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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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51722. Mai 1845 ich auch. caroline ist eine charmante liebe Person, aber Jetti ist das non- plusultra weiblicher unwiderstehlichkeit. Am selben tage früh reiste Walmoden ab, nach hannover, und Abends gustav neipperg mit castle nach stuttgart. letzterer hat mich ersucht, ihm dazu behülflich zu seyn, hier allenfalls im kommenden Winter Vorle- sungen über Phrenologie halten zu dürfen, und ich habe es ihm zugesagt, nicht der Phrenologie und auch nicht castle’s halber, sondern weil ich es immer als einen gewinn, als einen Beytrag zur entwilderung des hiesigen Publikums ansehe, wenn seine gedanken auf etwas ernsteres gerichtet werden, als auf Würste und sauerkraut. laszlo karoly reiste ebenfalls in diesen tagen ab, um als volontair auf ei- nem englischen linienschiffe unter captain maunsell die reise nach china zu machen. dagegen ist slomans (in hamburg) Projekt einer reise um die Welt heuer nicht zur Ausführung gekommen, weil sich nur 15 reiselustige meldeten.1 deutschland ist doch noch zu spießbürgerlich! nachdem der ganze Winter und frühling bisher so langweilig als mög- lich verflossen, ist plötzlich der Teufel in die Leute gefahren, und es hat dieser tage Bälle etc. gegeben, 2 bey schwarzenberg, ein großer und sehr schöner bey metternich etc., und man spricht noch von einem bey sir r. gordon. Auch eine ziemlich leere redoute gab es neulich, wo mich meine maske aus dem odeon (Adèle Zichy) nicht losließ. diese meine conquête ist aber weder sehr hübsch noch besonders jung. nächste Woche ist die installation louis karoly’s als obergespan des neutraer comitats, vielleicht gehe ich da hin, ich wünschte sehr, solch ein ungarisches fest zu sehen. ich bin jetzt im Begriffe, ungarisch zu lernen und dazu den kommenden sommer zu verwenden. es wird mir interessant seyn, eine nation und ein land kennen zu lernen, an welches wir uns in vielen dingen spiegeln sollten. die böhmischen deputirten sind noch hier. die conferenzen mit ihnen, wovon man so viel sprach, beschränkten sich auf eine, worin sie ihre Begeh- ren vortrugen. die Antwort wird im ämtlichen Wege erfolgen. erzherzog stephan, der auch hier ist, ist wie immer charakterloser comödiant und zieht hier gegen alle leute über salm los. Am 15. war der einmarsch des husarenregiments kaiser nikolaus und der Abmarsch der uhlanen, es soll superb gewesen seyn, leider kam ich wieder zu spät, besonders der junge erzherzog franz Joseph an der spitze einer division seiner dragoner soll ganz ausgezeichnet ausgesehen haben. überhaupt ist die äußere erscheinung dieses jungen Prinzen eine sehr vortheilhafte zum unterschiede von seinen verwandten, ob seine innerli- 1 vgl. dazu eintrag v. 25.3.1845.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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