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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 614 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher614 etc. nur genirt mich die unglückselige hamburger gastfreundschaft, kraft welcher sich die leute verpflichtet glauben, jeden trunk Wasser für einen fremden zu bezahlen, so daß man am ende kaum mehr den mund aufzu- thun wagt. Auf dem rückwege besuchten wir den hamburger Berg und einige der berühmtesten tanzhäuser daselbst (4 löwen), wo wir die schön- sten huren und die schmutzigsten matrosen fanden. Auch die Börse hatte ich mir wieder einmahl zur Börsenzeit ganz gemäch- lich angesehen, es gibt doch kein zweckmäßigeres, bequemeres und rationel- ler eingerichtetes gebäude dieser Art in ganz europa. gestern um 1/2 4 nachmittags fuhr ich per eisenbahn von Altona ab, eine herrliche fahrt. holstein ist eines der schönsten üppigsten länder die ich kenne, die herrlichsten Wiesen mit dem schönsten hornvieh, die schönsten Äcker, jeder einzeln mit lebendigen hecken eingefaßt, dazwischen der herr- lichste Baumwuchs, die freundlichen rothen häuser, hie und da wohl auch große flächen, wo torf gestochen wird, und dann hie und da größere und kleinere seen, ein fast ganz flaches land, erst in der nähe von kiel fängt ein merkwürdig wellenförmiges hügelland an, welches aussieht wie eine mit grün und Bäumen überwachsene sanddüne. um 1/2 7 war ich in kiel, in der schönsten lage von der Welt an einem 2 meilen langen Busen der ostsee. meine sachen wurden hier sehr gelinde visitirt, und ich stieg im gasthofe zur stadt hamburg ab. ich erkundigte mich nun hier um die fahrgelegen- heiten nach kopenhagen. das facit ist, daß ich am schnellsten hinkomme, wenn ich morgen nachmittag mit dem neuen dampfschiffe stadt copenha- gen abfahre. heute früh bin ich eine stunde lang in der herrlichen Bucht herumgese- gelt, habe dann zu düsternbrook ein seebad genommen, ein Wannenbad im vergleiche zu helgoland, aber in der himmlischesten lage von der Welt, und habe dann den schönen Weg bis hieher zu fuße zurückgemacht. es ist nicht möglich, etwas Anmuthigeres zu sehen als diese gegend. nachmittag war ich in tivoli, einem tagestheater im freyen, wo ich eine menge hübscher gesichter sah, zu beyden seiten der Bänke und tische waren riesenhafte samovars für die theetrinker. nachher machte ich noch eine Promenade nach dem herrlichen düsternbrook. ich kann mich nicht satt sehen an die- ser schönen gegend mit dem herrlichen grün und dem magnifiquen Baum- wuchs. Warum geschieht in allen deutschen, besonders norddeutschen städten soviel für Anlagen und spatziergänge, während bey uns selbst in den be- deutendsten städten gar nichts darauf verwendet wird? sinn für natur und lust zum spazierengehen hat man bey uns so wie hier. Antwort: weil keine municipalfreyheit, folglich kein gemeinsinn vorhanden ist, vielleicht auch, weil doch unläugbar der Wohlstand bey uns geringer ist.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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