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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 613 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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61318. August 1846 festung magdeburg sitzt und dessen rein historische bey campe erschie- nene Brochure: l’Ami du peuple, so eben von der preußischen regierung verbothen worden ist.1 doch geht sie dabey ganz loyal zu Werke: die An- klageakte des königlichen oberprocurators beym obercensurgerichte wurde campe (der sie mir zeigte) zur vertheidigung mitgetheilt und erst über sein stillschweigen das verboth ausgesprochen. Wären wir erst so weit. nebstdem ist campe aber auch der Patron aller jungen oder anonymen schriftsteller, die auf verbotenen Wegen wandeln, und es ist amusant, die masse von schriften, politischen geschichten etc. zu sehen, die ihm zuge- sandt werden, die er in seiner komisch phlegmatischen Weise oberflächlich durchsieht und dann meistenstheils wieder zurückschickt. unter andern dingen kam, als ich eben bey ihm war, ein manuskript von einem Wie- ner (scherzer) über oesterreichs sociale Zustände und über die mittel, die untern klassen moralisch und materiell zu heben, schien mir nicht übel.2 ein anderes original lernte ich bey ihm kennen, einen herrn stàncsics aus Pesth,3 aussehend wie ein schmutziger handwerksbursche, der ihm ein un- garisches Werk über Philosophie und natürliches staatsrecht aufgeschwätzt hat. Bey schuselka war ich bloß einmahl, er trug sich mir an, zur gewinnung von Zeit die correctur der schrift zu übernehmen. doblhoff war bey ihm ge- wesen, hatte ihm mehrere der staatsschriften der niederösterreichischen stände mitgetheilt, und diese scheinen auf ihn einen sehr günstigen ein- druck gemacht zu haben. schuselka ist ein guter teufel, der gar zu gerne wieder nach oesterreich kommen dürfen möchte, und dessen Prüfungszeit erst kommen wird, wann einmahl diese gloriole aufhören wird, welche ihn jetzt tröstet. einen Abend war ich im theater, wo eine tänzerinn aus moskau (dlle sankowsky) in der fille du danube tanzte, so so, in wenigen tagen soll lu- cile [grahn] auf gastrolle nach hamburg kommen, ich bin recht froh, daß ich ihr ausgekommen bin. im theater traf ich herrn schutte, der mich nicht mehr losließ, in den neuen Alsterpavillon führte und mich einlud, tags dar- auf (sonntag) mit ihm bey reinville zu essen. das geschah denn auch beym schönsten Wetter von der Welt, nur war die hitze groß, dagegen die Aussicht auf die elbe etc. herrlich, eine sehr gute musik, ein gutes diner und eine sehr freundliche fahrt über Altona, ottensen, an klopstocks grab vorbey 1 l’ami du peuple. skizzen aus marat’s journalistischem leben (hamburg 1846). die ano- nyme Broschüre wird in den einschlägigen katalogen nicht edgar Bauer zugeschrieben. 2 Wahrscheinlich handelt es sich um karl scherzers erst 1848 in Wien erschienene studie über das Armthum. 3 Wohl der Publizist michael stancsics (tancsics).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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