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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher262 ären vortheil erwarte, habe ich doch einige schritte gethan, um wenigstens erkundigungen darüber zu sammeln. doch interessiren mich derley dinge jetzt, am vorabende einer entscheidung über das, was mir das wichtigste ist, sehr wenig. clotilde schrieb mir neulich, sie erwarte stündlich Brockhausen, von dem sie bereits einen Brief aus münchen, wo er sich ein Paar tage aufhält, erhal- ten hat, sonst sagt sie mir nichts darüber, überhaupt hat sie eine unglück- liche Zurückhaltung in ihren Briefen, die sie, wie sie mir selbst sagte, nicht überwinden kann, ihr leben schildert sie mir als recht animirt, die Zahl ih- rer täglichen Besuche vermehrt und verändert, charles Poniatowsky und montenegro unter ihren neuen Anbethern, desto besser, denn je zerstreuter sie ist, desto weniger hat sie Zeit, vielleicht aus bloßem mitleiden Brockhau- sen wieder gut zu werden, und ich denke, daß dieser Besuch, der ihr sehr beschwerlich fällt, einen vollständigen officiellen Bruch herbeyführen kann, denn er ist voll eitelkeit, und sie liebt ihn nicht mehr, doch wer kann ein weibliches herz ergründen? unter diesen umständen bin ich neugierig zu sehen, welche rolle mir be- schieden bleibt? sehr leid thäte es mir, wenn unser rendezvous im sommer zunichte würde, doch glaube ich es nicht, denn daß sie mich liebt, dessen bin ich zu gewiß, et elle n’est pas femme à changer si vite, eher noch wäre es möglich, daß sie Brockhausen ménagirt, und wie er weg ist, wieder zu mir zurückkehrt, und sonderbar, ich ließe mir das gefallen. unser leben di- vergirt ohnehin so sehr auseinander, und ich kann daher von ihr nichts als glückliche momente, aber kein fortdauerndes glück erwarten. ich lese jetzt mit vielem interesse die verhandlungen in der französischen kammer über die Adressen sowie über die incompatibilitäten motion des h. ganneron und die des h. ducos auf erweiterung des Wahlrechtes. die franzosen scheinen nach und nach von ihren hohlen deklamationen zurück- zukommen und praktischer werden zu wollen. sie scheinen anzufangen es einzusehen, wie wenig gehalt in ihrem öffentlichen charakter, wie wenige Bürgschaft der stabilität in ihrem politischen Zustande sey, und daß die- ser tödtliche krebsschaden in der allgemeinen stellenjägerey, welche immer eine verderbliche haltungslosigkeit im charakter hervorbringt, vornehm- lich aber darin liegt, daß die classen der gesellschaft, die durch geburt, Be- sitz und sociale stellung die ausgezeichnetesten sind, sich von der regie- rung und dem öffentlichen leben zurückziehen. dieses ist meiner meinung nach der größte übelstand der französischen Zustände, und in diesem sinne haben besonders tocqueville, lamartine und Andere beherzigungswerthe Worte gesprochen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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