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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 564 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher564 gesichte so vieler chicanen, so unendlicher dummheit, meine Zeit und mei- nen geist so nutzlos zu vergeuden. die flügel sind mir gesunken. Wieviele solche unterdrückte intelligenzen hat unsere schandvolle censur auf dem gewissen! gott besser’s, ich aber wollte, ich wäre weg, weit weg aus diesem lande, wo die gemeinheit und die stupidität regieren. ich lese jetzt toussenel’s les Juifs rois de l’époque. das Buch ist ein ereig- niß, mir aus der seele geschrieben, ich muß oft das titelblatt nachsehen, um mich zu überzeugen, daß nicht ich es bin, der das Buch geschrieben hat. ottenfels ist pensionirt, und an seiner stelle ist lebzeltern ernannt,1 je crois qu’à peu près l’un vaut l’autre. Wir haben nun schon seit 8 tagen ein so schönes und warmes Wetter, daß man beynahe in sommerkleidern ausgehen möchte. es haben schon ein paar déjeuners im freyen stattgefunden. die dampfschifffahrt ist schon seit eini- gen Wochen eröffnet, es gibt hie und da schon veilchen. [Wien] 27. februar die nachrichten aus Polen lauten immer betrübender, unsere truppen sind bis an die schlesische grenze zurückgegangen, weil unbegreiflicherweise weit und breit keine verstärkungen zu haben waren, und die 600 mann, die in Podgorze und dann in krakau standen, sich gegen die insurgenten nicht halten können. Auch mit den lebensmitteln sieht es bey dem dießjäh- rigen mißjahre übel aus. Wieliczka ist preisgegeben. die insurgenten strei- fen schon bis ungarn ins Arvaer comitat. übrigens ist lemberg ruhig und die communication frey. Alles rennt durcheinander, und man hört die lä- cherlichsten gerüchte, heute heißt es, 10.000 russen hätten krakau besetzt, das wäre sehr ehrenvoll für uns hinausgejagte, und die Polen hätten Adam czartoryski zum könige von Polen ausgerufen. Anfangs faselte man hier von communistischen verschwörungen. dieses Wort ist jetzt mode geworden wie einst die Jakobiner und früher die Jesuiten. die maßregeln, die hier ergriffen werden, sind gut oesterreichisch, d.h. schneckenlangsam, doch marschiren truppen aus mähren dahin, und am 3. fährt das regiment deutschmeister nach olmütz (per eisenbahn), um diese zu ersetzen. Wie unbegreiflich dumm, daß wir keinen telegraphen haben! diese ganze rath- und hilfslosigkeit erinnert mich lebhaft an die schilde- rungen aus 1805 und 1809, wir sind um nichts klüger geworden, ein gutes Avis au lecteur für Alle die, welche auf eine künftige umwälzung in größe- rem maßstabe rechnen oder sich davor fürchten. 1 diese information erwies sich als falsch, frh. franz v. ottenfels-gschwind blieb bis 1848 leiter der administrativ-inländischen Abteilung der staatskanzlei und wurde nicht durch den früheren Botschafter in neapel graf ludwig lebzeltern ersetzt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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