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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher324 den sollten. durch das Beyspiel marseille’s, welches im Jahre 1817 auf eige- nes Bitten aufhörte, ein freyhafen zu seyn, wurde nachgewiesen, wie groß der vortheil für jene häfen selbst, des ganzen Zollgebiethes nicht zu geden- ken, seyn würde. die einzigen schwierigkeiten hierbey, wurde gesagt, seyen zu finden: in der ungleichen consumtionsfähigkeit zwischen oesterreich und deutschland, daher ein maaßstab zur vertheilung der Zolleinkünfte fehlte, und diesem könne vorerst nur durch einstweilige Beybehaltung der Zolllinien abgeholfen werden, ich aber meine, es gäbe manch anderes und besseres mittel dagegen, in der großen runkelzuckerproduktion oester- reichs zum schaden des Zollvereines, wofür er eine consumtionssteuer vor- schlägt, endlich in österreichs tabaksmonopol, welches daher im falle eines Anschlusses, wie er vorschlägt, in sämmtlichen vereinsstaaten eingeführt werden müßte. sonst gibt es wenig interessantes in den Blättern: in england sind die Ar- beiteraufstände fürs erste beygelegt, in frankreich keifen die Journale noch immer ums regentschaftsgesetz. merkwürdig bleibt immerhin, daß 1788 in england, wie jetzt in Paris, die Anhänger der streng monarchischen Partey, damals Pitt, jetzt die legitimisten, für eine Wahl- und die konstitutionellen für eine erbliche regentschaft waren. ich halte die letztere für ein unding, um so mehr als ein allgemeines gesetz hierüber weder nothwendig ist, noch einen Bestand verspricht. indessen fängt der herzog von nemours an, von den regierungsblättern gelobhudelt zu werden, daß es einen ekelt.1 in stuttgart sitzt ein Zollcongress von regierungsräthen – o Bureaukra- tie, du fluch und krebs unseres Jahrhunderts und namentlich deutsch- lands! – aus rußland schreibt man die abenteuerlichsten geschichten von verschwörungen und Attentaten, und so spinnt sich der mürbe faden der Weltgeschichte fort. [mailand] 8. september ich erstaune und betrübe mich oft über die dürre und leere, die sich nach und nach in meinem gemüthe festsetzt. so eben blätterte ich in meinen al- ten Papieren und fand da manche herzensergießung aus früherer Zeit, wo ist jene poëtische, wiewohl trübschwärmerische lebensansicht hingekom- men? ich fühle so gar keinen enthusiasmus, keine Poësie mehr in mir, und das betrübt mich, denn ich lechze nach einer solchen stimmung wie thau- tropfen auf verdorrte lippen. nicht einmahl für die ideen, die mich nun fast ausschließlich beschäftigen, so großartig sie auch seyn mögen, fühle ich 1 louis charles d’orleans herzog v. nemours war seit dem tod seines Bruders ferdinand Philippe herzog v. orleans am 13.7.1842 als nunmehr ältester lebender sohn von könig louis Philippe potentieller thronfolger.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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