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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher320 obwohl ich darauf gefaßt war. selbst davon anfangen wollte ich fürs erste noch nicht. die oper hat angefangen, ziemlich gut, und hat mir ein paar recht ange- nehme Bekannte zugeführt, demoiselle Berndis (hier Bendini) und schwe- ster aus hamburg, die bisher in Wien am kärnthnerthore sang, recht hüb- sche, gebildete und liebenswürdige mädchen, zu denen ich sehr häufig und gerne gehe, ich möchte mich für die Paar noch übrigen monathe meines hierseins gar zu gerne irgendwo verlieben, aber es geht noch immer nicht, das herz ist zu ledern geworden. eine neue vielleicht nicht erfolglose verbindung habe ich diese tage hier angeknüpft mit einem der matadors des triester handels, herrn ha- genauer, er versprach mir seine ganze thätige Beyhülfe, meinte aber, ich möchte jedenfalls vor meiner Abreise auf 8–10 tage nach triest kommen, wo ich wenigstens an faktischen materialien mehr einsammeln würde als irgendwo anders, er hält sehr viel auf die Wichtigkeit der mit America ein- zugehenden handelsverbindungen und den großen vorschub, den die regie- rung hierin durch Ausforschung jener länder und errichtung von consu- laten gewähren könnte, obwohl er auch andererseits nicht minder auf den handel mit ostindien oder eigentlich mit egypten, wenn die ostindischen Produkte ihren alten handelsweg über suez werden gefunden haben, große stücke hält. vor der hand wird nun in london unterhandelt, die ostindische Post statt über marseille über triest gehen zu lassen. man sagt seit einigen tagen, daß mittrowsky staats- und conferenzmini- ster werden und taaffe sein nachfolger seyn dürfte,1 es wäre wohl Zeit, daß der alte esel einmahl abgeschafft würde, es ist eine schande und zugleich ein ruin für oesterreich, daß man solch einen Popanz solange in einer so hohen stellung duldete. in Padua sind unter den studenten wieder politische umtriebe entdeckt und verhaftungen vorgenommen worden. [mailand] 26. August vor drey tagen kam mein Buchhändler Welsch (eigentlich tendler und schäfer2) ganz triumphirend zu mir, um mir einen so eben erhaltenen Brief von campe zu bringen. dieser schrieb, das manuscript sey nicht verbrannt, sogar schon zum größten theile gedruckt, ja er habe es schon für die verflos- 1 graf Anton friedrich mittrowsky starb wenige tage nach diesem eintrag am 1.9.1842, sein nachfolger als obersthofkanzler wurde graf karl inzaghi, graf ludwig taaffe blieb Präsident der obersten Justizstelle und der hofkommission für Justizgesetzsachen. 2 karl gustav Welsch leitete die mailänder filiale und war 1846–1853 teilhaber des Wiener verlags tendler & schäfer (vor 1838 und wieder seit 1846 tendler & co.).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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