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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher242 nalen und vierteljahrsschriften aller sprachen etc. ich blieb da bis 9 uhr und ging dann nach hause. gegen 10 uhr machte ich toilette und ging zu Bonetta, wo ich noch sehr wenige leute fand, die aber bald in haufen ka- men, so daß die salons kaum Platz für [sic]a 1 ich machte mich sehr bemerkbar, sprach mit aller Welt, pour faire acte de présence, tanzte eine tour mit der frau vom hause, und schlich mich um 1/2 12, als die leute gerade noch ankamen, ganz still davon und zu clotilde. sie war nicht zu Bonetta gegangen, erstlich weil sie sich wieder sehr unwohl und angegriffen fühlt und daher gar nicht mehr tanzen will, sie will nun nicht einmal mehr auf den kostümirten Ball zu holland gehen, und dann zum theile, weil sie sich über Bonetta und seine dummen reden, die er bey jeder gelegenheit wieder erneuert, ärgert. Auch bey lapuchin, welches für sie ein zweytes vaterhaus ist, ce qui n’empêche pas, daß er lapuchin sie lie- ber hat als er sollte und als dieß seiner frau und clotilde recht ist, wird in einem fort über mich gesprochen, obwol mich außer ihm niemand im hause kennt, und clotilde rapportirt mir getreulich Alles, was sie meinethalben erdulden muß. heute Abends war dann ein rendezvous, modéte. Anfangs ein langes trauliches geschwätz über alle ihre kleinen freuden und leiden in und außer dem hause, und dann sprachen wir von uns und unsern ge- fühlen, sie schien mich heute mehr als jemals zu lieben und sagte mir die schönsten zärtlichsten dinge, auch ich, oder eigentlich ich noch viel mehr, war ganz Anbethung für sie, je mehr liebe ich ihr zeige, desto offener und leidenschaftlicher erwiedert sie sie, das beweist mir, daß es keine koketterie, keine berechnete herrschsucht ist, welche sie in meine Arme führt, je mehr ich sie kennen lerne, desto mehr lerne ich ihr gemüth und ihre herzensgüte lieben und bewundern. das einzige worin wir noch differiren, ist ihre sucht ihren liebhaber zu beherrschen, während ich wieder ebensoviele ergebung von meiner dame fordere, doch bin ich gewiß, daß ich mit der Zeit und mit guten manieren sie ganz gefügig machen könnte. Wenn sie wollte, ich heira- thete sie auf der stelle, würde auch die liebe nicht ewig dauern, so würde sie mir doch nie, das weiß ich, unangenehm werden können, sie würde immer meinen kopf, meine eitelkeit und meine liebe für Alles, was elegant und di- stinguirt ist, befriedigen, und auf dieses würde und müßte ich bey der Wahl einer lebensgefährtin vorzugsweise sehen. [florenz] 3. februar clotilde hatte mir gestern gesagt, sie würde mich sobald sie aufstände holen lassen, ich wartete daher bis es 1 uhr wurde, dann aber war ich dans mon a der satz bricht am ende der seite ab, der gedanke wurde wohl nicht weitergeführt, im tagebuch wurde keine seite entfernt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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