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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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4458. Oktober 1843 sche und wohlgekleidete mädchen sind, besonders hier in Amsterdam sah ich ein solches, das wirklich sehr hübsch aussah. Was mir hiebey besonders auffiel, war die unzahl menschen, besonders frauen, aus den unteren volksklassen, welche außen auf der straße steht und dem lärmen inwendig zuhört, das muß doch zur demoralisation beytra- gen. gestern früh um 8 uhr verließ ich rotterdam, nachdem ich durch die nachlässigkeit der leute im hôtel beynahe den Wagen versäumt hätte, um nach dem haag zu fahren, der Weg ging über overschie und delft und war so anmuthig und reizend, als man sich nur etwas denken kann, eine beständige folge von landhäusern, gärten, fermes, eleganten Windmühlen, von de- nen es in ganz holland, besonders aber hier eine masse gibt, sie dienen nicht allein zum mahlen des getreides, des tabaks etc., sondern auch zum Aus- pumpen des Wassers von den Wiesen, welche tiefer liegen als die canäle, das meer und die flüsse, welches in ganz süd- und nordholland der fall ist und einen sonderbaren Anblick gewährt. dieses ausgepumpte Wasser wird dann zur Zeit der ebbe, wenn der Wasserstand in den canälen niedrig ist, in diese geleitet. diese kanäle, deren es eine unzahl gibt, sind mit hölzernen Planken umgeben, die ein Paar spannen höher sind als der Wasserspiegel, und von denen unzählige schleußen und nebenkanäle in die benachbarten Wiesen gehen und diese bewässern. Auf ihnen schwimmen unzählige fahrzeuge und treckschuiten (trekken, ziehen, weil sie von Pferden gezogen werden). um 10 war ich im haag, ich sah das museum, worin eine sehr mittelmä- ßige Bildergallerie ist, unten ist in 6 sälen eine sehr interessante curiositä- tensammlung aus der holländischen geschichte (darunter reliquien von van speyk, der sich 1831 vor Antwerpen in die luft sprengte1), dann chinesische, japanische, ostindische, afrikanische etc. sammlungen, um diese gehörig zu sehen, würde man tage brauchen, dann fuhr ich nach dem 1/2 stunde entfernten scheveningen, sah das Badehaus, die dünen etc. leider war die Brandung gerade ziemlich gelinde; die Leute baden hier in einer Art von Wägen, die mit Pferden ins meer gefahren und dort ausgespannt werden. hinter dem Wagen ist eine Art von treppe wie bey den omnibus, auf diese tritt der Badende und läßt sich von den Wogen anschlagen. in scheveningen werden eine menge von muschelarbeiten verfertiget. der Anblick der nord- see ist hier imposant. Auf dem rückwege fuhr ich durch den Bosch, d.i. der königliche garten, ich wollte noch das Palais, welches darin steht und sehr interessant seyn 1 der holländische leutnant Jan carl Josephus van speijk sprengte sich am 5.2.1831 samt seinem schiff im hafen von Antwerpen in die luft, um nicht von den belgischen Aufständi- schen gefangengenommen zu werden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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