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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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46511. Dezember 1843 rung aufrichtigen Beystand zu leisten, statt sie durch ein unweises häkeln und Boudiren noch mehr zu schwächen und so die russischen Absichten, d.i. gänzliche Auflösung und Anarchie in jenem Reiche zu befördern. Daß Oesterreich dieses einsehen werde, zweifle ich, es wird wohl wieder eben so dumm darein fahren wie bisher in allen ähnlichen gelegenheiten. unsere inneren Zustände fangen an, im Auslande, namentlich in deutschland, im- mer mehr beachtet und besprochen zu werden, und das ist sehr gut, es gibt uns nach und nach den politischen sinn, der uns bisher so sehr abging, und das gefühl unserer Bedeutung, und das kann und muß zum fortschritt führen. Auch die vielen schriften, die fortwährend über oesterreich er- scheinen, tragen mächtig dazu bey, und ich wünsche mir glück, meiner- seits dazu ein gutes theil contribuirt zu haben. [mailand] 11. dezember Wir haben bisher das schönste Wetter von der Welt gehabt, ganz wie im verflossenen Jahre um diese Zeit, manchmal war es sogar wirklich heiß. mein leben verstreicht ziemlich einförmig, ich gehe oft zu mestchersky, welche noch immer hier sind, man sagt, daß ich hélène m. heirathe! en voilá une par exemple, doch sind es recht gute liebe leute und Boris’ frau besonders eine charmante graziöse kleine Person. Abends bin ich meistens bey Julie samoyloff und mache mit ihr eine Whist-parthie, seit einigen ta- gen hat sich nun auch ein sehr geistreiches hasardspiel dort etablirt, an dem Julie großes Gefallen findet, und wo ich regelmäßig mein Geld ver- liere. mathilde Berchtold ist ebenfalls hier, doch gehe ich weniger zu ihr, da mir aus mehreren versuchen ihr salon lange nicht so homogen ist als der Julie’s, noch gibt es alle tage geschichten, Brouillerien und farcen zwi- schen all den Weibern, welche diese coterie bilden, und dieses ist für einen nichtbetheiligten, wie ich bin, oft recht amusant, eine neue Acquisition in diesem Kreise ist eine Baronin Pflummern geb. Taufkirchen aus München und ihr langweiliger unglücklicher liebhaber, general rath, der unaus- stehlichste der sterblichen. Alfred lotzbeck ist hier und scheint ziemlich lange bleiben zu wollen, trubetzkoi und ich haben die Aufgabe, ihn hier zu lanciren, auch kein sehr amusantes subjekt. trubetzkoi ist zum geburts- tage der erzherzoginn nach Parma, hoffend sich da einen orden zu holen, was wohl nicht gelingen wird, ich habe ihn an ida Bombelles empfohlen.1 ich wäre hauptsächlich wegen dieser recht gerne nach Parma gefahren, wenn ich es auf eine bequeme Art, z.B. mit spaur, hätte thun können, doch 1 Gräfin Ida Bombelles war eine Schwägerin von Marie Louise Fürstin v. Parma, ihr 1843 gestorbener mann ludwig war ein Bruder von marie louises drittem gatten (seit 1834), graf charles-rené Bombelles.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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