besonders unangenehm, car elle tient à
rèhabilites sa réputation devant la monde, et ne vent pas paraître d’avoir un
amant.
[florenz] 1. februar 2 uhr mittags
gestern war ein kalter trauriger tag, ganz wie ein deutscher Winter, son-
nenschein, aber ein schneidender eiskalter Wind und in der frühe ein wenig
gefrorner schnee, in meinem Zimmer erstarre ich vor kälte trotz feuer und
kamin, alle Posten sind ausgeblieben, selbst aus dem süden, was wird aus
meiner Abreise werden? das fängt nun an mich sehr zu beunruhigen, wegen
spaurs und des erzherzoges, zudem fürchte ich auch, daß mir bey einem
längeren Aufenthalte mein geld ausgehe, denn hier im Wirthshause ist es
furchtbar theuer, und ich habe in meiner eile dummer Weise versäumt ei-
nen credit-Brief mitzunehmen.
gegen 1 uhr ging ich zu graf reviczky, der noch immer gichtbrüchig
und podagrisch in seinem lehnstuhle sitzt, bald nach mir kam eine alte Be-
kannte des grafen, Baronin Palotsay, sammt ihrem sohne, worüber denn
großer Jubel war. dann ging ich einen Augenblick zu schnitzer hinab und
dann nach hause zu clotilde, die ich sehr beschäftigt fand mit der Wahl
eines costumes für den Ball bey lady holland. um 3 uhr fuhr sie aus und
schickte daher ihre visiten fort, ich wollte noch einen Augenblick tête-à-tête
mit ihr bleiben, aber sie jagte mich ohne umstände weg. ganz verstimmt
ging ich dann ein Bischen in dem infamen Wetter auf den lungarno und
dann zu orloff, wo ich eine halbe stunde blieb, und dann noch einige visiten
par carte machte etc.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien