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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher560 Auch der Ball bey clary und noch ein paar andere wurden abgesagt oder verschoben, es gab daher diese Woche nichts als ein improvisirter kleiner Ball bey fürstinn lorchen [schwarzenberg]. kielmannsegge ist gestern frühe fort, ich sah ihn ziemlich viel, einen Abend besuchten wir zusammen den neuen tanzsaal im sophienbad (im sommer eine schwimmschule), welcher das schönste und geschmackvollste ist, was ich in dieser Art gesehen, wo es aber an dem tage ganz entsetzlich leer war, und das odeon, einen andern Abend war ich mit ihm im thea- ter auf der Wieden, wo uns der treffliche Beckmann, welcher nun leider im Burgtheater engagirt worden ist, in der „reise nach spanien“ und als preu- ßischer landwehrmann sehr amusirte. k. erzählte mir viele geschichten aus mailand, die mir meist unbekannt waren. etwas was ich hier doch nicht gefunden habe und auch nicht finden werde, sind salons wie die bey Julie samoyloff und mathilde Berchtold. Pischek singt jetzt auf der Wieden und entzückt alle Welt, ich konnte noch keine loge bekommen neulich war ich auf einem theaterball in der Josephstadt, wo ich meh- rere alte Bekanntinnen wiederfand: dlle rosarins [?], erhartt, steiner, mad. Wass (franzl Palfy ist in venedig), mad. Beckmann, dlle grüner etc. edmund hartig ist declarirter Bräutigam mit Julie Bellegarde, worüber ich mich sehr freue, sonderbar, daß ich voriges Jahr Julie B. mit seinem Bru- der verkuppeln wollte. ich habe so eben einen neuen Aufsatz für die „gegenwart“ vom stapel ge- lassen, und zwar über die Adressedebatten in den französischen kammern vom constitutionellen gesichtspunkte aus betrachtet, der Artikel über das recht der Arbeit befindet sich noch immer in der verhandlung bey der cen- surbehörde. in der politischen Welt nichts neues. graf nesselrode ist seit ein paar tagen hier, die englische Parlamentssitzung ist so eben eröffnet worden, und gestern war die congregation des Pesther komitates, auf die man so gespannt ist, es wird da auch der Bericht der letzten deputation vorgekom- men seyn. vedremo. Philipp stadion geht morgen nach modena ab, um das Beyleid unseres hofes zu überbringen. diesen morgen ist der 2. sohn der fürstinn louise schönburg nach langer krankheit gestorben. henriette nostitz ist hier und soll im märz entbinden, ich sah sie diesen Abend bey flore. dann ging ich noch auf einen Augenblick auf den Ball bey Pereira, wo aber heute viel weniger menschen waren als neulich. ich glaube, die guten leute haben sich durch die unglückliche idee, sich in die Aristocra- tie lanciren zu wollen, einer reihe von Avanieen ausgesetzt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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