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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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46721. Dezember 1843 weniger gesuchte und daher leichter zu erlangende stelle zu begehren, um auf diese Art in die diplomatie zu kommen. doch verschob ich es damals, weil ich früher erst den erfolg meiner schritte wegen der südamerikani- schen mission wissen mußte, und diesen, d.h. das complete fehlschlagen meiner Pläne, erfuhr ich erst hier bey meiner Zurückkunft. nun wartete ich auf eine günstige gelegenheit, und diese schien mir sich jetzt gebothen zu haben, indem felix schwarzenberg nach Wien geht. ich sprach ihm daher bey Walmoden, wo ich mit ihm aß, sehr lange davon, er versprach mir, davon mit dem fürsten metternich zu sprechen, widerrieth mir aber sehr, den Po- sten in Brasilien zu begehren, weil da keine Wahrscheinlichkeit vorhanden wäre, unter 6 Jahren wieder weg zukommen. ich schrieb dann dieser tage an Baron depont und bath ihn, mir zu sagen, ob er glaube, daß ein mémoire an fürst metternich zum Zwecke meines übertrittes in das diplomatische corps einen guten erfolg haben dürfte? von Brasilien sprach ich also nicht, wenigstens nicht ausschließlich, sagte aber, daß ich jede Bestimmung, sey sie wo immer hin, gerne annehmen würde. diesen Brief wird depont, wie ich weiß, dem fürsten vorlegen, und sonach wird seine Antwort so ziem- lich entschieden ausfallen. die idee jener handelsreise nach America habe ich Angesichts der unmöglichkeit ihrer Ausführung so ziemlich aufgege- ben und mich bald darüber getröstet, erstlich sind regrets überhaupt nicht meine sache, und dann ist bey allen meinen Plänen und Projekten das liebe ich stets im vordergrunde, und ich interessire mich um die sachen selbst nur in so weit, als dieses schätzbare Ich dabey seine Rechnung findet, und dieses gibt mir diese beneidenswerthe elasticität des geistes, welche mir erlaubt, eine sache, deren unausführbarkeit ich erkannt, zu verlassen und ohne Bedenken zu einer anderen überzuspringen, von welcher ich Besseres erwarte. das hindert jedoch nicht, daß ich mich noch immer vorzugsweise mit handels- und ähnlichen interessen beschäftige, denn in diesen liegt die Zukunft der Welt und also auch die meinige. mestchersky sind fort nach nizza, spaurs sind in trauer wegen des todes der kleinen der armen clementine mocenigo, die hiermit ihr einziges in der Welt verloren hat. der salon von Julie samoyloff, wo ich alle tage bin, ist zu einer wahren spielspelunke geworden. doch spiele ich nur mäßig, weil ich mich mit den damen besser unterhalte und nebstdem in BadenBaden eine zu derbe lektion erhalten habe, leider geht sie schon am 27. nach Paris. ich sehe öfters mlle grahn, eine hübsche niedliche dänin, welche diesen Win- ter an der scala tanzen wird, indessen amusirt sie mich mit ihren cancans von der französischen oper in Paris und von fanny elssler, mit der sie à couteaux tiré ist. diese ist seit ein Paar tagen hier, doch habe ich ihre Be- kanntschaft noch nicht gemacht, ihre cousine hermine e. ist auch da, und wie natürlich haugwitz.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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