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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher256 wie ich es gestern clotilden versprochen hatte, einen langen herzlichen Brief an sie, den ich dann selbst auf die Post trug. Als ich zurückkam, um 1/2 1 uhr, fuhr ich ab in dem schönsten Wetter von der Welt und mit zurück- gelegtem Wagen. diese schöne fahrt heiterte meinen geist auf, there is something stirring in dem schnellen reisen für mich. in den Alpen, und von da an weiter, traf ich wieder den gottverfluchten schnee, doch lange nicht so viel als auf meiner reise nach florenz. Warum habe ich dieses schöne land verlassen müssen? gegen 9 uhr war ich hier und trank und trinke thee in einem jämmerlichen Wirthshause. unterwegs, heute wie gestern in livorno, begegnete ich viel masken wegen der letzten faschingstage. mailand 14. februar vormittags ich weiß nicht, ob ich richtig gerechnet habe, als ich auf das geräusch des carnevalone zählte, um den übergang von diesen himmlischen tagen in florenz zu meiner gewohnten, weniger als irdischen existenz hier in mai- land zu vermitteln, gewiß ist, daß ich noch immer eine Art von Bleygewicht auf meiner seele lasten fühlte, und daß meine gedanken heute noch nur eine richtung haben. das wird wohl besser werden, ich fange an, mich mei- ner stumpfheit zu schämen, und trachte mich ihrer zu erwehren, ich ringe nach der gewohnten elastizität und thätigkeit meines geistes und nach al- len meinen sonstigen ideen und Projekten, welche mich für den moment alle verlassen haben, was ich für das vorzüglichste Zeichen ansehe, daß ich mehr als gewöhnlich getroffen bin. Aber gegenwärtig gehen alle meine gedan- ken nur einen Weg. Alles andere findet in mir nur theilnahmslosigkeit, ich denke nur an die Zeit, da ich clotilde wiedersehen werde, an die Art und die umstände unseres Wiedersehens, welches wir in florenz, bey der ungewiß- heit, in welcher sie darüber ist, was sie im nächsten sommer beginnen wird, nur höchst unvollständig verabredet haben. mein vorschlag war das schöne thun, vielleicht sehen wir uns auch in Wien, wenn sie nämlich nach schle- sien zu ihrem manne gehen sollte, was wohl nicht geschehen wird, sonst im Bade ems. Wenn sie aber, was ich für das wahrscheinlichste halte, in italien bleiben sollte, so sehe ich sie in lucca oder castellamare. und was wird unter diesen verhältnissen aus meiner reise nach Ame- rica? darin ist seit einem monathe nichts geändert, und sie wird, wenn an- ders möglich, statt haben, nur fühle ich mich jetzt weder aufgelegt noch im stande daran zu arbeiten. man möge mir diese augenblickliche schwäche zu gute halten. doch aber habe ich seit meiner Ankunft, da ich aus den hier vorgefundenen Briefen erfuhr, daß heinrich ritter in england sey, was mir sein langes stillschweigen erklärt, an dessen schwager Böckmann geschrie- ben und ihn um baldige übersendung der versprochenen Arbeit über die österreichischen handelsverhältnisse mit südamerika gebethen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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