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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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31126. Juni 1842 den frühlinge in italien bleiben. Zwey scandaleuse geschichten machen ge- genwärtig den haupt-gossip in italien aus: die entführung der miss Jones, schwester lord ranelagh’s, der gräfin rechberg, und der ältern miss Jones, die mit gabrielle von venedig her sehr liirt ist, durch einen römischen vet- turino, den sie nun auch geheirathet hat, und die Arrêtierung einer preußi- schen Baroninn, die in den römischen kirchen marmorstückchen abbrach, en amateur, und ohne des Prinzen friedrich verwendung wohl auf die ga- leeren gekommen wäre. corvaja soll sich in Paris aus verzweiflung über die schlechte Aufnahme seiner Weltverbesserungspläne ertränkt haben, wenigstens ist er seit an- derthalb monathen spurlos verschwunden.1 [mailand] 26. Juni es ist unglaublich, wie einförmig und langweilig wenigstens in der gegen- wärtigen saison einem hier die tage verfließen,– das einzige gute, was mai- land jetzt an sich hat, ist, daß es trotz alles ennuy’s durchaus nichts klein- städtisches hat, sondern immer eine große stadt ist und scheint, dieses aber abgesehen, weiß man wirklich nicht, was man mit seiner Zeit anfangen soll, wenn man nämlich das Zuhause bleiben oder seine Berufs- und sonstigen geschäfte einmahl satt hat. Was mich besonders unangenehm afficirt, ist der gänzliche mangel an umgang mit menschen, wo es nur halbwegs der mühe lohnte, den mund zu öffnen. die deutsche, oder militairische cotterie, hier sind diese beyden Ausdrücke synonym, in die ich nothgedrungen hinein gerathen bin, ist ein jämmerliches ewiges Auf- und Abzählen der ranglisten, Agentennachrichten, von Avancements, Anekdoten aus den türkenkriegen und dergleichen angenehmer conversationsgegenstände, die hiesige, mai- länder Welt aber steht noch um viele stufen niedriger und für einen deut- schen so gut wie unzugänglich, übrigens sind mir die herren, die sie con- stituiren, auch meistens persönlich unangenehm, fremde gibt es nicht, die wenigen menschen, die sich hier mit der litteratur beschäftigen, sind fast durchgehend ganz ungenießbar, und zudem verträgt sich meine ganze stel- lung nicht mit einem näheren umgange mit ihnen, und so bin ich denn ver- urtheilt, mich in single blessedness zu langweilen. ich vergrabe mich jetzt in reisewerke und landkarten, welche America betreffen, und habe in dieser letzten Zeit wieder mehrere Briefe in Bezug auf meine reise geschrieben. gestern sprach ich lange darüber mit salm, der 1 der utopische sozialreformer guiseppe nicola corvaia (corvaja), der 1841 von mailand nach Paris übersiedelt war, war nicht gestorben, sondern nach marseilles gezogen. siehe auch Eintrag v. 31.8.1841 und zu seinem Leben den Artikel in Dizionario Biografico degli italiani. Bd. 29 (rom 1983) 811–817.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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