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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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36722. Februar 1843 da und dort soi-disants kinderbälle etc. die neue oper von verdi erregt wah- ren furore, und ich gestehe, nie etwas schöneres gehört zu haben, oft gibt es dann großen lärmen im theater, weil man gesangstücke wiederholen las- sen will, was nicht zugelassen wird, während es den tänzerinnen (taglioni und cerrito) erlaubt wird, darüber großen lärmen, sousparlers etc. ich ma- che es mir zu regel, nie über theatergegenstände zu streiten, denn es ist merkwürdig, wie leicht die leute da feuer fangen, als wäre dieses der wich- tigste gegenstand auf erden, ich hatte letzthin ein paar ähnliche discussio- nen mit Appel und Pachta, welche so heftig wurden, daß ich mir vornahm, künftighin ähnlichen auszuweichen. im casino begrüßte mich neulich ein Bekannter, der mich seit 10 Jahren nicht gesehen hatte: graf Bielinski, ehemaliger polnischer senator, welchen ich 1831, 1832 und 1833 viel in Prag und Wien gesehen hatte, damahls war er, obwohl keineswegs exaltirt, doch noch von der kaum verklungenen ca- tastrophe seines vaterlandes aufgeregt, jetzt scheint er seinen Bauch mit offenbarer hintansetzung des königreiches Polen gepflegt zu haben. elise Berndis soll nach spanien kommen und schreibt mir eine unzahl Briefe um Beystand und hülfe, das wird langweilig, übrigens kömmt sie nächstens hier an, da in turin das theater mit dem fasching, d.i. am 28. dieses monats aufhört. in Padua hat es einen studentenkrawall gegeben, wo das militär ein- schreiten und feuern mußte, wobey einige verwundet wurden. veranlassung dazu gab ein subscriptionsball, von welchem die studenten ausgeschlossen worden waren. die französischen und englischen Journale sind nun schon seit 3 tagen ausgeblieben in folge der hohen Wässer in den Alpen. ich erwarte alle tage die Ankunft der 2. Auflage von „oesterreich und dessen Zukunft“, dieses ist gegenwärtig der einzige angenehme lichtpunkt für meine gedanken, neu- lich wurde erzählt, die regierung habe sämmtliche noch übrigen exemplare der 1. Auflage aufgekauft. es ist, als ob das schicksal manchmal es wirklich darauf anlegte, die menschen verrückt zu machen. vor einer Woche standen 3 verbrecher, wor- unter ein junger hiesiger mediziner von gutem hause und vermögen, auf der schandbühne, da sie wegen raubmord zu 20jährigem schweren kerker verurtheilt worden waren. da dieses faktum einige sensation erregte, so versäumten die abergläubischen lotteriespieler (deren es hier im gemeinen volke eine unzahl gibt) nicht, die betreffenden nummern: 2 (Jahre der cri- minaluntersuchung) 3 (Zahl der verurtheilten) 26 (Alter des hauptschul- digen) 20 (strafdauer) und 90 (große menschenmenge, wegen des Zusam- menlaufes) zu setzen, und richtig kamen alle 5 nummern heraus, so daß ungeheuere gewinnste gemacht wurden. heute war nun die nächste Zie-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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