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Oktober 1843
baren koth auf den straßen. Jene schönen tag[e] benützte ich, um in der
Stadt herum zu flaniren.
von den merkwürdigkeiten der stadt habe ich bis nun gesehen: den
Jardin des Plantes, das hôtel des invalides (leider kann man den ort, wo
napoleons Asche ruht, nicht sehen, weil dort eben an seinem mausoleum
gearbeitet wird), den louvre d.h. das museum im louvre, die Bildergallerie
blieb unter meiner erwartung. doch gibt es darin eine unzahl rubens, und
von italienischen meistern 2 herrliche saintes familles von raphaël, dann
mehrere schöne Bilder von guido reni, dominichini, guercino, Andrea del
santo, tizian etc. Auch sind ein Paar schöne murillo’s da. im rez-de chaus-
sée ist eine große und sehr schöne sammlung von antiken statuen.
interessant war mir der kolossale Begräbnißplatz Pére la chaise, eine
Art von necropolis mit vielen berühmten männern, die da ruhen, die merk-
würdigsten nahmen, so wie ich mich erinnere, sind moliére, la fontaine,
foy, manuel, casimir Perier, massena, macdonald, mortier, lefévre, ser-
rurier, suchet, kellermann, s. cyr, Barras, cambacérès, sieyes, talma,
ney (der weder stein noch denkmal hat), gall, maret, martignac, Benja-
min constant, dupuytren etc., wovon mehrere sehr schöne monumente ha-
ben, endlich das uralte grabmal, worunter Abélard und héloïse ruhen.
ganz besonders prachtvoll ist die neue kirche de la madelaine, vielleicht
mit gold und Basreliefs überladen, jedoch der architektonische styl edel
und schön, wiewohl mehr ein antiker tempel als eine katholische kirche.
überhaupt gibt es hier sehr viele schöne gebäude, die aber in dem häu-
sermeere hie und da zerstreut liegen, so sind, in so weit ich sie bis nun sah:
das Palais Bourbon (die deputirtenkammer), das luxembourg (leider kann
man jetzt das museum nicht sehen, da darin gearbeitet wird), die ecole de
médicine und gegenüber die clinique, der louvre und besonders der große
hof desselben mit dem denkmahle von lapérouse, die colonne vendôme
und die gebäude, die sie umgeben, die colonne de Juillet auf der Place de
la Bastille, die Paläste des conseil d’etat, der légion d’honneur, des gar-
demeubles und des ministére de la marine, diese beyden letzteren auf der
Place de la concorde (louis Xv. révolution), wo louis Xvi. enthauptet
wurde, und welche überhaupt mit dem großen obelisk von luxor in der
mitte, den 2 magnifiquen fontainen rechts und links, den vergoldeten säu-
len mit den schiffsschnäbeln rings herum und der entourage von Bäumen
(der Jardin des tuilieries auf der einen, die champs elysées auf der anderen
seite) einen imposanten Anblick gewährt.
Weiters bemerkenswerth sind die tuilerien, der Arc de triomphe davor
auf der entsetzlich verunstalteten place du carrousel, die Bildsäule louis
Xiv. auf der Place des victoires, die Prison-modéle de la roquette nach dem
neuen system, die ich mir vornehme, genau zu untersuchen, die kirchen
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien