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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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38130. April 1843 gewisse menschen können doch gar nichts geschickt angreifen! der arme erzherzog carl ferdinand ist in Wien und sterbend, er hat die gallopirende lungensucht, und noptsa reist diesen Abend ihm nach. das wird die erste und einzige hoftrauer seyn, die ich mit Wahrheit tragen werde, denn es war bey allen seinen Jugendthorheiten ein vortrefflicher, liebenswürdiger Prinz.1 natalie Palffy ist dieser tage hier durch gereist, hielt sich anderthalb tage hier auf und ließ mich nicht rufen. das ist doch schwarzer undank, ich erfuhr es erst, als sie schon fort war, und es that mir leid, sie nicht gesehen zu haben, erstlich weil sie mich trotz oder wegen ihrer dummheit amusirt, und dann weil ich mir gerne hätte geschichten aus neapel erzählen lassen. clementine mocenigo ist hier und bleibt den sommer über, sie ist, obwohl sehr abgemagert, doch ganz hübsch, und es würde ganz der mühe werth seyn, ihr den hof zu machen. hans carl dietrichstein ist nun auch wieder aus rom und neapel zurück, wo er seine reisegefährtinn catherine Pereira begrub, die ich noch vor 2 monathen hier gesehen hatte. neapel war diesen Winter fatal für die oesterreicher: 2 frappante todesfälle, diesen und lotte kinsky. c.P. hatte eine ganz wunderbare Ahnung, als sie mit ihrem manne in neapel ankam, begegnete sie dem leichenwagen einer jungen schönen fürstinn trubetzkoi, welche ihr mann nach rußland zurück führte, da warf sie sich dem ihrigen in die Arme und rief: so wirst du mich bald führen, und so geschah es. hier ist jetzt eine schlechte französische komödie, und ich habe mit taxis leider eine loge genommen, es lohnte wahrlich der mühe nicht. ebenso öde und traurig ist die scala trotz meiner schönen protégée malvani, überall re- miniscenzen an vergangene herrlichkeiten, hier an die frezzolini, taglioni (welche übrigens endlich mit vieler noth zu ihrer médaille gekommen ist) und cerrito, dort an die deliciose taigny. gabrielle, welche jetzt bey der Abwesenheit der erzherzoginnen vacanzen hat, braucht nun eine vollständige cur ihrer leberbeschwerden wegen, sie lag ein Paar tage im Bette und kann noch wenig, zu fuße gar nicht, ausge- hen. ich bin in diesen tagen mit genauer noth und nicht ohne geldopfer ei- nem verhältnisse mit einer übrigens recht hübschen Person (eugenia n.) entkommen, welches man mir auf den hals zwingen wollte. ich habe eine so unwiderstehliche Abneigung davor, mich in irgend einer hinsicht zu binden, daß ich schon aus dieser einen ursache vor dem métier eines entreteneurs zurückschrecke, und so auch dieses mahl, obwohl ich die Person schon seit länger her kannte und sie mir ausnehmend wohl gefiel. das sind üble dispo- sitionen für den ehestand. 1 erzherzog karl ferdinand überwand die krankheit, er starb erst 1874.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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