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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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2855. Mai 1842 Prag ist hier wegen der Wettrennen, und auch sonst mehrere fremde, die alten Bekannten und mit ihnen die alte Zeit und die alte enggeistigkeit keh- ren wieder, und es weht mich ein hauch dummer heimathsluft an, welche die in fremden himmelsstrichen großgewordenen Blüthen freyerer höherer gedanken in mir ersticken möchte, aber gott sey dank, dazu bin ich zu alt und zu wenig hier eingebürgert, und doch ist mir zuweilen, als setzte ich unwillkürlich etwas von dem allgemeinen roste an und wundere mich dann über meine eigenen Pläne und gedanken, die so sehr in Widerspruche mit denen sind, welche auf den mistbeeten meiner umgebungen keimen. die ge- fährlichsten Bundesgenossen dieser letztern aber sind die erinnerungen an längst vergangene Zeiten, welche mir hier beym Wiedersehen von menschen und dingen aus jenen Perioden doppelt lebhaft auftauchen, und in denen ich doch, wenigstens kömmt mir dieß jetzt so vor, so glücklich war, daß ich sie wieder von vorne anfangen möchte. ruhe ist denn doch auch ein ganz großes glück, doch muß man dafür empfänglich seyn, und leider bin ich dieses nicht oder doch nur auf kurze Augenblicke, und dann kehrt gleich wieder die alte Wildheit in mir zurück. könnte ich an einem ruhigen, gewöhnlichen leben gefallen finden, um wie viel besser wäre mir! Apropos de cela, clotilde hat mich wohl ganz vergessen, die gebe ich nun auf, ich höre, Brockhausen ist seit seiner krankheit noch immer dort, und also bey ihr, und auf alle meine Briefe hat sie mir nicht geantwortet, das that sie selbst ehe unser verhältniß anfing, da sie noch in der schweiz lebte, nie. Wieder ein Blatt mehr in der kenntniß des weiblichen herzens. [Wien] 5. mai Abends Am 2. dieses monats ging ich zum grafen szecsen, erzählte ihm wie meine sachen stünden, kübecks ablehnende Antwort so wie geringer’s nachträg- liche Äußerungen, die dann doch wieder einigen trost geben, mittrowsky’s versprechen, meinem urlaubsgesuche kein hinderniß in den Weg legen zu wollen, und endlich fürst metternichs geneigtheit meinem unterneh- men förderlich zu seyn, sowie die schritte, die ich bey ihm deßwegen gethan hätte. das ende alles dessen war, daß ich ihn bath, Baron kübeck dahin zu stimmen, daß er, wenn er vom fürsten darüber befragt würde, so günstig als möglich für mich sprechen wolle, und er versprach mir das und wird es, wie ich überzeugt bin, halten. mein vertrauen zu ihm scheint ihm zu schmei- cheln, und die sache selbst interessirt ihn, so wie ich auch hoffen darf, ihm von mir eine vortheilhafte idee gegeben zu haben. endlich ist von öttl eine Antwort gekommen, aber nicht sehr tröstlich. graf stadion ließ Anfangs ein Wort über meine Jugend fallen und meinte dann, von Amerika her ließe sich nicht viel heil für unsern handel erwarten, wohl aber würde er eine reise nach ostindien unterstützen, da er diese für
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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