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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher302 nehmung seyn würde, dagegen versprach ich ihm einen andern Aufsatz über irgend einen gegenstand als Probearbeit. mit diesen und ähnlichen gesprächen wurde es 1/2 7 uhr, als wir wieder in meinen gasthof kamen, wir nahmen daher herzlichen Abschied, wobey ich ihm versprach, vor meiner großen reise noch einmahl nach Augsburg zu kommen, und dann eilte ich auf die eisenbahn, fuhr um 7 ab, war um 1/2 10 in münchen und eine halbe stunde darauf mittelst eines schlechten omni- bus wieder in meinem gasthofe, und so schloß dieser genuß- und ereignisrei- che tag. [münchen] 27. mai gestern in aller frühe war schon vor meinen fenstern ein heilloser lärmen: truppen, etwas schlechter aussehend als die seiner heiligkeit, miliz, türki- sche musik, fahnen etc., alles des frohnleichnamsfestes wegen, das ganze Zeug schien mir ziemlich kleinstädtisch, so wie mir überhaupt münchen im- mer, und jetzt mehr als jemals, wie eine Provinzialstadt vorkommt, die über ihre sphaere hinaus möchte, ein Zwerg, der sich auf die spitzen stellt. um 10 uhr begann die Prozession vor meinen fenstern vorbey, Bruderschaften, Zünfte, schuljugend etc. ohne ende, und zuletzt in Abwesenheit des königs der kronprinz und Prinz luitpold. Als gegen 12 uhr der spektakel aus war, ging ich zu irène Arco, wo ich aber eine unzahl leute fand, die bey ihr den umgang angesehen hatten und nun dort dejeunirten. diese unbekannte foule, wiewol, wie irène mir später sagte, mehrere alte Bekannte von mir darunter waren, gênirte mich, und nachdem ich mit ihr, Arthur und Julie Parry, mit welcher wir die reise von Wien hieher gleichzeitig gemacht und uns unterweges öfters gesprochen hatten, einige Worte gewechselt hatte, schlich ich mich davon, flanirte in den straßen herum, machte ein Paar blinde visiten bey méjan, Anton etc. und langweilte mich sehr, zum ersten mahle seit ich auf urlaub bin, im hofgarten traf ich später wieder irène mit einer gesellschaft, darunter meinen alten Wiener Bekannten Witgenstein und seine frau, eine sehr amusante und distinguirte frau, engländerinn von geburt. Als die damen weg fuhren, stieg ich Anfangs mit Arthur und Witgenstein, der uns seinen stall producirte, und dann mit Arthur allein herum, rauchte später bey ihm eine Pfeife, aß dann zu hause ganz allein und ging später ins theater, wo man die sonnambula von Bellini écorchirte, dort saß ich bis zu ende bey irène in der loge und fuhr nach dem theater mit ihr, oder eigentlich ihr nach, da mich mein Wagen warten ließ, zum sar- dinischen gesandten Pallavicini, dessen tag heute war. das war besser als nichts, aber doch ziemlich langweilig, ich traf dort theils schon bekannte leute als Julie Parry, gräfin Witgenstein, etc., theils erneuerte ich ehema- lige Bekanntschaften, mit gräfin lapérouse, frau Baronin hennin, beyde
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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