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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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52730. Juli 1845 ich war gestern per pedes in hadersdorf und aß bey loudon, eine herr- liche Promenade. neulich war Pirutschade in schönbrunn, der herzoginn von kent zu ehren, die gestern fort ist. dann bengalische Beleuchtung des Parterre’s. morgen sollte Ball in schönbrunn seyn, wird aber wegen des todes des alten fm Bellegarde, welcher gestern Abend erfolgte, abgesagt. fürst metternich ist neulich nach dem rheine abgereist, ich begegnete ihm unweit Penzing. vorgestern war ich mit hugo nostitz, der eben angekommen, in döbling bey spangen, welcher nach seiner schweren krankheit erschreckend aus- sah, wir fanden ihn mit seinem stiefvater im garten der irrenanstalt des dr. görgen. [unter sankt veit bei Wien] 30. Juli Auch die arme Justine erdödy ist hinübergegangen, sie starb am montag den 27. um 11 uhr Abends. ich erfuhr es erst am morgen darauf im hause selbst. Steffi war wie vernichtet, er führte mich zu der Todten hinein, wel- che gar nicht entstellt aber wachsgelb war. das ganze haus ist ein haus des Jammers, 7 kleine kinder! ich selbst fühle mich seit einigen tagen durch diese wiederholten Aufregungen sehr betroffen, und manchmal fürchte ich mich unwillkürlich vor dem schicksale viviens. neulich war ich bey der herzoginn v. Angoulême und mademoiselle,1 welche hier in der nähe zu fechsdorf wohnen. sie sind beyde, wie sie vor 6–7 Jahren in görz waren, die tante ordinair und unangenehm, die nichte liebenswürdig und voll geist und seele in den schönen blauen Augen, vor- gestern war ihretwegen (und der modeneser Prinzessinnen) Ball in schön- brunn, wo ich aber der trauer wegen nicht erschien. Am Annatage, als dem namensfest der kaiserinn, war feuerwerk in schönbrunn, welches trotz des strömenden regens sehr gut ablief. ich stand unter lazzi festetics’s Paraplui im gedränge. erzherzog friedrich ist gestern, nachdem er nur 2–3 tage hier verweilt, an den rhein abgereist, um die königinn victoria dort zu begrüßen. ich hätte sehr gewünscht ihn begleiten zu können, denn ich fühle das Bedürf- niß, wieder einmahl hinaus zu kommen aus der dummen heimath, und nach deutschland zieht es mich mächtiger als sonst irgend wo hin, aber seine schnelle Abreise und die verspätete Ankunft Bombelles, dem ich dar- über sprechen wollte, aus ungarn vereitelten leider meine Pläne. er hat übrigens nur seine eigenen herrn, general lebzeltern und oberst marino- vich mitgenommen 1 marie therese herzogin v. Angouleme, tochter von könig ludwig Xvi. und marie Antoi- nette, und ihre nichte louise Prinzessin v. Berry, enkelin von könig karl X. von frankreich.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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